Moin, Marte,
Am 15.12.2025 um 00:08 schrieb Marte Schwarz:
Genau.
Genau. Es steht ja auch jedem frei, sich als Regelleisungseinspeiser präqualifizieren zu lassen, Regelleistung anzubieten und vom bestehenden Preisanreiz zu profitieren. Das scheint tatsächlich - wie die Praxis zeigt - ein durchaus einträgliches Business zu sein.
Diese Anreize werden über die Börse ausgehandelt. Das ist für jeden Marktteilnehmer transparent und wirkt systemstabilisierend.
Die Bedarfsdeckung quasi "für jedermann" zu öffnen, wäre im Prinzip genau die Idee, die damals C.M. vorgeschlagen hatte.
In der Regelungstechnik gibt es einen Fundamentalsatz: eine Regelstrecke darf nicht "Diener zweier Herren" sein. Wenn zwei Regelalgorithmen unabhängig voneinander auf dieselbe Regelgröße (hier die Netzfrequenz) Einfluss nehmen, kann das kein gutes Ende nehmen. Das ist so, als wenn Fahrer und Beifahrer gleichzeitig am Lankrad zerren, um das Fahrzeug aus ihrer jeweiligen Sicht bestmöglich in Spurmitte zu halten. Wird eine der Regelungen instabil, kann dies u.U. das ganze System in die Instabilität führen.
Ein Parallelbetrieb von klassischer Primärregelung und preisgetriebenem Ausgleich von Bedarf und Einspeisung kommt also eh nicht in Frage - abgesehen von der grundsätzlichen Problematik: wer ließe sich auf ein Geschäftsmodell ein, das ein anderer Akteur ihm jederzeit vor der Nase wegschnappen kann? Die preisgetriebene Bedarfsdeckung kann ja nur von den Brosamen der transienten Regelabweichung der Primärregelung "leben"
- und um das zu können, müsste sie überdies deutlich performanter sein als die klassische Primärregelung. Mit der fortschreitenden Abdeckung von Regelenergie aus Batteriespeichern wird die Primärregelung immer performanter (was sie auch werden muss). Das führt auf einen Performanzlimbo allein um der eigenen Marge wegen hinaus.
Also müsste man schon - und das war ja auch C.M.'s Idee - groß denken und das ganze System der Bedarfsdeckung auf die preisgetriebene Variante umstellen. Mal abgesehen von technischen Aspekten - allein vom Organisatorischen und Regulatorischen her sind das nur feuchte Träume. Alles umwerfen auf einen Fingerschnipp hin? Der große Big Bang - und danach ist alles anders und besser?
Und dass es grundsätzlich nach meiner Einschätzung nicht mal funktionieren kann, hatte ich mehrfach dargelegt. Das ist eigentlich - wenn man ein bisschen was von dynamischen Systemen versteht - auch eher ziemlich trivial, mit normalem Menschenverstand nachvollziehbar und jedenfalls kein Hexenwerk. Man muss nur bereit sein, über das unterkomplexe "man müsste doch einfach nur..." hinaus einen Schritt weiter zu denken.
Gruß, V.