Farben in der Biedermeierzeit: aus Pflanzenstoff pr äparierte Farben haben Probleme mit dem Ätzkalk der Wände

Farben in der Biedermeierzeit: aus Pflanzenstoff präparierte Farben haben Probleme mit dem Ätzkalk der Wände
Die Frage ist, wie in der Biedermeierzeit Farben aus
Pflanzenstoff gewonnen wurden. Seit der Beschäfti- gung mit Wassermühlen sind mir Farbmühlen als Bau- typus geläufig. Der Farbproduktion bin ich bisher jedoch noch nicht nachgegangen. Es dürfte nicht uninteressant sein, genauer zur Darstellung zu bringen, wie zu dieser Zeit aus Pflanzen Farben herausgezogen wurden und wie die Farbgewinnung im Laufe des 19.Jahrhunderts modernisiert wurde. Als ich an einer Kunstakademie studierte, gingen wir auch einmal in die Landschaft, um über die Herstellung von Farben aus auffindbaren Naturstoffen zu diskutieren. Das war jedoch nur ein kurzer Einstieg in das Thema. Es hätte um historische Studien vertieft werden müssen, was aber unterblieb. Da von mir das Fach Malerei nicht belegt worden war, stellte ich das Thema zurück.
In einem kurzen Beitrag von 1837 werden "Berliner- und Mineralblau", der "Wiener Lack" und das "Neu- und Ro- senrot" als Farbstoff aus Pflanzen erwähnt. Diese wür- den auf einer reinen Kalkwand "vom Aetzkalk zersetzt". (1)
Aus der Erfahrung heraus sei man gewöhnt gewesen, vor dem Auftrag der Pflanzenfarben die Wände mit Milch oder aufgelöster Wachsseife zu bestreichen. Je- doch sei das nicht ausreichend, wird erklärt.
Es wurde in der Biedermeierzeit empfohlen, weißen Ton in saurer Milch zu verdünnen, um damit die Wände zu überstreichen. Denselben guten Effekt erziele man, wenn dafür ein "Mineral-Weiß" genommen würde. Was genau dieses "Mineral-Weiß" darstellt, wird leider nicht ausgesagt.
Einerseits, so wurde 1837 ausgesagt, würden die Far- ben dann schön leuchten, andererseits träten keine Probleme der Ätzung durch den Kalk in der Wand auf. Dem Ton schrieb man wundersame Eigenschaften zu:
"Ueberhaupt ist Thon ein sehr gutes Substrat für alle Farben." (2)
Man hatte, wie im Jahr 1836 schon, solche Hinweise gerne aus dem "Notiz-Blatt des Architekten-Vereins zu Berlin" in die Allgemeine Bauzeitung übernommen, was dazu veranlassen kann, in dieser Berliner Schrift genauer nachzuforschen.
K.L.
Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in http://groups.google.com/group/de.sci.architektur und http://groups.google.com/group/de.sci.ing.misc zur Diskussion gestellt. Der Autor ist über folgende Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de
Anmerkungen: (1) siehe dazu: o.A.: Farbenanstrich auf Kalkwand. S.48 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1837 (2) zitiert aus: o.A., wie vor, S.48
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