Windkessel

Apr 07, 2005 10 Replies

In d.r.g läuft gerade eine Diskussion "alter Brunnen mit wenig Wasserdruck" .



Im wesentlichen geht es um Windkessel ohne Membran. Darin wird u.a.beklagt, dass des öfteren Druckstöße auftreten. Diese Windkessel arbeiten mit einer automatischen "Belüftung". Eine Prinzipskizze mit der Überschrift "Installation" ist hier zu sehen (etwa in Mitte der Webseite:


Ich halte das Prinzip zwar für praktisch, jedoch für technisch (nach-)fragwürdig. Meine Bedenken wie folgt:



- ich persönlich würde würde für die Trinkwasserversorgung grundsätzlich Druckspeicher mit Membran nehmen



- ich würde auf eine automatische Druckregulierung wie in der Skizze dargestellt verzichten wollen. Erstens wird das Belüftungsventil im Brunnenschacht installiert ohne davorgeschalteten Luftfilter. So können jederzeit Pilzsporen, Keime etc in das Leitungssystem eindringen. Zweitens wird das Wasser gründlich mit dem Luftsauerstoff vermischt. Es dauert eine Zeit, bis das Wasser einigermaßen entgast ist. Druckstöße sind daher imho vorprogrammiert. Drittens ist Trinkwasserleitungen wegen erhöhter Korrosion kein hoher Sauerstoffanteil erwünscht. Und viertens fällt, falls Eisen-II im Wasser gelöst ist, dieses sofort im Kessel zu FE-III aus und legt den Kessel mit der Zeit zu. Diese Ablagerungen sind außerdem eine Brutstätte für Eisenbakterien, die wiederum als Bewuchsgrundlage für gesundheitlich bedenklichen Biofilm dienen.



Ich persönlich würde es vorziehen, diese automatische Belüftung stillzulegen und lieber in regelmäßigen Abständen den Vordruck mittels Kompressor und Druckluft einstellen. Wie seht ihr das?



Grüße Harald


Moin,

Harald Maedl hat geschrieben:

Genau, gesund leben wollender Mensch läuft schließlich ständig mit Maske mindestens P3-Filter herum.

Ist das nicht vollkommen normal? Was sprudelt denn da beim Wasser-Kochen, bevor die eigentliche Sidetemperatur erreicht ist?

Ich denke Druckstäße haben mit gelösten Gasen eher garnichts zu tun.

Gesund lebender Mensch würde niemals Wasser aus einem Bach oder einer Quelle trinken, klar.

Ist jetzt nicht böse gemeint, aber wenn man's so genau nimmt, schätze ich daß man mit solchen Maßgaben einen beachtlichen Anteil der Trinkwasseranlagen stilllegen müßte.

Aber zum Thema:

Umständlich, weil dieses Einstellen nämlich schätzungsweise jeden Tag erfolgen müßte.

CU Rollo

Roland Damm schrieb:

Hallo,

das d=FCrfte wesentlich mehr Stickstoff als Sauerstoff sein, wie in der=20 Luft auch. Wenn ein Teil des Sauerstoffs f=FCr Oxidation verbraucht wurde= =20 sogar ein noch h=F6herer Stickstoffanteil als in der Luft.

Bye

Nein, es geht darum, dass sich ein Mikroflm in den Wasserleitungssystemen unkontrolliert vermehren kann und dies dies auch sehr in der Praxis der Fall ist. Wenn du schon mal in einen Brunnenschacht geblickt hast, dann würde dir bei so manchem Schacht das Grausen kommen: ein dick bewachsener Pilzteppich...

Nein, das Wasser hat im Wasserwerk Zeit zum Ausgasen. Natürlich beiben weiterhin Gase im Wasser gelöst. Nur muss man nicht zusätzlich das Wasser mit Sauerstoff anreichern und zwar in einer Art und Weise, dass die Luft erst einmal durch den gesamten Wasservorrat im Behälter gedrückt wird.

Doch durchaus. Bei Windkesseln mit dieser automatischen "Belüftung" muss lediglich bei niedrigem Füllvolumenim Windkessel Wasser entnommen werden. In dem Moment läuft dann die Pumpe an und drückt erstmal ein paat Liter Luft in den Tank, welche bei der Wasserentnahme mit in das Leitungssystem eingetragen wird. Das Wasser "sprutzt" dann nur so aus dem Wasserhahn. Das kennst du doch, wenn bei Bauarbeiten die Leitung geöffnet wurde.

Du polemisierst ein wenig, meinst du nicht? Ich gehöre nicht zu denen, die Panik verbreiten. Im Gegenteil, bin ich der Meinung, dass unser Immunsystem belastet werden muss. Immo sind viele Allergien die Folge eines unterforderten Immunsystems. Dennoch können sich in Trinkwassersystemen, insbesondere in der von mir geschilderten Kombination gesundheitlich bedenkliche Biofilme ergeben.

Nein, weil Wasserwerke, wenn sie Windkessel verwenden, Membrandruckbehälter einsetzen. Außerdem wird relativ aufwendig sichergestellt, die Keimzahlen in Grenzen zu halten.

Gut, der Dampfdruck bei Wasser beträgt bei 20°C rund 23mbar, der Partialdruck für Sauerstoff beträgt z.B. bei 3bar rund 620mbar, aber wie berechnet man das, zumal sich das Gasgemisch im Druckbehälter ja vermutlich nicht entmischt. Also, wieviel Sauerstoff wird im Windkessel vom Wasser über das Druckpolster bei einer Wassertemperatur von 10°C und einem Vordruck von

1bar und einem Ausschaltdruck von z.B 2,5bar aufgenommen?

Grüße Harald

Harald Maedl schrieb:

Hallo,

die L=F6slichkeit von Gasen in Wasser nimmt ja bekanntlich mit zunehmende= r=20 Temperatur ab. Wasser das bei z.B. 8 =B0C und 1 bar Umgebungsdruck entgast wurde hat doc= h=20 beim Erhitzen auf 100 =B0C immer noch gel=F6stes Gas abzugeben.

Bye

Wieso eigentlich? In Metallschmelzen nimmt jedenfalls die Gaslöslichkeit mit steigender Temperatur in der Regel zu.

Michael Dahms

Gilt das auch in der Nähe des Siedepunkts?

Flup2 ignoriert. Ich lese bei den Chemikern nicht mit.

Gruss, Werner

Keine Ahnung. Bei Metallschmelzen bewegt man sich meistens eher in der Nähe des Schmelzpunktes.

Wie ist es bei Wasser in der Nähe des Schmelzpunktes?

Michael Dahms

Moin,

Harald Maedl hat geschrieben:

Auch in Brunnenschächten, aus denen die Anwohner seit Jahrhunderten ihr Trinkwasser beziehen, das war mein Gedanke.

Das Wasser ist vorher fein zerstäubt durch die Atmosphäre gefallen, meinst du nicht, daß es dabei so viel Gas aufgenommen hat, wie irgend nur geht? Durch welchen Prozess in der Erde, Brunnen, Wasserwerkt sollte sich dieser Gasgehalt signifikant verringern?

Ja, aber das hat IMO nichts mit Druckstäßen zu tun. Unter einem Druckstoß verstehe ich, wenn man in einem Rohr fließendes Wasser schnell abschaltet. Dann kann kurzzeitig wegen der Trägheit des sich bewegenden Wasser ein sehr hoher Druck auftreten. Die ersten Geschirrspüler waren auch dafür bekannt, daß sie mit ihren hart schließenden Wasserventilen marode Wasserleitungen zum Platzen bringen konnten. Sind hingegen Luftblasen in der Leitung oder im Kessel, dann puffern diese den Druckstoß weg. Meinst du mit Druckstoß etwas anderes als ich?

Aber sicher doch, ich hoffe das tat ich:-).

Nun, ich frage mich nur, wieso solche Biofilme in dem Augenblick ungesund werden, wo sie nicht mehr an z.B. natürlich im Bach liegenden Steinen sind sondern an von Menschen hingebauten Festkörpern. Was macht das aus Sicht des Biofilms für einen Unterschied?

Ich denke, die Keimzahlen werden in erster Linie kontrolliert, Eingreifen muß man wohl eher selten. Schließlich ist Chlor im Trinkwasser heutzutage auch nicht mehr so beliebt. Ich würde sagen daß solche biologischen Belastungen genau dann und nur dann zu einem Problem werden, wenn das Trinkwasser mit zu viel Nährstoffen z.B. aus Landwirtschaft/Dünger belastet ist. Da aber Oberflächennah gewonnennes Wasser das dieses Problem hat, sowieso nicht als Trinkwasser verwendet wird / werden darf, stellt sich die Frage nach dem Sauerstoff im Wasser IMO eher nicht.

Keine Ahnung, ich durfte mal als Kind mit einer Kalkspritze (Wände mit Kalkwasser wieder weiß malen) rumspielen, mag sein das das auch eine historische Feuerlöschpumpe war. Ein Holzfaß voll Wasser und eine Pumpe für Ein-Mann-Bedienung oben drauf. Zur Druckstabilisierung hatte das Teil auch einen Druckkessel ohne Membran drauf. Da mußte man schon nach kurzer Betriebszeit den Kessel wieder belüften. Nun weiß ich aber auch nicht, inwieweit die Luft darin nicht durch andere Effekte verloren ging. Dicht war es jedenfalls. Druck lag so bei bis zu 10bar. Weitere Erfahrung habe ich mit einem Hauswasserwerk mit Druckspeicher mit Membran. Wenn da (was mal vorkam) die Membran kaputt war, durfte man alle paar Tage die Maschine abschalten (Druck ablassen) und wieder Luft aufpumpen. Sehr umständlich...

CU Rollo

Roland Damm schrieb:

Hallo,

gr=F6ssere Temperaturerh=F6hungen k=F6nnen wir in dieser Kette ausschlies= sen,=20 also kann der Gasgehalt nicht abnehmen. Wenn aber unter h=F6herem Druck als 1 bar Luft in Kontakt mit dem Wasser =

kommt nimmt der Gasgehalt noch zu.

Bye

Am Sat, 09 Apr 2005 12:44:34 +0200 schrieb Roland Damm:

"Ein Leben lang dient treu und recht Dir jeden Tag Dein Wasserknecht"

Stand auf der (membranlosen) Hauswasseranlage eines Hauses, in dem ich mal gewohnt habe. Service hat sie schon gebraucht, aber ansonsten war alles im o.K. Weil die Gemeinde unbedingt ans Fernwasser wollte, wurde alle 3 Jahre das Wasser in der Küche abgenommen und zur kostenpflichtigen Untersuchung geschickt. Fernwasser wurde eingeführt wg. zu hoher Nitratbelastung aus der Landwirtschaft, nicht wg. irgenwelcher Keime.

HTH

Prabodh

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