Frage zu historischem Kabel

Moin!
In unserem Gebrauchthaus ist die Elektroinstallation noch mit
metallummanteltem, 2-adrigen Kabel mit Textilisolation ausgeführt.
Immerhin mit klassischer Nullung.
Die Farben sind nicht mehr erkennbar, weil von dem Stoff nur noch
schwarzer Broesel uebrig ist.
Die Verteilerdosen sind aus Porzellan mit Schraubklemmen (klar).
Nun interessiert uns, wann dieser Hof (Bj. 1895) erstmalig
elektrifiziert wurde.
Kann mir jemand sagen,
a. wann diese Leitungen etwa verwendet wurden und
b. den (auch umgangssprachlichen) Namen dieser Leitungen.
Mein Vater kann sich duster erinnern, dass er 1946 als Stift in Holstein
sowas noch verbaut hat, es sei damals aber schon nicht mehr ueblich
gewesen. ("Gab ja nix, da wurde genommen, was sich gegen Zigaretten und
Kartoffeln organisieren liess"). Es meint auch, sich an die Bezeichnung
"Kuli-Rohr" zu erinnern. Suchmaschinen zucken bei dem Begriff allerdings
nur mit den Achseln...
Bei Bedarf kann ich gerne ein paar Photos liefern.
Gruesse aus der Wesermarsch
Ralph
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Ralph Fischer
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[...]
Hieß " Kuhlo-Rohr" . Wurde mit der Biegezange gebogen. Die Norm-Bezeichnung war NRA = Normen-Rohr-Ader. Den gab es mit Zink- und Alu-Mantel. Alu-Mantel ist oft beim Begen gebrochen, Ich habe damals hunderte Meter davon verlegt, Man musste dabei darauf achten, dass die Naht/Falz nicht in die Mitte der Biegezange kam. Denn das sah sehr schlecht aus (und vom Chef gabs dann einen großen Rüffel)
Kuhlo hieß, so wie ich es weiß, der Erfinder dieser Leitung. Im Krieg gab es diese Leitung sogar mit Papier-Isolation!
(Manchmal wird auch "Kulo-Rohr geschrieben.)
In Gedanken schwelgend von früher. (Wie heißt es: Aber schön war's doch und nicht so hektisch ! )
Rudi
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Rudi Horlacher [Paul von Staufen]
Meines WIssens gab es sowohl Kuhlo-Kabel als auch Kuhlo-Rohr mit eingezogenen Einzeladern. Kabel war vom Durchmesser nicht viel dicker als heute NYM (hab erfolgreich Schellen von 3x1,5er f=FCr die Befestigung von NYM-J 4x1,5mm2 verwendet). Das Rohr hingegen war so in der Gegend von M16. Hie=DF auch Bergmannrohr, unter diesem Namen ist es in manchen Gegenden Deutschlands, in =D6sterreich sowie in der Schweiz bekannt. In Schweden =FCbrigens auch, da hei=DFt es halt Bergmannsr=F6r ;-) In =D6sterreich gab es das Rohr soweit ich das =FCberblicken kann nur mit (sehr d=FCnnem) Stahlmantel, jedenfalls rostet es un=FCbersehbar. Das Kabel kenne ich nur mit Messingmantel. In Schweden wurde das Zeug sogar noch mit PVC-isolierten Adern in schwarz, blau und gelbgr=FCn gefertigt, teilweise sogar mit einem extra PVC-Mantel au=DFen.
Das Zeug hat es gl=FCcklicherweise nie in nennenswerten Mengen in die Ostmark geschafft... aber das "Original" mit Gummi-Isolierung und statt (wie =F6sterreichische Einzelader) ordentlich herumgesponnener Baumwolle einfach herumgewickeltem Stoff ist heute auch nicht mehr sonderlich gut erhalten.
In unserem Keller (und in vielen anderen) findet man noch die Hardcore- Version. Um die Adern Sisal als F=FCller, dann ein Bleimantel und nochmal teergetr=E4nkter Stoff au=DFen herum. Eine Leitung, die fast so dick ist wie ein Rohr.
Wenn man sich irgendwie durch den schwedischen Text k=E4mpft, gibt es hier EINMALIGE Fotos!
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und
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sg Ragnar
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Ragnar Bartuska
Moin Rudi,
Rudi Horlacher [Paul v> Hieß " Kuhlo-Rohr" . Wurde mit der Biegezange gebogen. Die
Besten Dank! Damit kann ich dann mal weiter recherchieren, wann das denn so "ueblich" war. Da lag mein alter Herr ja nicht ganz daneben...
Is klar :-))
Och, wir haben uns recht unhektisch eingerichtet. Das geht schon noch ;-)
Danke auch an Ragnar fuer die Information und, vor allem, die tollen Links. Meine Frau spricht (mehrfach gebrochen) schwedisch, wir werden uns da mal gemeinsam durchkaempfen. Das ist ja ein Eldorado fuer technisch _und_ historisch Interessierte.
Liebe Gruesse aus der Wesermarsch
Ralph
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Ralph Fischer
Es gab Kuhlokabel und Bergmannrohr - wenn sich die Begriffe später vermischt haben, dann wohl eher durch Gedächtnislücken späterer Elektrikergenerationen.
Beides ist, in guten Varianten (es gab auch fürchterliche Ersatzware in Notzeiten) und gut verlegt, exzellentes Installationsmaterial, die letzten Fragmente werden vielleicht irgendwo noch funktionieren, wenn das letzte NYM längst verrottet ist. Die Originalinstallation meines Kellers von 1909 hatte jedenfalls, als ich Anfang der 90er den Keller neu verdrahtet habe, einen sehr viel besseren Zustand als alle PVC-Erweiterungen der 50er bis 70er...
Gruß Sevo
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Sevo Stille
Ich kenne zwischen ca. M=FCnster/Westf. und Berlin nur den Ausdruck Kuhlorohr f=FCr das was hier (Wien) als Bergmannrohr bekannt ist.
Vom Bergmannrohr gab es =FCbrigens f=FCr UP-Verlegung auch eine Billigversion, die NUR aus teergetr=E4nktem Pappkarton bestand. Das Zeug konnte man naturgem=E4=DF nicht biegen, daher wurden die B=F6gen aus normalem Bergmannrohr fabriziert und dann Muffen gesetzt. Das wurde hier beim Hausbau 1913/1914 fast ausnahmslos verwendet.
Volle Zustimmung - hier funktioniert noch so manches mit der Originalinstallation, die sich in erstklassigem Zustand befindet... =FCberwiegend Deckenleuchten, aber auch vereinzelte Steckdosen, abgesichert mit 10A (in AT wurden bis deutlich nach dem 2. Weltkrieg gerne 1mm2 eindr=E4htig fest verlegt, 1,5mm2 existierte fast nicht und 2,5mm2 waren schon Z=E4hlerzuleitungen). Die 60er-Erweiterungen hier sind auch nicht =FCbel, vor allem die Stegleitung mit PVC-Mantel hat =C4hnlichkeiten mit einem Panzer. Echt =FCbel sind die Kriegserweiterungen. Im Vorzimmer hat mal jemand eine Wechselschaltung nachger=FCstet (urspr=FCnglich hatte der 9m lange Gang nur an einem Ende einen Lichtschalter), mit Einzeladern die anscheinend eine reine Gummiisolierung ohne Stoff hatten... v=F6llig zerbr=F6selt. Naja und die 1mm2 Al mit PVC-Isolierung im Bad haben mir nur mehr die Haare senkrecht zu Berge stehen lassen! Naja, die damals =FCblichen 4A haben sie wohl verkraftet... blo=DF wenn die nicht irgendwann abgeklemmt worden w=E4ren, w=E4ren die an 16A tr=E4ge gelandet... genau wie die 1mm2 Cu an denen die Waschmaschine hing (die originalen Stromkreise halt, und weil die Waschmaschine immer die Sicherung geschmissen hat wurden eben die Pa=DFschrauben zertr=FCmmert und 16A tr=E4ge eingeschraubt...) Das war das eigentliche Problem mit der Altinstallation in der einen der beiden Wohnungen die wir zusammengelegt haben - sie war so saum=E4=DFug vermurkst, da=DF nur mehr ein Komplettaustausch helfen konnte. In der anderen wurde kaum je renoviert, fast alles noch original, da ist vieles noch immer drin.
sg Ragnar
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Ragnar Bartuska
ACK. Kenn ich auch noch von meinem Vater, der Elektomeister war. Es wurde m.W. bis in die 70er Jahre verwendet. Es hatte den Vorteil, das man es mit wenigen Schellen sch=F6n gerade verlegen konnte, w=E4hrend NYM dann immer so durchh=E4ngende B=F6gen hat. Gruss Harald
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Harald Wilhelms

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