Das Deutsche Gew=F6lbemuseum recherchiert: das Wort Polier
Ich wei=DF nicht, wo das Wort =FCberall verwendet wird. Es begegnete mir auf Baustellen in der Regel bei Bauunter- nehmen, die den Rohbau auff=FChren. Der Polier war dann immer der Leiter der Maurer, usw. vor Ort auf der Bau- stelle.
Im Jahre 1836 regte sich jemand dar=FCber auf, da=DF im- merzu auf den Baustellen die Bezeichnung Polier zu h=F6ren sei, aber keiner in Wirklichkeit mehr wisse, wo- her das Wort komme. Vermutlich wu=DFte auch derjeni- ge, der sich dar=FCber aufregte, nichts =FCber den Ursprung des Wortes, das einen so merkw=FCrdigen Falschklang hat, da kein Polier poliert, sondern herumkommandiert. Auf Fragen hin, wieso jemand Polier genannt wird, kam in der Regel nur Gel=E4chter. Das Gel=E4chter ist auch angebracht, n=E4mlich =FCber diese Zust=E4nde am Bau.
Doch verfolgen wir, was der Autor der inzwischen sehr alten Zeilen herausgefunden hatte:
"Das Wort Parlier wird fast durchg=E4ngig falsch geschrie- ben und ausgesprochen, indem es bald Polier, Palier u.s.w. hei=DFt, w=E4hrend es erwiesen ist, da=DF dieses Wort von dem franz=F6sischen parler (sprechen) ab- stammt, und Parlier mit Sprecher ganz gleichbedeu- tend ist, da doch nur der Parlier auf dem Baue zu sprechen hat." (1)
Sch=F6n, da=DF einem das durch diese Erl=E4uterung nahe gebracht wird. Der Schreiber dieser Zeilen meinte:
"Parlierer und Parlier kommt zuerst vor in der Ordnung der Steinmetzenbruderschaft zu Stra=DFburg vom Jahre
1464, erneuert und in den Druck gegeben 1563. Diese Schrift findet sich bei vielen Steinmetzladen, beson- ders in jenen St=E4dten vor, wo durch den Einflu=DF jener Bruderschaften, denen wir die Ausbildung deutscher Baukunst und ihre Wunderwerke verdanken, Kirchen im gothischen oder deutschen Baustyle aufgebaut sind." (2)
Dem m=FC=DFte nun etwas genauer nachgegangen wer- den. In einem Lexikon der 1970er Jahre ist der Be- griff "Polier" landl=E4ufig erkl=E4rt:
"Polier (frz.). Parlier, oberster Vorarbeiter der Maurer oder Zimmerer, steht zwischen Meister u. Vorarbei- ter; hat die auf einer Baustelle t=E4tigen Arbeitskr=E4fte zu beaufsichtigen u. zu leiten. Der Maurer- oder Zim- mergeselle kann nach Teilnahme an verschiedenen Kursen (vielfach an Staatsbauschulen) nach zwei Gesellenjahren Vorarbeiter, nach 2 weiteren Jahren Hilfs-P. u. nach mindestens einj=E4hriger T=E4tigkeit als solcher P. werden." (3)
In den 1970er Jahren, so wird hier erkl=E4rt, war er im Getriebe der Maurer und Zimmerleute pr=E4sent, das Wort wurde also anders als im Mittelalter ge- braucht.
Obwohl es nur ein unscheinbares Wort ist, d=FCrfte seine Verwendungsgeschichte sehr ausgedehnt nachvollziehbar sein. Diese Entwicklung in histo- rischen schriftlichen Belegen durch Exzerpte nach- vollziehbarer zu gestalten, d=FCrfte nicht verkehrt sein. Da das Wort aus einem benachbarten Sprachraum =FCbernommen wurde, schlie=DFt sich ein Wissenwollen =FCber die Geschichte der Ver- wendung in dieser Sprache an. In unserem Sprach- raum stehen zur parallelen Suche nach solchen Belegen die Worte
- Polier
- Palier
- Parlier
- Parlierer zur Disposition. Wie sich das Wissen dazu allm=E4h- lich aufbauen l=E4=DFt, ist die Frage. Die Sprachwissen- schaft wird hier gute Vorarbeit geleistet haben. Ver- folgt man das Wort in fr=FChen Archivalien oder anders- wo als Beleg, wird sehr viel Wissen zu dem Betrieb von Baustellen damit zugleich entstehen.
K.L.
Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in
Anmerkungen: (1)-(2) zitiert aus: o.A.: Das Wort Parlier. S.32 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836 (3) zitiert aus: Lexikon-Institut Bertelsmann (Hg.): Das moderne Lexikon. Bd.14. G=FCtersloh, 1976 (1972). S.433f.
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