Frequenzeinbruch

Sep 04, 2012 24 Replies

Ralf . K u s m i e r z schrieb:

Das machen sie aber leider nicht. Sie schieben die Blinden nach oben und der ÜNB hat das Problem. Dagegen werden in laststarken Zeiten über die Trafos Blinde ohne Ende gezogen. 200MVar 380->110kV in einem Knoten sind keine Seltenheit. Die muß der ÜNB ja auch erst einmal bereit stellen.

Die Parks, die wir direkt dran haben, benötigen eine Mindestwirkleistung, um auch für die Spannungsregelung wirksam zu werden.

Ich formuliere es mal anders: Blindleistungseinspeisung vom 380kV- in das 110kV-Netz erhöht die Spannung an der 110kV- Sammelschiene. Nichts anderes wird mit der Trafostufung (so es sich um Längsregler handelt) gemacht. Besser? ;-)

VG Jörg

Werner Krämer schrieb:

Danke.

Der VNB hat sein Netz so hingestellt, dass er die Blinden für den Betrieb seines Netzes vom ÜNB bezieht. Nichts anderes machen die zur Zeit. Oder sind 200 MVar Bezug in einem Knoten Peanuts?

Wenn der VNB vom ÜNB Blinde bezieht, oder anders gesagt der ÜNB beim VNB Blinde einspeist, erhöht sich die Spannung an der Sammel- schiene des VNB. Und das ist auch nicht neu.

Ich bezweifle, dass Notstromer in ausreichender Größe und Menge vorhanden sind. Wir reden hier von ca. 1.5GW für 3kV in einer relativ eng begrenzten Region.

VG Jörg

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Joerg Bradel schrieb:

Ich bin arg ratlos. Wie "speist man Blindleistung ein"?

Die Blindleistungsabnahme bestimmt der Abnehmer, und die Wirkleistungsabnahme auch. Der Lieferant kann nur eines tun: Die Spannung halten.

Liefert er nicht genügend Blindleistung, dann sackt die halt ab.

Wenn man andererseits die Spannung senken *will*, dann kann man entweder mehr Blindleistung ziehen (und dem Lieferanten sagen, daß er das nicht mit vermehrter Einspeisug kompensieren soll), oder eben weniger Blindleistung liefern, also die Generatoren weniger stark erregen (bzw. entsprechend an Kompensatoren herumdrehen).

Das ist also mal mindestens mißverständlich: Man kann sich auf den Standpunkt des Erzeugers stellen und sagen: "Wenn mehr eingespeist wird, dann steigt die Spannung", oder sich auf den des Verbrauchers stellen und sagen: "Mehr Abnahme senkt die Spannung".

Und zur allgemeinen Verwirrung und zum Rausprüfen wurde deswegen auch das Erzeuger- und das Verbraucherpfeilsystem erfunden.

Jedenfalls kann nur der Abnehmer am Phasenwinkel drehen, der Einspeiser nicht, oder anders: Jeder nur an seinem Leitungsende. Und wenn das einer tut, dann ändert sich logischerweise der Spannungsabfall auf der Leitung.

(Es gäbe sicher längst gesetzliche Regeln über die Pflicht des Netzbetreibers, Blindleistung für regenerative Einspeiser bereitzustellen, wenn der gemeine Abgeordnete nur wüßte, was das eigentlich ist.)

Gruß aus Bremen Ralf

Am 09.09.2012 23:49, schrieb Ralf . K u s m i e r z:

Es reicht doch, wenn es eine entsprechende Norm gibt.

Zu deren Einhaltunf kann der Gesetzgeber dann verpflichten und in einer Fußnote darauf hinweisen, dass sie bei der IEC zu beziehen ist.

Gruß Jens

Moin

Am Sun, 9 Sep 2012 20:16:52 +0000 (UTC) hat Joerg Bradel geschrieben:

Zur Klarstellung: Es geht mir primär nicht um die Spannungsregelung in Transport- und Übertragungsnetzen. Grundsätzlich ging es um die Spannungsabsenkung über das Drehen der regional benachbarten Kraftwerke an der Blindleistungsschraube, damit beim Endkunden als Konsequenz darauf Last reduziert wird. Und dabei spielen die Regler der 110/Mittelspannungstrafos eine entscheidende Rolle, auch wenn das weiter oben bei den ÜNB keicht vergessen wird.

Es ist mir schon klar, dass ihr durch Steuerung und Reduzierung von Blindleistungsflüssen im größeren Maßstab die Spannung reguliert.

Hat auch keiner angezweifelt.

Noch einmal: In welche Richtung sollte also der Betreiber eines Mittel- und Niederspannungsnetz den bilanzierten cos Phi aller seiner

110/Mittelspannungstrafos eines 110 kV Teilnetzes treiben?

Die Antwort sollte doch 1 sein!

Bewegt sich der Betreiber eines Mittel- und Niederspannungsnetzes in vertraglich festgelegten Bereichen, besteht für ihn kein Handlungsbedarf, Kompensation kostet schließlich Geld.

In diesem Fall benötigt der VNB der letzten Meile aber auch keine Blindleistung aus dem vorgelagerten- oder dem Übertragungsnetz. Es wird lediglich Blindleistung zwischen den Umspannwerken des gleichen 110 kV Teilnetzes übertragen. Das belastet aber selbstverständlich die Leitungen des 110 kV Netzbetreibers.

Für den unvermeidlichen Rest ist erst einmal der Betreiber des 110 kV-Netzes zuständig.

Obwohl sich vielleicht alle untergeordneten Verteilnetzbetreiber im vertraglich festgelegten Rahmen bewegen, kann dennoch die Summe der insgesamt benötigten Blindleistung recht groß werden. Ist es ihm nicht möglich, diese über lokale Kraftwerke oder Drosseln/Kondensatoren auf der

110 kV-Seite zu decken, muss er eben bei euch anklingeln.

Wenn ich im Mittelspannungsnetz mehr Blindleistung aus dem 110 kV-Netz über die 110 kV/Mittelspannungstrafos beziehe, sinkt auf der Mittelspannungsseite die Spannung. Gleiches gilt für Ortsnetztrafos, dort sinkt die Spannung auf der Unterspannungsseite. Um Spannungsüberhöhungen zu vermeiden, können Einspeiser sogar gezwungen werden, Blindleistung zu beziehen, damit sie die volle Wirkleistung einspeisen können.

Wir reden scheinbar aneinander vorbei. Wie ich bereits in mehreren Postings angemerkt habe, dreht es sich bei meinen Ausführungen immer noch um die lokale automatische Spannungsreglung über die unter Last schaltbaren Stufenschalter der 110 kV/Mittelspannungstrafos, also quasi die Spannungs-Primärregelung.

Wenn über diese Trafos mehr Blindleistung aus dem übergeordneten 110 kV Netz entnommen wird, sinkt aufgrund des Spannungsfalls über die Traforeaktanz auf der Unterspannungsseite die Spannung. Damit das klar wird, das Mittelspannungsnetz nimmt Blindleistung auf, wirkt in dem Fall als Induktivität.

Wenn das Mittelspannungsnetz aufgrund eines hohen Kabelanteils und mangels Industrie mehr Blindleistung in das übergeordnete 110 kV-Netz liefert,also als Kondensator wirkt, steigt die Spannung auf der Mittelspannungsseite.

Es hat auch niemand behauptet, dass diese in ausreichender Menge vorhanden sind,

ich wollte nur widersprechen, dass dann ausschließlich Last abgeschaltet wird.

BTW, ganz so wenig Leistung kann es nun auch nicht sein, denn diese werden zum Teil für die Minutenreserve benutzt.

Werner

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