Fragen zu Fukushima

Mal einige Fragen, ich hoffe sie wurden nicht schon größtenteils gestellt und beantwortet, da ich nicht alles hier gelesen habe!
Warum sind die Hilfsgeneratoren "durch den Tsunami" ausgefallen? Sind sie naß geworden und können dann nicht mehr betrieben werden?
Dieses Werk liegt direkt am Meer. Warum sind die Beschäftigten dann nicht beim Tsunami ertrunken?
Hätte man die Generatoren dann nicht auch so schützen können, wie anscheinend die Beschäftigten?
Könnte man nicht auch die Nachzerfallswärme nutzen, um Strom für die Kühlung zu erzeugen? (Wenn man das von Anfang an so geplant hätte.)
Die Brennstäbe sollten ja dann (bis vor kurzem?) mit Mehrwasser gekühlt werden: Naiv stelle ich mir vor, daß der Druckbehälter mindestens zwei Öffnungen haben muß. Könnte man dann nicht durch die ein Wasser einpumpen, wobei durch die andere dann Wasserdampf (oder Wasser) wieder austritt?
Warum ist das jetzt (2011-03-14T14:37:16+01:00) anscheinend nicht mehr möglich oder nicht erfolgreich?
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Am 14.03.2011 14:38, schrieb Stefan Ram:

Die Generatoren liefen bis zum Tsunami. Sie stehen eventuell nicht hoch genug und sind abgesoffen. Irgendwo stand auch "weggespült". Das wäre kein Problem, denn es sind acht Stunden Batteriekapazität da. Das Hauptproblem sind Pumpen, Rohre, Ventile, Wärmetauscher,... Die könnten durch Schlamm verstopft sein. Man hat mobile Generatoren rangeschafft und die stationären Generatoren teilweise wieder gestartet. In Fukushima Daini hat das geklappt.

Waren vorgewarnt, haben aufgepaßt, standen auf dem Dach?

Klar, die Welle war 10m hoch. Damit hat keiner gerechnet. Das Erdbeben war mindestens fünfmal so stark, wie die Auslegung vorschrieb.
10^8,25 >> 177827941,00     (Auslegung) 10^9.00 >> 1000000000,00     (Erdbeben) 1000000000,00/177827941,00 >> 5,62
5,6 mal so große Erdbebenenergie wie Auslegung. pure Schätzung, Entfernung unberücksichtigt

Wird möglicherweise in den Abklingbecken und Zwischenlagern gemacht. Heizt aber nur die Duschen. :°)

mehr wäre gut, leider hatte man nur Meer

mehrere Öffnungen
Macht man, aber wohin mit dem Dampf? Der schleppt radioaktive Elemente mit.

Macht man doch. Man will nur sowenig wie möglich ablassen und ist schon gerüchteweise beim 1,5 fachen Betriebsdruck, also kurz vorm Knack.
Carsten
--
http://www.nichtlustig.de/toondb/080115.html

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Man darf auch nicht vergessen, daß die meisten Kraftwerke ein wesentlich größeres Erdbeben, als in der Auslegung vorgesehen ist, gut überstanden haben.
Von ca. 50 Kraftwerke mit grob geschätzt 100 Reaktoren sind nach einen fünfmal so großen Erdbeben, wie als größtes angenommen drei kritisch. Die haben wohl schon einen Sockel, der ein Durchschmelzen verhindern müßte. Das ist so schlecht nicht. Eigentlich sollten die Blöcke vor zehn Jahren verschrottet werden. Block 1 war in diesem Monat fällig. http://www.icjt.org/plants/uni/a/uni194a.html
Carsten
--
http://www.nichtlustig.de/toondb/051220.html

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begin quoting, Carsten Thumulla schrieb:

Richtig. Die Space Shuttles sind auch meistens wieder heil runtergekommen.
So Vorfälle wie Windscale, Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima und Biblis muß man schließlich vor dem Hintergrund der vielen tausend störungsfreien Reaktorbetriebsjahre sehen. Wo gehobelt wird, da fallen halt Späne. Ein Vergleich mit Russisch Roulette wäre völlig fehl am Platze.
Gruß aus Bremen Ralf
--
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Am 14.03.2011 16:13, schrieb Ralf . K u s m i e r z:

Ja, als die neu waren jammerten alle, daß sie bei der Landung nicht durchstarten können. Täglich landen tausende Segelflugzeuge. Den Start und den Wiedereintritt sah ich damals als Probleme, nicht die Landung.

Ja, schon, there is no free lunch. Ansonsten können wir uns das Rechnen sparen. Tröstlich ist, daß man jetzt das Geld in regenerative Energien steckt, das man ideologiemäßig schon für selbige verschleudert hat.

tja
Es gibt auch Leute, die spielen mit einer Pistole Russisch Roulette. Wo ist da das Rolette? (vorsicht, kein Fake)
http://img52.imageshack.us/i/weddingroulette.gif/
Die meisten Kraftwerke haben wesentlich mehr ausgehalten als die Auslegung vorschrieb. Das soll man nicht vergessen.
Außerdem hat man jetzt praktischerweise alle Sauereien auf einem Haufen. Das ist besser, als wenn die übers Land verstreut wären.
Carsten
--
"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie
entstanden sind."
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Hallo,
Carsten Thumulla wrote:

mit der Aussage wäre ich vorsichtig. Aus der Tatsache, dass es im Epizentrum eine 9,0 war kann man so ohne weiteres keine Rückschlüsse auf die Stärke an den Kraftwerksstandorten schießen.

Mal sehen, was noch so kommt... Was man so man hört köchelt ja schon der nächste.
Marcel
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Aha, dann wäre also eine Kernschmelze unter Umständen ein kleineres Übel als zuviel durch die Kühlungsmaßnahmen abgelassene Radioaktivität? Es geht also nicht darum, die Kernschmelze um jeden Preis zu verhindern?
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Am 14.03.2011 15:07, schrieb Stefan Ram:

Das weiß ich nicht. Wenn man "einschmelzen" könnte, ohne daß was austritt, dann ja. Bis jetzt ist noch nicht "viel" raus. Man müßte trotzden kühlen, weil Gase entstehen und die suchen sich einen Ausgang. Das ist also keine Alternative. Kühlen ist alternativlos. :°)
Carsten
--

http://www.youtube.com/watch?v=Td2MsP-hi0Y


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begin quoting, Stefan Ram schrieb:

Das ist nicht unabhängig voneinander. "Kernschmelze" heißt fragmentierte Innereien - damit ist Notkühlung nicht mehr möglich, weil die Trümmer die Pumpen demolieren.

Die Frage stellt sich wohl nicht mehr. Die Abläufe sind jenseits jeder handbuchmäßigen Abläufe.
Gruß aus Bremen Ralf
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begin quoting, Stefan Ram schrieb:

Die wird Dir niemand wirklich sicher beantworten können.

Weiß man nicht genau. Denkbar ist, daß sie einen Wasserschlag gekriegt haben, also im Laufen Wasser angesaugt - dann sind sie natürlich Schrott. Aber es kann auch sonst alles Mögliche passiert sein.

Hätte man. Wenn man vorher gewußt hätte, was passiert.

Das hat man geplant und tut es - dort gibt es dampfgetriebene Notkühlpumpen, die daher mit wesentlich weniger Strom als elektrische auskommen. Bloß funktioniert sowas ohne Dampfdruck nicht anständig.

Denk mal über die Zielsetzungen nach:
In Stufe 1 will man bei einem Vorkommnis die Sachschäden begrenzen, um die Anlage reparieren zu können. Das kann man wohl abhaken.
In Stufe 2 geht es um radiologische Schadensbegrenzung, also die Freisetzungen von Radioaktivität zu minimieren. Dabei werden drei Teilziele angestrebt: Erstens Zeitgewinn - es geht nicht nur die Nachzerfallswärme zurück, sondern parallel dazu die Radioaktivität. Zweitens soll die Anlage möglichst dicht und drittens die Temperatur des Kernbrennstoff möglichst niedrig gehalten werden, um eine komplette Kernschmelze zu vermeiden und die Freisetzung der Radioaktivität aus den Resten der Brennelemente zu reduzieren.
Die Rein-und-raus-Methode ist für die Emissionsminimierung sicher suboptimal und auch nicht notwendig: Die Größenordnung 10 MW Nachzerfallswärme können über die Größenordnung 10 m^2 Reaktordruckbehälteroberfläche schon abgeführt werden (Sonnenschein ist vergleichsweise 1 kW/m^2, also 2-3 Größenordnungen weniger, der RDB wird also trotz forcierter Außenkühlung ungemütlich warm). Das Problem ist hinreichende Konvektion im Inneren, um die wesentlich kleineren Brennelemente unter ca. 800 °C zu halten, damit kein Wasserstoff entsteht: Ohne Druck siedet das Wasser und kühlt dann sehr schlecht. Sobald der RDB nicht mehr druckdicht und die Notkühlpumpen außer Funktion sind, ist es einfach ganz schlecht.
Reingehen und was machen kann man wegen des sehr hohen Dosisleistungspegels auch nicht, wahrscheinlich nicht einmal mit Robotern.

Tja...
Gruß aus Bremen Ralf
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Am 14.03.2011 16:32, schrieb Ralf . K u s m i e r z:

sollte genug da sein

Warum nicht? Dann müssen sie gebaut werden, so wie der "letzte in der Asse", der sich zum Schluß selbst einpackt.
Carsten
--
"Ich soll also Gebühren dafür zahlen, daß ich ein internetfähiges Gerät
besitze, auch wenn ich gar keinen Internetanschluss habe? Tja, dann
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begin quoting, Carsten Thumulla schrieb:

Wo kommen bloß die ganzen ahnungslosen Dummschwätzer alle her?
Könnte vielleicht mal jemand dem Autor mitteilen, daß es nicht "nuklearen Aktivitätsexkursion", sondern "Leistungsexkursion" heißt? Irgendwie genauso fachkundig wie "Aktuell ist davon auszugehen, dass die Freisetzung der Strahlung bewusst in Kauf genommen wurde, als heiße und unter hohem Druck stehende Gase aus dem Kern von Block 1 und 3 abgelassen wurden, um noch höhere Drücke und damit die Gefahr der Explosion der Kerne abzuwenden."
Ja, ja, die Kernexplosionen...
Gruß aus Bremen Ralf
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Ralf . K u s m i e r z wrote:

Och, wenn der erstmal schön zusammenschmilzt und prompt kritisch wird, geht da schon noch was. Knallt zwar mangels Dauer nicht so schön, wie eine Atombombe, aber so eine Verpuffung mit massig radioaktivem Material ist schon ganz schon widerlich.
marcel
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On Mon, 14 Mar 2011 17:35:05 +0100, "Ralf . K u s m i e r z"
Ist bei der E10-Diskussion auch nicht anders ....
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*Ralf . K u s m i e r z* wrote on Mon, 11-03-14 17:35:

Was glaubst Du wohl, mit welchem Begriff umgangssprachlich ein in der Kücke platzender Dampfdrucktopf beschrieben würde? Dieser Text stammt nicht von einem Kerntechniker sondern einem Physiker und von allen, die ich bisher sah, ist er mit Abstand der beste.
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*Carsten Thumulla* wrote on Mon, 11-03-14 17:07:

Vielen Dank. Endlich eine komplett vernünftige Zusammenfassung. Genau die Fragen, die ich mir stelle, beantwortet er leider auch nicht.
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