Das Deutsche Gewölbemuseum recherchiert: Ein- und A usrüstungssysteme zum Bau der Gewölbe in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts

Das Deutsche Gew=F6lbemuseum recherchiert:
Ein- und Ausr=FCstungssysteme zum Bau der Gew=F6lbe
in der 2.H=E4lfte des 19.Jahrhunderts
Gew=F6lbe lassen sich ohne technische Ausr=FCstung
durch Maurerarbeit bauen. Der vertikale Mauerwerks-
bau geht dabei =FCber in einen Gew=F6lbebau. Es liegt
dann an der Art der W=F6lbung und dem Formgef=FChl
der Maurer, ob sich das machen l=E4=DFt. Es gibt sehr
viele Arten des Gew=F6lbebaus mit Mauerwerk. Ge-
w=F6lbe mit Flachziegeln lassen sich im freien Vorbau
durch die Maurer aufmauern. Es gibt auch andere
W=F6lbungssysteme, bei denen das geht. Man
m=FC=DFte sie sich zusammenstellen.
In der Regel mu=DFten jedoch Vorrichtungen geschaf-
fen werden, die dazu dienen, das den Raum =FCberw=F6l-
bende Mauerwerk solange auf einem 'Lehrger=FCst'
aufzumauern, bis das Gew=F6lbe geschlossen ist
und das Bindemittel zwischen den Steinen abbin-
den konnte.
Die Worte f=FCr diese technischen Hilfsmittel, die
es erlauben, einzuw=F6lben, unterlagen einer Mode
und einer regionalen Auspr=E4gung. Man trifft also
auf ganz verschiedene Bezeichnungen, die daf=FCr
in Umlauf waren. Man m=FC=DFte sie sich zusammen-
stellen und genau dazu aussagen, was damit ge-
meint ist. Worte, die daselbe meinen, m=FC=DFten zu-
sammengebracht werden. Es handelt sich dann um
ein Kurzlexikon der technischen Hilfsmittel beim
W=F6lbungsbau, das sogar einen historischen =DCber-
blick g=E4be. In welchem Umfang das bereits sehr
einfach nachgeschlagen werden kann, w=E4re zu
ermitteln, um das Aufgefundene sinnvoll erweitern
zu k=F6nnen.
Der Autor eines kurzen Textes aus dem Jahre 1862
(1) nennt einen "Ausr=FCstungsapparat", der f=FCr den
W=F6lbungsbau einsetzbar war. Er wurde beim
Br=FCckenbau eingesetzt. Als Beispiel ist die Br=FCcke
von Austerlitz angegeben. Man hatte sie solange
einger=FCstet gehalten, bis sie "dem Verkehr =FCber-
geben war". (2)
Das Gewicht, das die 'Einr=FCstung' auszuhalten
hatte, war das enorme Gewicht "aus dem Gew=F6lbe-
mauerwerk und der Beschotterung der Br=FCcken-
bahn". Das 'Einr=FCstungssystem' war komplex. Es
gab dazu auch "ein Ausr=FCstungssystem". Beides
geh=F6rt zusammen. Von dem Ausr=FCstungssystem
wird im Text gesagt:
"Es hat dieses Ausr=FCstungssystem auch noch den
Vortheil, da=DF es wohlfeiler ist als dasjenige mit
Keilen." (3)
Demnach gibt es im W=F6lbungsbau zu dem Ein-
r=FCstungssystem ein Ausr=FCstungssystem entweder
mit Keilen oder ohne Keile. Im Text wird also ein
Ausr=FCstungssystem ohne Keile beschrieben.
Als Fragenkatalog wirft sich auf, seit wann es
Ausr=FCstungssysteme mit Keilen gab, und ob es
neben diesem Ausr=FCstungssystem, das 1862 be-
schrieben wird, zuvor schon oder gleichzeitig an-
dere gab.
Wenn propagiert wird, das beschriebene Ausr=FC-
stungssystem sei "wohlfeiler" als eines mit Keilen,
dann fragt sich nat=FCrlich, warum das so ist und
f=FCr welche F=E4lle der Satz gilt.
Es hei=DFt im Text:
"Bei der Br=FCcke von Austerlitz geschah die Aus-
r=FCstung in zwei Stunden, und es l=E4=DFt sich dieselbe
noch geringer bewirken /.../, soda=DF alle Lehrbogen
sich gleichzeitig senken k=F6nnen." (4)
Es geht bei dem Ausr=FCstungssystem also darum,
Lehrb=F6gen in m=F6glichst kurzer Zeit zu senken.
Danach kann das gesamte Ein- und Ausr=FCstungs-
system abger=E4umt werden, da das Gew=F6lbe fertig
ist.
Es mu=DF beim Ausr=FCsten einer W=F6lbung auf viel
Vorsicht geachtet werden. Diese Vorgehensweise
kam beim Ausr=FCsten der Br=FCckenb=F6gen der Br=FCcke
von Austerlitz zustande:
"Bei diesem Vorgehen senkte sich der Lehrbogen
allm=E4hlig und l=F6ste sich gleichm=E4=DFig und ohne
Sto=DF von dem Gew=F6lbe ab." (5)
Man hatte beim Ausr=FCsten der B=F6gen zun=E4chst
nur um 4 bis 6 Millimeter abgesenkt. Das Ausr=FC-
stungssystem konnte also sehr fein und langsam
gleichzeitig an allen Auflagerpunkten des Lehr-
bogens wirksam gemacht werden. Es hatte somit
nichts Rohes an sich. Es lie=DF sich fein steuern.
Es wurde erstmals bei der Br=FCcke von Austerlitz
eingesetzt:
"Bei der Br=FCcke von Austerlitz bei Paris, deren
Umbau am 20.Mai 1854 begonnen und am 8.No-
vember des darauf folgenden Jahres dem Verkehr
=FCbergeben wurde, wendete man dieses Ausr=FC-
stungsverfahren zum erstenmale an." (6)
Es fragt sich nun, wie ein solches Ausr=FCstungs-
system aussieht. Es besteht aus Teilen, die zum
Ausr=FCstungssystem zusammengesetzt werden.
Das wesentlichste Element wird so beschrieben:
"Das Wesentlichste des hier dargestellten Aus-
r=FCstungsapparates ist eine blecherne Trommel,
die mit Sand gef=FCllt ist, welcher durch Oeffnungen
am untern Theile abzieht, w=E4hrend ein Kolben
von gleichem Durchmesser als die Trommel nach-
r=FCckt und mit ihm der Lehrbogen, den er tr=E4gt."
(7)
Die St=FCtzen, auf denen der Lehrbogen f=FCr die
Aufmauerung der W=F6lbung ruht, stehen also bei
diesem Ein- und Ausr=FCstungssystem in Trom-
meln, die mit Sand gef=FCllt sind, der beim Aus-
r=FCsten gleichm=E4=DFig abgelassen wird. Die St=FCtzen
sind durch Streben verbunden, damit Seitenbe-
wegungen des Einr=FCstungssystems mit den Lehr-
b=F6gen dar=FCber unm=F6glich sind.
Der Sand in den Trommeln mu=DF vor Feuchtig-
keitsaufnahme gesch=FCtzt werden, da er nur als
staubtrockener Sand aus den Trommel im Gleich-
ma=DF abgelassen werden kann.
Beim Einr=FCsten l=E4=DFt sich mit Hilfe des Sandes in
den Trommeln die H=F6he der Lehrb=F6gen regulieren.
In der erforderlichen Zahl der Pf=E4hle werden die
Trommeln an der Baustelle auf einer sicheren
Unterlage platziert. Dann wird trockener Sand
in die Trommel gesch=FCttet,
"w=E4hrend ein Kolben von gleichem Durchmesser
als die Trommel nachr=FCckt und mit ihm der Lehr-
bogen, den er tr=E4gt." (8)
Darauf werden also die Pf=E4hle stehen, die das
Lehrger=FCst zu tragen haben. Die H=F6he der Pf=E4hle
l=E4=DFt sich mit Hilfe des Sandes in den Trommel
regeln. Dadurch lagen die Lehrger=FCste f=FCr die
Br=FCckenbogen genau in der richtigen H=F6he f=FCr
den Einw=F6lbungsvorgang, als man es bei Auster-
litz einsetzte.
Durchdenkt man das Verfahren, das im Aufsatz
aus dem Jahre 1862 bis ins Einzelnen beschrieben
ist, genauer, so ist das Ausr=FCstungssystem also
zugleich ein Bestandteil des Einr=FCstungssystems,
da beim Einr=FCstungsvorgang damit die Lehrb=F6gen
in die richtige H=F6he gebracht werden k=F6nnen.
Das System, obwohl raffiniert ausgedacht, wirkt
sehr einfach. Es ist aber wesentlich komplexer
als man denkt. Auch erfordert es ziemlich gut
=FCberlegte Schritte beim Einsatz auf der Baustelle.
Es w=E4re n=FCtzlich, all die anderen Ein- und Aus-
r=FCstungssysteme f=FCr den W=F6lbungsbau kennen-
zulernen, die bis 1862 angewandt wurden. Ge-
nauso interessant ist nat=FCrlich all das, was da-
nach zum Einsatz kam.
K.L.
Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in
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Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de
Anmerkungen:
(1) o.A.: Ausr=FCstung der Gew=F6lbe. S.73-75 in: Allge-
meine Bauzeitung. Wien, 1862
(2) siehe: o.A., wie vor, S.75
(3)-(5) zitiert aus: o.A., wie vor, S.75
(6) zitiert aus: o.A., wie vor, S.74
(7)-(8) zitiert aus: o.A., wie vor, S.73
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Karl-Ludwig Diehl
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