X-No-Archive: Yes
begin quoting, Roland Damm schrieb:
Ich biege das mal nach d.s.i.m. um, wo es hingehört.
> Ich hatte folgende Überlegung: Ein langes, Rohr, gefüllt mit
>> überhitztem Dampf und an einen Kessel angeschlossen. Der
>> Kesseldruck schiebt die gesamte Dampfsäule in Richtung Auslaß,
>> ohne dabei abzunehmen. Ferner expandiert die Dampfsäule in dem
>> Rohr adiabat, wobei der Druck von irgendeinem Rohrpunkt zur
>> Mündung linear abnimmt (was sich durch ein geeignetes
>> Querschnittsprofil erreichen lassen sollte - da Druck und
>> Dichte entlang einer Isentrope streng aneinander gebunden sind,
>> läßt sich der benötigte Querschnitt direkt aus dem
>> Zustandsdiagramm ablesen). Ich wüßte jetzt nicht, wieso sich
>> nicht eine beliebige Ausströmgeschwindigkeit erreichen lassen
>> sollte
> Weil wenn der Dampf expandiert, er auch kälter wird. Irgendwann
> hat er halt einfach kein Bedürfnis mehr danach, weiter zu
> expandieren - sprich er hat keinen Druck mehr.
Das gilt dann, wenn man zum Antrieb nur die innere Energie des Mediums verwendet - dann ist es eigentlich einfach: Im Idealfall bewegt sich das Medium adiabat, also im Zustandsdiagramm entlang einer Isentrope - dann wird maximal die Enthalpie frei, die sich leicht in die Geschwindigkeit des Strahls umrechnen läßt.
> - bereits die Anfangsgeschwindigkeit kann doch durch
>> isobare Expansion aus dem Kessel heraus beliebig hoch werden
>> (hm, Bernoulli?), die adiabatische Expansion addiert sich dann
>> noch.
> Bernpulli geht von inkompressibler Strömung aus. Wenn
> inkompressibel, ändert sich nicht die Dichte. Wenn obendrein
> keine Energie eingetragen wird (oder entnommen) (bein Bernoulli
> selbstverständlich so), ändert sich auch nicht die Temperatur.
> Anders formuliert: Bernoulli setzt voraus, dass die Temperatur
> konstant bleibt. Ist das nicht der Fall, gilt Bernoulli nicht
> mehr.
Stimmt, eine Geschwindigkeitszunahme ist grundsätzlich mit einem Druckabfall (sonst würde das Medium nicht beschleunigt) und damit einer Expansion verbunden. Ich frage mich nur, ob man das nicht irgendwie austricksen kann.
Nehmen wir mal ein Raketengeschoß: Ein zylinderförmiger Dampfbehälter mit einer Düse hinten in einem "Kanonenrohr" mit Löchern, so daß sich kein Druck aufbaut. Durch den nach hinten austretenden Dampfstrahl wird die "Granate" beschleunigt, und zwar im Prinzip auf beliebig hohe Geschwindigkeiten (Raketengleichung; hängt nur vom Verhältnisse Dampfmasse zu Behältermasse ab). Wenn wir nun in dem Moment, in dem das Geschoß die Mündung verläßt, die "Nase" absprengen, kommt aus dem Rohr ein beliebig schneller Dampfstoß, auch mit einem Vielfachen der Schallgeschwindigkeit, heraus, wäre also weitaus "heißer" als im "Granatensystem": Das ist eine Wärmepumpe.
Nun müßte man zum einen die "Hülse" weglassen können und zum anderen von einem "getakteten" zu einem kontinuierlichen Betrieb übergehen können, und das möglichst ohne bewegte Maschinenteile ... ich hätte das schon Ideen. (Die andere Frage wäre, was es bringt: Bei Raketenantrieben, bei denen es auf die möglichst hohen Impulse ankommt, wären solche Beschleunigungen natürlich nützlich, aber bei stationären WKM kann natürlich immer nur höchstens der Carnot-Wirkungsgrad herauskommen, egal, wie schnell man den austretenden Strahl machen kann.)
Das reine Strahltriebwerk wüde hinter der Brennkammer dem
> Abgasstrom nur so viel Energie entnehmen, wie vorne zum
> Komprimieren gebraucht wird. Der Schub kommt aus dem
> Impulsstrom, der hinten rausgeht. Also ein gewisser Massenstrom
> mit gewisser Geschwindigkeit.
> Ein modernes Triebwerk reduziert die Abgasgeschwindigkeit
> nochmals drastisch und verwendet die dabei gewonnene Energie um
> zusätzliche Luft nach hinten zu beschleunigen. Je mehr Luft mit
> um so weniger DeltaV, desto besser. Man kann also die Leistung
> im Abgasstrom eines Strahltriebwerks nicht einfach so als
> Antriebsleistung verstehen, das ist eher ein Schub dessen
> Leistung von der geflogenen Geschwindigkeit abhängt.
Ja, stimmt.
>> So eine Maschine kann also unter Annahme einer perfekten Düse
>>> und ohne Getriebeverluste durchaus effektiver arbeiten, also
>>> Watts Dampfmaschine.
>> So sehe ich das auch.
> Fragt sich dann nur, warum Watt keine Turbine gebaut hat.
> Das mit dem Getriebewirkungsgrad muss ich vielleicht auch
> zurücknehemn, die ersten Dampfmaschinen drehten ja so langsam,
> dass oftmals eine Übersetzung nötig war. Also auch
> Getriebeverluste.
> Es könnte sein, dass die Drehzahl das Problem war.
> Die Schaufelgeschwindigkeit sollte ja so im Bereich der halben
> Dampfgeschwindigkeit liegen.
Nein, wieso? Dampfturbinen sind keine Wasserturbinen. Der Dampf kann durch nur wenig angestellte Schaufeln strömen, dann können sich die Räder langsam drehen - muß man lange axiale Strecken vorsehen und dabei die Strömungsgeschwindigkeiten durch die Radien des "Dampfhohlzylinders" steuern - vorne tritt ein Zylinder mit großem Radius und dünner Wandstärke ein, und hinten ein kleiner Vollzylinder aus, evtl. ähnlich wie ein umgekehrter Radiallüfter gebaut, das hätte Watt ganz gut hinkriegen können und sollte einen ganz ordentlichen Wirkungsgrad haben.
Gruß aus Bremen Ralf