Brandanschlag auf Hochspannungsmasten legt in Berlin die Stromversorgung von 45.000 Menschen lahm
Sep 10, 2025 Last reply: vor 10 Monaten 13 Replies
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Marte Schwarz
Hallo zusammen,
als Ingenieur, der in der Medizintechnik mit Risikoanalysen aufgewachsen ist, wundere ich mich immer wieder über solche Schwachstellen in wirklich kritischer Infrastruktur. Ich war in meiner Naivität davon ausgegangen, dass unsere Stromnetze deutlich redundanter ausgelegt sind, so dass man im Schadensfall wenigstens kurzfristig auf andere Leitungswege umschalten kann. Das scheint bare nicht der Fall zu sein.
Ich bin schon ein wenig erstaunt, auf welch tönernen Beinen unsere Zivilisation zu stehen scheint. Bin ich tatsächlich so naiv?
Grüßle Marte
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S
Stefan Wiens
Die Versorgung der hiesigen Stadt incl. Umgebung beruht auf einer einzigen 110 kV-Trasse. Man könnte auch gleichzeitig eine Bahnstromtrasse beeinträchtigen ...
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Thomas Einzel
Am 10.09.2025 um 09:52 schrieb Marte Schwarz:
Du hast Vertrauen in etwas, wovon du aus der fachlichen Ingenieursicht ausgehst. Kritische Infrastruktursysteme müssen eine (berechnete oder wenigstens sorgfältige abgeschätzte) Redundanz haben. Diesen Vertrauensvorschuß würde ich nicht als naiv bezeichnen.
AFAIK ist in den höchsten Netzebenen (Höchstspannungsnetz) Redundanz vorhanden - die ÜNB haben offenbar ebenso gedacht wie du und ich es machen/machen würden. Ab dem Übergabepunkt Umspannwerk ÜNB zum VNB, das sollte AFAIK im Regelfall die 110kV Hochspannungsebene sein, wird es mit Redundanzen eher schwach. Das für unsere Mittelspannung zuständige Umspannwerk unseres VNB hat z.B. eine 110KV Trasse, ok wenigstens 2 Stromkreise. Wenn die ausfällt sind die ganzen Mittelspannungsleitungen und Trafos der ganzen Städtchen und Dörfer im Umkreis stromlos.
Kann man sich bis auf die 110kV Ebene ansehen, Mittelspannungsleitungen sind nur wenige eingezeichnet.
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IMO ist es in diesem Kontext eher naiv sich bei eigener kritischer Infrastruktur auf "wann hat es denn den letzten Stromausfall gegeben" zu verlassen und überhaupt keine eigene Vorsorge zu treffen.
Nun ja, wenn ein Ausfall der Elektrizität schon als Ausfall der Zivilisation verstanden wird, ist es mit dieser wirklich nicht weit her... Aber ernsthaft-man hätte ohne großen Aufwand die betroffenen Kopf-Masten besser schützen können, um das Abbrennen der Übergänge auf Erdkabel zu verhindern. Da waren wohl euphorische Planer der BEWAG nach der Wende davon überzeugt, dass es keine bösen Menschen mehr gibt. Eigentlich ist die Berliner Netzstruktur sehr gut vermascht und widerstandsfähig, noch aus der Arbeit unserer Vorväter heraus. Hier aber kommt erschwerend hinzu, dass die Sektorengrenze von '45-'90 die Weiterführung der Vermaschung unterbrochen hat. Die Hochspannungsebenen sind separat entwickelt worden. Willi
T
Thomas Einzel
Am 10.09.2025 um 21:03 schrieb Wilhelm Ernst: ...
Was funktioniert noch ohne Elektroenergie, nachdem wenige Stunden oder zig Minuten alle Akku-USVs leer sind, falls es die überhaupt gibt?
Keine Supermarkt(-Kassen), keine Tankstelle, keine Ampeln, keine Kommunikation (egal ob Festnetz oder Mobilfunk). Firmen PCs gehen nicht und die Handwerker können nicht mal ihre Makita Akkus laden.
Der Wochenmarkt mit Bargeld geht noch, aber das ist wohl kaum ausreichend.
Ja, ohne Redundanz in der Energieversorgung sieht das nicht gut aus.
IMO ist bei der Anbindung der 110kV Ebene bezüglich Redundanz einiges möglich. Dazu müssten IMO die VNB aber die Augen öffnen und nicht nur PV und Wallboxen abregeln wollen.
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Marc Haber
Hier[tm] dürfte ein Stromausfall "bis morgen abend" zu verkraften sein. Der größte Schaden dürfte durch verdorbene Lebensmittel entstehen. Zum Arbeiten müsste ich halt mit dem Bus in die nächste Stadt fahren.
Grüße Marc
T
Thomas Einzel
Mit "eigener kritischer Infrastruktur" hatte ich primär Firmen gemeint. Privat habe ich eine PV Teilersatzstromversorgung, und Plan C ist ein kleines Notstromaggregat. Mobilität - der Akku in meinem Auto ist groß genug, der hält mehrere Fahren dieser Art durch. Wenn die Sonne scheint, kann ich es über den Ersatzstromkreis zu Hause aufladen oder unterwegs im Bereich des direkt benachbarten VNB am DC Schnelllader.
K
Kay Martinen
Am 10.09.25 um 22:55 schrieb Thomas Einzel:
Damit ist es auch nicht weit her, solange Menschen in echten oder vermeintlichen Krisen Egoistisch handeln. Das trifft sicher nicht auf alle zu, aber auf einen gewissen (merklichen) Teil schon, der dann Raubmordplünderbrandschatzend durch die Dunkelheit marodiert.
Am Privaten Internet (=Telefon)Anschluß und in den "Vermittlungen" (und Verbindungspunkten auf dem Weg dahin ist Akkupufferung eher die Ausnahme als die Regel geworden. Energieversorgung ist m.E. DIE erste, Wichtigste Komponente geworden. Dafür haben Wirtschaft und Politik in den letzten Jahrzehnten gesorgt - und sich wenig um Redundanzen und Aus-/Rückfall-ebenen geschert. Stattdessen "Eigenverantwortliches Handeln" angeführt.
Kurz: Die Provider sparen sich die Ersatzversorgung, du kannst dir selbst eine USV zulegen. Ist der Ausfall länger, weiträumiger... [Schulterzucken] Pech gehabt.
Ja. Und damit gibt es keine Kommunikation untereinander, mit Behörden, an alle z.b. wie lange der Ausfall wohl dauern könnte. Die Leute werden Panisch, fangen an Hamsterkäufe zu machen und wenn das nicht klappt werden die Plünderungen einsetzen. Dabei kommen dann auch urtriebe hervor, Angst, Hunger, Durst, Neid, Hysterie = Gewaltexzesse drohen.
Zivilisiert, Hah!
Es gibt da so längliche Dinger mit einem Heft, einer Klinge in verschiedenen Formen... nennt sich Schraubendreher und funktioniert ohne Strom, nur mit Muskelkraft (wenn man die noch aufbringt). :-)
Als rückfall-ebene ein bißchen armselig, ich weiß. Jammer mir nix vor, ICH hab das NICHT so entschieden/eingerichtet das man für jeden Pups strom braucht! :-/
Ich meine: Jeden anderen einzelnen Ausfall kann man aushalten oder kompensieren, aber einen Energie-ausfall der weiträumiger und längerdauernd ist eben nicht - wegen seiner Existenziellen Bedeutung.
Diesen Single Point of Failure haben wir alle uns selbst geschaffen. Die einen durch ihre Agenda und Geldgier, die anderen durch Faulheit dagegen was zu unternehmen oder die unbequemere Wahl zu treffen.
Ich hatte bisher nur von Masten gelesen, nicht da es Kopfmasten und übergänge auf Erdkabel. So was ist natürlich ein Neuralgischer Punkt.
Das bedeutet doch das der Ostteil Zuleitungen aus dem Osten haben müsste und der Westteil ebensolche aus dem Westen. Und dieser Stadtteil hat nur eine 110kV Zuleitung, aus dem Vermaschten Bereich weil...?
Ob es hilfreich ist das so ein Netzbereich dann zu einer Strominsel wird wenn die (eine) Anbindung verloren ginge?
Die werden mit der Zeit immer mehr out of Sync zum Rest werden. Wie schaltet man die wieder zusammen wenn man keinen 100%igen Blackout mehr hin bekommt - weil PV u.a. fleißig ersatz liefern? Das Problem liegt da m.E. darin die Erzeuger in einem Netzsegment von einer Zentrale zu erreichen - wenn Strom und Kommunikation ausgefallen sind. Kein LTE, keine Trägerwelle auf den Phasen, nix zum Steuern da.
Einfach "auf Krawall" heiß zusammen schalten und evtl. eine Trafoüberlastung riskieren will sicher auch kein Betreiber.
Kaputte Trafos sind doch sowieso ein Garant für einen längerfristigen Ausfall. Einen x MW Ersatztrafo hat sicher niemand auf Lager, die müssen erst gebaut werden und das geht nicht binnen Tagen oder Wochen. Plus Transport-zeit... und Möglichkeiten (Bei andauerndem Stromausfall).
Bye/ /Kay
T
Thomas Einzel
Am 11.09.2025 um 13:11 schrieb Kay Martinen:
...
Da wird bei einem Ausfall nichts zu einer Insel, es ging um eine Redundanz der (110kV) Anbindung eines VNB 110kV Umspannwerkes auf Mittelspannung.
Zwei Stromkreise auf einer Trasse sind keine Redundanz.
Zwei gleich "große" Stromkreise auf 2 Trassen verteilt ist eine Halbredundanz, d.h. wenn eine Trasse ausfällt steht die Hälfte der Leistung zur Verfügung. Haben beide Stromkreise auf je einer Trasse die mögliche Leistung wie im Normalbetrieb beide Stromkreise zusammen, ist es eine Vollredundanz. (haben mir auf Arbeit mal die Elektrotechniker so erklärt, ich hoffe dass das richtig wiedergegeben ist). ...> Das Problem liegt da
Der Drehstromkreis selbst ist die Information, je 3x Frequenz, Spannung, Phasenwinkel. Mehr sieht übrigens auch kein PV Wechselrichter, von Abregelungen mal abgesehen.
R
Ralph Aichinger
Wirklich 3x Frequenz?
/ralph
T
Thomas Einzel
Bei rotierenden Generatoren ist sie gleich. Bei anderen Erzeugern sollte sie auch gleich sein. Auf jeden Fall stehen im Drehstromkreis die genannten Werte inkl. dem Phasenwinkel als Messwerte oder aus den Messwerten als errechneter Wert zur Verfügung und man braucht sie nicht als externe Information - darum ging es mir.
K
Kay Martinen
Am 11.09.25 um 17:25 schrieb Thomas Einzel:
Es ist alles ein "Kreis" ;)
Wenn eine PV Anlage nur auf einer Phase einspeist, eine andere PV auf der zweiten u.s.w. wäre zumindest eine Theoretische Möglichkeit für verschiedene/abweichende Frequenzen und Phasenlagen.
Und, das gilt alles nur wenn das Übertragungsnetz noch verbunden ist mit dem Netzsegment. Weil dann die Netzfrequenz als Führungsgröße auch vorhanden ist.
Das "Problem" das ich ansprach betraf eben die angesprochene Idee das die VNB noch mehr tun könnten als PV u.a. ab zu regeln. Ich verstand das als die Idee das die im Segment vorhandenen Erzeugerkapazitäten mit dem Wegfall des großen Netzes eben nicht runter fahren und abschalten, sondern weiter einspeisen sollten. Und damit würde dort ein Inselnetz entstehen das vom Rest getrennt ist. Damit gibt es auch keine Führungsgröße mehr von außen. Und ebenfalls keine Verbindung von Außen in diesen Bereich um z.b. den PV Anlagen ein Shutdown oder anderes Signal zu senden.
Womit dies Netz seine Phasenlage selbst regeln müsste und dann beim späteren Zusammenschalten eben nicht mehr Synchron läuft.
Kommt natürlich derzeit eher nicht vor weil m.W. nicht erlaubt. Aber das war der Ausgangspunkt für die Frage ob es sinnvoll ist das zu erlauben - mit den genannten Folgen!
Bye/ /Kay
A
Axel Berger
Es gibt sicher Grundkriminelle, die jede Gelegenheit nutzen. Wenn Du aber keinerlei Vorsorge hast (wer braucht so etwas heutzutage schon, ich bin zum großen Teil mitschuldig und ebenso blauäugig) und hungrige Kinder weinen, dann verschieben sich die Werte.
Die nützt nur für Systeme, die mit lokalen Daten autark arbeiten können. Genau davon sollen wir von allen Seiten systematisch wegerzogen werden.
Ich auch, ich gebe es zu. Mehl und Reis brauche ich nicht jeden Tag. Da reicht es, nach dem Verbrauch des Restes, beim nächsten Einkauf welchen mitzubringen. Als ich mich darauf nicht verlassen konnte, habe auch ich
*eine* Packung mitgenommen, obwohl die angebrochene noch halbvoll war. Das alleine reicht in einer Millionenstadt schon, wenn es viele tun, die Logistikplanung des Handels zusammenbrechen zu lassen. Eine Woche lang Verdreifachung der normalen Nachfrage oder so etwas in der Art. Und bei ganz leeren Regalen vergrößert sich der gefühlte Sicherheitsbedarf.
Genau so ist es und nur wenigen ist der Umfang klar.
W
Wilhelm Ernst
Am Thu, 11 Sep 2025 15:49:32 +0200hat Thomas Einzel snipped-for-privacy@einzel.de geäußert:
Ich ergänze mal mit einem VIdeo - das etwas eingefärbt aber trotzdem treffend ist:
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