Kernkraftwerke sollen Gaskraftwerke ersetzen - geht das?

Derzeit wird ja allenthalben gefordert, auf die Stromproduktion durch
Gaskraftwerke zu verzichten und sie durch längere Laufzeiten der AKWs
zu ersetzen. Siehe z.B. Lindner:
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"Wir müssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise
kommt", sagte der FDP-Vorsitzende der "Bild am Sonntag". "Deshalb
darf mit Gas nicht länger Strom produziert werden, wie das immer
noch passiert."
Würde das funktionieren? Ich bin nicht vom Fach, meine aber gehört
zu haben, dass beide Kraftwerkstypen ganz unterschiedliche Bereiche
abdecken. Die Kernkraftwerke die Grundlast, wogegen Gaskraftwerke
für die Regelung zuständig sind, weil sie schnell reagieren.
Könnten also AKWs die Gaskraftwerke überhaupt ersetzen?
Danke
Martin
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Martin Klaiber
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Arno Welzel schrieb:
[...]
Man müßte ja nicht auf alle verzichten. Aber man könnte doch das Gas einsparen, das man sonst bräuchte, um den von den AKWen nicht mehr erzeugten Strom durch Gaskraftwerke zu erzeugen.
Denkt sich
Reinhard
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Reinhard Zwirner
Wäre es vielleicht auch möglich, Gaskraftwerke auf Betrieb mit Benzin oder Diesel/Kerosin umzubauen?
Wenn ich es richtig verstanden habe, sind das im Prinzip Turbinen oder Verbrennungsmotore, wie sie auch in Flugzeugen und Fahrzeugen verwendet werden, nur dass sie in Kraftwerken eben mit Gas laufen. Das müsste mit flüssigen Brennstoffen doch genauso funktionieren.
Oder wäre so ein Umbau zu aufwändig oder unmöglich?
Danke Martin
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Martin Klaiber
Der Trend ist ein anderer, auch schon vor dem deutschen Gasboykott.
Hier zwei Beispiele eines Netzbetreibers, den ich seit Jahrzehnten "verfolge":
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Soviel zur Dimension der aktuell laufenden Technik (12Zylinder, 507l Hubraum, 300t Gesamtgewicht, 7,5MW elektrisch, 7,5MW thermisch).
Bevor diese großen Gasmotoren dorthin kamen, standen dort teils kleinere Dieselaggregate.
So jetzt die aktuelle Entwicklung:
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Gruß, Ralf
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Ralf Kiefer
Das ist nicht das, was hier mit Kraftwerk gemeint ist. Soweit es nicht um reine Spitzenabdeckung geht, reden wird iirc über GUD mit um die 300 MW Blockleistung.
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Axel Berger
Dabei ist die Frage, welche Sorten mehr Leistungsanteil am Gesamtmarkt haben, die "paar" großen oder die vielen kleinen? Dazu kenne ich keine Daten.
Gruß, Ralf
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Ralf Kiefer
Martin Klaiber schrieb:
Moderne Gasmotoren sollten dual-fuel sein, meist sind sie ohnehin schon Zündstrahlmotoren. Die neuen sollten kontinuierlich zwischen Gas (1% Diesel zum zünden) und 100% Diesel "umschaltbar" sein.
Viele Gas-Gasturbinen (sorry) haben einen Notlaufbetrieb mit Heizöl als Brennstoff. Die Alstom-Turbinen (Gas) für Ghaddafi liefen angeblich immer im "Notbetrieb" mit Öl.
Insbesondere ältere Gasturbinen-Spitzenlast- Kraftwerke laufen eh mit Öl. Einfach mal durchscrollen:
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die Liste ist wirklich sehr lang.
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Rolf Bombach
Arno Welzel schrieb:
Sie sind nicht gezwungen, Blechcontainer im Off-Road-Look mit permanentem Allradantrieb zu fahren, die 14 Liter in der Stadt saufen.
Erklärt auch nicht 400 km Stau an Himmelfahrt allein in NRW. Wahrscheinlich alles Leute, die aufs Auto angewiesen sind, da sie sich das 9€ Ticket nicht leisten können oder so was, wer kann schon in andere reinsehen.
In CH haben die Populisten vor der CO2-Abstimmung prophezeit: Die "bis zu" 10 Rp/Liter höheren Benzinpreise würden die Armen Arbeiter [tm], die aufs Auto angewiesen sind, in den Ruin treiben, die Volkswirtschaft würde abgewürgt und hunderttausende von Arbeitsplätzen gefährdet.
Jetzt ist der Sprit 1CHF/Liter teurer und genau GAR NICHTS ist passiert; keine Anzeichen irgend eines Rückgangs, schon gar nicht beim Spritverbrauch. Nach wie vor säuft der Durchschnitt der Neuzulassungen 20% mehr als EU- Durchschnitt. Mein Nachbar (Autobranche) behauptet die Standardausrede der Schweiz: Die Topographie. Mehr Berge braucht mehr Sprit. Und stärkere Autos, also noch mehr Sprit. Ich hatte dann gefragt, ob er bei seiner Ferienreise ins Tessin wirklich messbar mehr Sprit gebraucht hätte. Offenbar nicht, hat er zu seinem eigene Erstaunen zugeben müssen. Auch schienen seine 160 PS ausreichend um über den Gotthard zu kommen.
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Rolf Bombach
Mein Auto braucht bei Bergfahrten tatsächlich mehr. Nicht mal Bergabrollen kompensiert den Mehrverbauch an der Steigung. Ich habe den Vergleich, weil ich manchmal wochenlang ausschließlich in der (Rhein-)Ebene fahre.
Gruß, Ralf
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Ralf Kiefer
Rolf Bombach, 2022-08-12 11:55:
Das tun ja auch nicht alle.
Den doppelten Benzinpreis müssen Leute sie trotzdem zahlen, wenn sie außerhalb einer Stadt wohnen und ohne PKW nicht zur Arbeit kommen.
Ja, ich wünsche mir auch, dass wir eine Welt hätten, in der alle Menschen ohne Auto leben können. Die Realität ist aber halt nicht so. Es können nicht alle Menschen in Großstädten leben und der ÖPNV ist in ländlichen Gegenden oft keine Alternative zum eigenen PKW. Daran wird sich auch nichts ändern, solange der ÖPNV möglichst kostendeckend oder mit so wenig Subventionen wie möglich betrieben werden soll.
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Arno Welzel
Zu Himmelfahrt gab's das noch nicht. Im kommenden Jahr werden wir wieder unser Schulfreundetreffen an genau dem Wochenende halten. Danach müssen wir mal sehen, es werden fast alle in Rente sein und flexibler mit der Zeit. Wir reisen allerdings fast alle mit dem Zug an.
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Axel Berger
Kann ich in vierzig Jahren lückenloser Buchführung nicht bestätigen. Allerdings mit durchgehend maßvoller Motorisierung, bei der ich steil bergauf langsamer fahren muß als in der Ebene.
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Axel Berger
Naja, es ist ja nicht gottgegeben, daß der ÖPNV in manchen ländlichen Gegenden so mies ist wie es teilweise derzeit der Fall ist. Tatsächlich war das auch mal anders. Daß das nicht mehr so ist, ist ebenfalls nicht gottgegeben, sondern unter anderem Resultat unseres (kollektiven) Verhaltens der vergangenen Jahrzehnte. Es ist ja nicht so, daß der ÖPNV aus der Fläche verschwunden ist, weil sich jemand gedacht hat daß die Bevölkerung in ländlichen Gegenden nicht so wichtig ist. Vielmehr ist das auch bedingt durch die starke Affinität des Durchschnittsbürgers zum KFZ als Statussymbol und die gleichzeitig promiske Verfügbarkeit derselben in Verbindung mit einem Hang zur Bequemlichkeit. Die Tatsache, daß Autos so verfügbar sind, und die tatsächlichen Kosten individueller Mobilität dem Einzelnen nicht direkt ersichtlich sind - und die direkt ersichtlichen von den meisten auch noch schöngerechnet werden - , ermöglichen es uns, weit längere Wege zum Arbeiten und einkaufen mit dem Auto zu tolerieren als wir das mit dem ÖPNV tun würden. Letztendlich erleben und befeuern wir so seit Jahrzehnten eine Spirale der Konzentration, die den Status Quo des KFZ als quasi alternativloses Verkehrsmittel zementiert.
Grundsätzlich könnte man dieses Rad zurückdrehen. Meiner Meinung nach sollte man das auch tun. Wenn man das aber tut, wird das Geschrei groß sein. Die Wirtschaft wird jammern, wenn man die Axt anlegt an die Begünstigung von Dienstwagen, genauso wie der durchschnittliche Einfamilienhausbesitzer im Umland der Ballungsgebiete, wenn man die Entfernungspauschale kippt. Und alle werden jammern, wenn man die tatsächlichen Kosten des Individualverkehrs direkt und unmittelbar auf den Verursacher umlegt statt sie kollektiv zu alimentieren. Aber welche Begründung gibt es eigentlich dafür, daß beispielsweise die Entfernungspauschale eigentlich pro Jahr und Steuerpflichtigen auf 4500 Euro begrenzt ist, diese Grenze aber durch bloße Wahl des Verkehrsmittels zugunsten des KFZ ausgehebelt werden kann? Oder der Kilometersatz der Entfernungspauschale garnicht so fix ist wie es vermittelt wird? Denn wenn die tatsächlichen Betriebskosten des KFZ pro Kilometer höher liegen als 30 Cent/km, wird auch der höhere Satz vom Finanzamt anerkannt. Gleichzeitig ist für eine Firma der Dienstwagen statt einer Gehaltserhöhung attraktiv, weil auf den Dienstwagen keine Sozialversicherung fällig wird.
Klar, eine echte Vollkostenrechnung Individualverkehr versus ÖPNV wird schwierig, weil beide eine gewisse Infrastruktur als vorhanden voraussetzen müssen, die zusätzlich auch noch von anderen Verkehrsmitteln mitgenutzt werden. Ohne Straßen gibt es weder den individuellen KFZ-Verkehr wie wir ihn gewöhnt sind, noch das flächendeckende attraktive Busnetz oder Straßengüterverkehr.
Und wenn die Wahl besteht zwischen einem Auto, das abfahrbereit vor der Tür steht und einem ÖPNV, bei dem man sich nach einem Fahrplan richten muß, dann wird diese Wahl selten nüchtern gesamtwirtschaftlich entschieden werden.
Letztendlich ist die derzeitige Situation das Ergebnis unser aller bewusster und vor allem unbewusster Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte, und das dreht man auch nicht von heute auf morgen um.
Gruß, Florian
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onlinefloh
Sicher. Das erklärt aber nicht 20% Mehrverbrauch einer ganzen Nation, welche ja nicht zur Gänze aus Alpen besteht.
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Rolf Bombach
Also ich sehe ja in Zürich genug Autos rumfahren, die nicht gerade für ihren extrem sparsamen Verbrauch bekannt sind. Vom Mama-Panzer bis zum Sportwagen aller Marken ;-)
Man liest sich, Alex.
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Alexander Schreiber
Arno Welzel snipped-for-privacy@arnowelzel.de schrieb:
SUVs saufen mehr als Kleinwagen, und von Spezialaufgaben abgesehen (Pferdeanhänger ziehen ...) erfüllen sie in aller Regel die gleiche Funktion.
Welchen "doppelten Benzinpreis"?
Auch das unterliegt schlichtweg den Marktgesetzen, was Du vermutlich wieder mal nicht glauben magst. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Öffis und dem eigenen Auto ist die Fahrzeit (Öffi deutlich länger). Das heißt: Wer mit dem eigenen Auto fährt, kommt in gleicher Zeit weiter.
Vor der Massenmotorisierung war es schlicht undenkbar, daß jemand jeden Tag 100 km zur Arbeit gefahren ist, heute machen das etliche. Und Sprit ist ja billig; die Leute können das zahlen (und tun das auch, selbst wenn sie darüber jammern).
Auf dem Verkehrssektor muß sich in Zukunft durchaus etwas tun: Die Industrie spart Energie, die Haushalte sparen Energie, in beiden Sektoren geht der Energieverbrauch seit Jahren zurück. Der Energieverbrauch des Verkehrssektors aber ist seit 30 Jahren unverändert. Der Staat hat zwar die Autohersteller gezwungen, spritsparende Motoren zu entwickeln. Das haben die auch getan, aber die Autofahrer fahren einfach mehr. Weil der Sprit billig ist, weil sie sich das leisten können und wollen.
Sollte der Sprit tatsächlich mal "5 Mark" kosten oder mehr, sollte das die Relationen schon verschieben. Aber erstmal hat unser FDP-Finanzminister das Autofahren für 3 Monate subventioniert.
Ich muß schon sagen: Ich bin ziemlich erstaunt darüber, wie vehement Du das Autofahren verteidigst.
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Martin Gerdes
Im März kostete ein Liter Diesel an der Autobahntankstelle Bruchsal tagelang über 2,50EUR. Wir waren schon auf diesem Niveau.
Ok, einige km davon entfernt "auf dem Land" kostete dieselbe Ware zur selben Zeit "nur" knapp 2,30EUR.
Gruß, Ralf
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Ralf Kiefer
onlinefloh snipped-for-privacy@teply.info schrieb:
... führen dazu, daß die Leute weit längere Wege zum Arbeiten und Einkaufen mit dem eigenen Auto zu tolerieren, als sie das mit dem ÖPNV tun würden.
Klar.
Das hieße beispielsweise, den Autofahrern die echten Kosten der Autonutzung in Rechnung zu stellen.
Nit mööööglich! In Germanistan jedenfalls nicht.
Eben.
ACK.
Dabei ist die Entfernungspauschale bei Licht besehen eine Beruhigungspille, die Dienstwagenbesteuerung eine Subventionierung der Industrie (nämlich der Autoindustrie und der teilweise mit dieser verbundenen Leasing-Branche).
Nicht alle, aber die meisten. Ich beispielsweise nicht, Arno verblüffenderweise doch.
Es braucht dafür keine Begründung, es genügt, daß die Entfernungspauschale dem Wähler gefällt.
Das ist vermutlich eine rein theoretische Überlegung.
Das gilt so für andere berufliche Fahrten (also Dienstreisen). Meines Wissens gilt das für die Fahrt zur Arbeit nicht, da gibts nur die Pauschale von 35 bzw 38 ct/Entfernungskilometer.
Wenn ein Spfl. (Steuerpflichtiger) das nutzen will, muß er eine Vollkostenrechnung durchführen (und dazu beispielsweise ein Fahrtenbuch führen). Das mag mit Computerunterstützung heute einfacher sein als früher, ist aber sicher immer noch so lästig, daß nur wenige Leute das tatsächlich machen werden.
Dazu kommt: Selbst dann, wenn die "echten Kosten" des Autos über den genannten Betrag kommen, kann man die Kosten lediglich vom zu versteuerten Einkommen abziehen, bekommt über die Steuer also bestenfalls (grob überschlagen) die Hälfte der Kosten wieder. Für einen Arbeitnehmer bleibt das ein schlechtes Geschäft.
Auch das ist eine theoretische Überlegung. Der typische Dienstwagenfahrer verdient oberhalb der einschlägigen Grenzen. Da wird also meistens keine Sozialversicherung gespart.
Der Dienstwagen ist in der Wirtschaft das, was in der Bundeswehr die Schulterklappen sind, also primär Rangabzeichen. Wirklich nachrechnen tun die meisten Dienstwagenberechtigten nicht, aus rein finanzieller Überlegung würden sie den Dienstwagen sonst ablehnen. Eine fiskalische und ökologische Unart ist allerdings die Tankkarte, die bei den meisten Dienstwagen dabei ist ("all you can drive").
Klar. Auch ist die Rechnung ja nicht ganz einfach: Der 0. Kilometer im Jahr mit dem eigenen Auto kostet einige tausend Euro. Diese Kosten fallen auch dann an, wenn man selten oder nie fährt. Ab dem ersten folgenden Kilometer zahlt man dann cum grano salis nur noch den Sprit.
ACK.
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Martin Gerdes
Das ist ein großes Korn und eine reichlich versalzene Suppe. Die variablen Kosten liegen zwischen dem Anderthalbfachen und Doppelten des Treibstoffs.
Aktuell fahre ich z.B. nächsten Montag mit dem ICE in der ersten Klasse billiger von Köln nach Hannover als mit dem Auto -- mit der Bahncard 50. Das sind Fixkosten, genau wie die des ohnehin vorhandenen, versteuerten, versicherten und vertüvten Autos.
Zu zweit wäre das allerdings schon anders. Beim Abschaffen des Autos wären nach der letzten Rechnung 2326 Euro im Jahr zu sparen resp. auf andere Verkehrsmittel zu verlagern.
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Axel Berger
snipped-for-privacy@gmx.de (Ralf Kiefer) schrieb:
Autobahntankstellen sind kein Beleg, die waren immer schon teuer.
... und dann kam die staatliche Spritsubvention. Lindner weiß halt, was das Volk wünscht!
Reply to
Martin Gerdes

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