Motorkondensator zu klein - moegliche Folgen?

Aug 17, 2025 Last reply: 10 months ago 23 Replies

Servus.



Samstagabend die Terrasse mit Hilfe eines alten Kärcher-Horchdruckreiniger sauber gemacht. Da der keinen Druckschalter hat sondern auf einen internen Kreislauf umschaltet wenn man keinen Druck gibt in einer Arbeitspause ausgeschaltet. Danach lief er nicht mehr an sondern brummte nur noch. Zudem kam er mir relativ heiß vor.



Vorhin aufgeschraubt, Motorkondensator hin, sah man direkt an einer Beule im Kunststoffgehäuse. Blöd, wollte heute den Rest der Terrasse machen.



Kondensator ist ein 25 µF 400 V. Zufällig habe ich für ein anderes Gerät noch einen Kondensator 16 µF 400 V herumliegen, das ihn dann wohl doch nicht brauchte. Ausprobiert, zumindest ohne Wasser läuft der HD-Reiniger damit an. Aber würde er auch Dauerbetrieb schaffen ohne dass was kaputt geht?



Natürlich will ich passenden Ersatz besorgen. Ist es sinnvoll, einen Kondensator zu nehmen, der mit 500 V angegeben ist? cu. Juergen


Der würde wahrscheinlich etwas weniger Druck aufbauen können.

Wenn's auch nichts nützt, schaden wird's nicht. Wenn der Platz reicht.

MfG hjs

Die Toleranzen sind bei sowas riesig. Auch der alte ist wohl nicht schlagartig ganz ausgefallen.

Meine Regel ist, wann immer irgendwie möglich, einen defekten Teil durch etwas besseres zu ersetzen. Allein die Tatsache, daß er kaputtging, beweist, er war unterdimensioniert.

Am Sun, 17 Aug 2025 21:29:52 +0200 schrieb Axel Berger

Das hatte ich mir auch überlegt - geht das schleichend auf 0 Kapazität runter oder nur leicht zurück und dann schlagartig auf 0?

Der HDR ließ sich völlig unauffällig einschalten, eine knappe Stunde später praktisch gar nicht mehr. Bei ursprünglichen Kondensator im Gerät (vor Jahren ersetzt) war das anders. Damit brummte der Motor irgenwann auch, mit kurz ab- und gleich wieder einschalten lief er ein paar Dutzendmale noch los.

Mein Ansatz ist inzwischen oft, Sachen nicht beim Gerätehersteller zu kaufen sondern einfach im Netz, zum Beispiel über Ebay. Ich hatte den Kondensator im HDR schon mal ersetzt, der HDR ist geschätzt fast 40 Jahre alt. Beim Hersteller habe ich Bedenken, das Ersatzteil liegt schon viele Jahre im Lager. Bei reiner Mechanik kein Problem, bei anderen Sachen schon.

Und dieser HDR ist so alt - in der Kärcher-Niederlassung Würzburg fanden sie keine Ersatzteilzeichnungen im Computer und auch nicht auf Microfilm sondern nur auf Papier in Aktenordnern. Aber ich hab das unverzichtbare Ersatzteil damals gekriegt.

Auf manchen Websites habe ich auch gelesen, Betriebskondensatoren für Motoren seien Verschleißteile. cu. Juergen

Am 18.08.25 um 01:07 schrieb Juergen:

Das sowieso. Außer Mondpreisen kann man beim Hersteller nichts sinnvolles erwarten. Der kauft den Kram auch nur irgendwo ein.

Anders sieht es bei Spezialeilen aus, die nur für bestimmte Geräte passen. Da hat man zuweilen keine Wahl. Allerdings gibt es auch da öfter mal kompatible Nachbauten. Und der Annahme, dass die immer billiger und schlechter wären, möchte ich durchaus widersprechen. Zuweilen ist das Gegenteil der Fall. Da denkt der Chinese mal mit und verbessert das Teil sogar. So erlebt bei einem TV Backlight. Original: Dual Layer Epoxy, mit gelegentlichen Durchkontaktierungen. Wärmeleitung von den LEDs zur unterseite mäßig; Ergebnis LEDs gegrillt (wie so oft). Wirklich billiger China-Nachbau: Alu-Leiterplate, wesentlich bessere Wärmeleitung; läuft noch heute. Oder BSH Waschmaschinenpumpe: die Form der Kunststoffteile im inneren ist komplett anders. Die Pumpe erzielt dadurch mehr Druck bzw. mehr Durchsatz und lässt sich besser reinigen.

Bei Folienkondensatoren eher kein Problem. Aber bei dem Alter, kann das Zeug auch bei passender Auslegung mal verrecken.

In gewissen Grenzen ja.

Aber mal ehrlich, sei froh, dass er so lange durchgehalten hat. Da hätten auch Dinge kaputt gehen können, die nicht so leicht zu tauschen sind. Ein gefressenes Motorlager zum Beispiel.

Marcel

man 'Selbstheilung' Der Belag (und damit die Kapazität) wird kontinuierlich kleiner. man 'Badewannenkurve' Der konkrete Verlauf ist Herstellerabhängig.

Nimm was von Epcos.

MfG hjs

Mag mir mal jemand erklären, was die Aufgabe so eines Motorkondensators ist? Kann man das in zwei, drei Sätzen erklären? Für was für einen Motor in was für einer Schaltung braucht man das?

Höhere Spannungsfestigkeit macht nix, erhöht nur den Preis.

Grüße Marc

Der Kondensator simuliert die dritte Phase, so kann man einen Drehstrommotor an Wechselstrom betreiben.

Ein Motor braucht ein Drehfeld. Ein simples Wechselfeld zappelt nur rauf und runter und hat keine Richtung. Eine zweite Spule im Versatz um ca.

90 Grad wird über den Kondensator mit einem phasenverschobenen Strom beaufschlagt. Einmal angelaufen und mit Schwung für die Totpunkte machen die direkt versorgten Spulen die Hauptarbeit.

Ein Einphasen-Asynchronmotor (mit Kurzschlussläufer). Der Stator enthält eine Arbeitswicklung, die direkt aus der Netzspannung versorgt wird, und eine um 90° elektrisch versetzt eingebaute Hilfswicklung (der Versatz ist bei höherer Polpaarzahl ein Bruchteil). Die Hilfswicklung liegt in Reihe mit dem Kondensator an der Netzspannung, wodurch sich ein gegenüber der Arbeitswicklung phasenmäßig voreilender Strom einstellt, was im Stator ein nicht perfektes magnetischen Drehfeld hervorruft, welches den Läufer mitnimmt.

Nachdem der Motor hochgelaufen ist, liefert die Hilfswicklung nur einen Bruchteil des Drehmoments; es gibt Kostruktionen, wo die Hilfswicklung mit einem Anlaufkondensator höherer Kapazität angefahren wird, dann aber abeschaltet werden muss, ähnlich auch bei Motoren mit "Widerstandshilfsphase", wo die Phasenverschiebung durch einen wicklungstechnisch erhöhten ohnschen Widerstand erzeugt wird (öfters in Kältekompressoren).

Die Spannung am Motorkondensator kann erheblich höher sein als die Netzspannung. Und die Spannungsangaben korrespondieren mit Lebensdauern, etwa 3000 / 10000 h. Es handelt sich also um Verschleißteile.

Die Motorkondensatoren sollte man bei jeder Gelegenheit testen.

Danke für die Erklärung, auch den anderen.

Grüße Marc

Um einen Drehstrommotor an einphasiger Wechselspannung zu betreiben, verwendet man die Steinmetzschaltung.

Ahnlich, aber hinsichtlich der erforderlichen Kapazität /deutlich/ anders.

Am 18.08.25 um 09:53 schrieb Friedrich Karl Siebert:

Naja, eher die /zweite/ Phase.

3 Phasen bekommt man nicht so leicht. Und das sind auch keine Drehstrommotoren.

Marcel

Am Mon, 18 Aug 2025 08:52:39 +0200 schrieb Marcel Mueller

Jenseits der Elektrotechnik hat er von mir immer mal Zuwendung wie einen Ölwechsel (ja, ist da tatsächlich noch möglich/vorgeschrieben) gekriegt. Und mal nee kleine Überholung mit neuen Federn und Nutendichtringen. cu. Juergen

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Wie Stefan schon schrieb, die Spannung am Kondensator kann wesentlich höher sein/werden als 230 V. Ich würde nicht unter 400 VAC nehmen. Und auch einen Typ für höhere Temperaturen.

Es ist ein Triumph des Kapitalismus, dass mittlerweile Folienkondensatoren weniger lange halten als Elkos. Hat sicher viel Entwicklung gebraucht.

Mein Lufttrockner hat in Summa wohl kaum mehr als 10 kh auf dem Buckel gehabt. Danach hatte er Startschwierigkeiten und bei hoher Last blieb der Motor stehen. Der Betriebskondensator hatte einen Kapazitätsverlust von 6.5 uF auf etwa 1.5 uF. Das Gebläse hat auch nur noch schwach gearbeitet, dessen Betriebskondensator hat ähnlich nachgelassen. Ein Kollege, der in Repair-Cafes arbeitet, berichtet, dass das mittlerweile einer der häufigsten Defekte ist.

Stefan Wiens schrieb:

Besten Dank. Der erste wirklich hilfreiche Beitrag in diesem Fred.

Anekdote: Kollege ruft aus Labor an, Notfall, Zahnradpumpe läuft nicht an. Seiner Meinung nach reicht das Startmoment des Kondensator- Motors nicht aus, um das Losbrechmoment von was auch immer zu überwinden. "Wenn ich nur einen kleinen Schubser gebe, startet die Pumpe". Sehr merkwürdig, das genau so ein kleiner Schubser exakt ausreicht. "Schalt mal die Pumpe aus." "Steht." "Schalt wieder ein." "Läuft nicht an." "Gib mal einen Schubser in die anderer Richtung." "Was zum Teu... Pumpe läuft in die anderer Richtung." Und der Schubser war nicht stärker. Der Kondensator war auf 1/10 der Kapazität runter, thereabouts. Keine 10 kh.

Die Pumpe gibt es auch mit 12 V Kollektormotor. Der hält länger durch (aber auch nicht ewig, ausserdem sind solche Motoren eventuell sogar teurer als der Kondensatormotor).

Hi Rolf,

Nicht doch etwa ein ELKO?

Bei gleichem Bauvolumen bekommt man eben meist kleinere Kapazitäten, was mit einem kleineren Anlaufmoment einhergehet.

Dass 400 VAC nicht 400 Vp meint, ist Dir aber schon auch klar?

Eher weniger

OK, bei mir bisher eher selten.

Marte

Davon gehe ich bei Rolf aus. Ein Schwingkreis aus Spule und Kondensator erreicht aber (oft) höhere Spannung als außen angelegt wird.

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Die sind in dem Sektor höchstens als Anlaufkondensator üblich, der unmittelbar nach dem Hochlauf abgeschaltet wird.

An einer Beule kann immerhin auch ein Laie das Bauelement als defekt identifizieren.

Früher waren auch MP-Kondensatoren im Blechgehäuse gängig mit unterschiedlichen Imprägnierungen, die konnten auch auf interessante Arten ausfallen.

Ach. Bislang sollte jedem jedem, der mit Energietechnik zu tun hatte, klar sein, dass normalerweise U_eff gemeint ist.

Immerhin bauen aktuelle Modelle meist deutlich kleiner als die zu ersetzenden Havaristen.

Die Folienkondensatoren als Glättungskondensatoren im Zwischenkreis von Umrichtern leben i. d. R. viel länger trotz der hohen Inpulsbelastung. Was so im Datenblatt stehen wird.

Die Motorkondensatoren müssen dafür in der üblichen Schaltung beim Ausschalten induktive Spannungsspitzen vertragen, und da sie nicht "hart" am Netz hängen, funktioniert das Ausheilen vielleicht nicht optimal.

Meine Lehre (Elektromaschinenbau) liegt schon etwas zurück, aber auch damals war man angewiesen, den Kondensator möglichst zu testen (auf hemdsärmelige Art, was ich später hoffentlich schonender gemacht habe).

Diese Artikel schätze ich als ausbaufähig oder -bedürftig ein.

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