Das Deutsche Gewölbemuseum recherchiert: das Wort P olier

May 06, 2008 8 Replies

Das Deutsche Gew=F6lbemuseum recherchiert: das Wort Polier


Ich wei=DF nicht, wo das Wort =FCberall verwendet wird. Es begegnete mir auf Baustellen in der Regel bei Bauunter- nehmen, die den Rohbau auff=FChren. Der Polier war dann immer der Leiter der Maurer, usw. vor Ort auf der Bau- stelle.



Im Jahre 1836 regte sich jemand dar=FCber auf, da=DF im- merzu auf den Baustellen die Bezeichnung Polier zu h=F6ren sei, aber keiner in Wirklichkeit mehr wisse, wo- her das Wort komme. Vermutlich wu=DFte auch derjeni- ge, der sich dar=FCber aufregte, nichts =FCber den Ursprung des Wortes, das einen so merkw=FCrdigen Falschklang hat, da kein Polier poliert, sondern herumkommandiert. Auf Fragen hin, wieso jemand Polier genannt wird, kam in der Regel nur Gel=E4chter. Das Gel=E4chter ist auch angebracht, n=E4mlich =FCber diese Zust=E4nde am Bau.



Doch verfolgen wir, was der Autor der inzwischen sehr alten Zeilen herausgefunden hatte:



"Das Wort Parlier wird fast durchg=E4ngig falsch geschrie- ben und ausgesprochen, indem es bald Polier, Palier u.s.w. hei=DFt, w=E4hrend es erwiesen ist, da=DF dieses Wort von dem franz=F6sischen parler (sprechen) ab- stammt, und Parlier mit Sprecher ganz gleichbedeu- tend ist, da doch nur der Parlier auf dem Baue zu sprechen hat." (1)



Sch=F6n, da=DF einem das durch diese Erl=E4uterung nahe gebracht wird. Der Schreiber dieser Zeilen meinte:



"Parlierer und Parlier kommt zuerst vor in der Ordnung der Steinmetzenbruderschaft zu Stra=DFburg vom Jahre



1464, erneuert und in den Druck gegeben 1563. Diese Schrift findet sich bei vielen Steinmetzladen, beson- ders in jenen St=E4dten vor, wo durch den Einflu=DF jener Bruderschaften, denen wir die Ausbildung deutscher Baukunst und ihre Wunderwerke verdanken, Kirchen im gothischen oder deutschen Baustyle aufgebaut sind." (2)

Dem m=FC=DFte nun etwas genauer nachgegangen wer- den. In einem Lexikon der 1970er Jahre ist der Be- griff "Polier" landl=E4ufig erkl=E4rt:



"Polier (frz.). Parlier, oberster Vorarbeiter der Maurer oder Zimmerer, steht zwischen Meister u. Vorarbei- ter; hat die auf einer Baustelle t=E4tigen Arbeitskr=E4fte zu beaufsichtigen u. zu leiten. Der Maurer- oder Zim- mergeselle kann nach Teilnahme an verschiedenen Kursen (vielfach an Staatsbauschulen) nach zwei Gesellenjahren Vorarbeiter, nach 2 weiteren Jahren Hilfs-P. u. nach mindestens einj=E4hriger T=E4tigkeit als solcher P. werden." (3)



In den 1970er Jahren, so wird hier erkl=E4rt, war er im Getriebe der Maurer und Zimmerleute pr=E4sent, das Wort wurde also anders als im Mittelalter ge- braucht.



Obwohl es nur ein unscheinbares Wort ist, d=FCrfte seine Verwendungsgeschichte sehr ausgedehnt nachvollziehbar sein. Diese Entwicklung in histo- rischen schriftlichen Belegen durch Exzerpte nach- vollziehbarer zu gestalten, d=FCrfte nicht verkehrt sein. Da das Wort aus einem benachbarten Sprachraum =FCbernommen wurde, schlie=DFt sich ein Wissenwollen =FCber die Geschichte der Ver- wendung in dieser Sprache an. In unserem Sprach- raum stehen zur parallelen Suche nach solchen Belegen die Worte



- Polier



- Palier



- Parlier



- Parlierer zur Disposition. Wie sich das Wissen dazu allm=E4h- lich aufbauen l=E4=DFt, ist die Frage. Die Sprachwissen- schaft wird hier gute Vorarbeit geleistet haben. Ver- folgt man das Wort in fr=FChen Archivalien oder anders- wo als Beleg, wird sehr viel Wissen zu dem Betrieb von Baustellen damit zugleich entstehen.



K.L.



Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in

formatting link
Diskussion gestellt. Der Autor ist =FCber folgende Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de



Anmerkungen: (1)-(2) zitiert aus: o.A.: Das Wort Parlier. S.32 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836 (3) zitiert aus: Lexikon-Institut Bertelsmann (Hg.): Das moderne Lexikon. Bd.14. G=FCtersloh, 1976 (1972). S.433f.



siehe auch:

formatting link



Karl-Ludwig Diehl schrieb:

[snip]

formatting link
Harald

Prima, f=FChrt weiter. Folglich erweitert sich die Liste der Worte:

Hab noch was gefunden, in einem schwäbischen (sic!) Wörterbuch von 1831 unter dem Begriff "Ballier".

Problem ist, ich kann diese Schrift kaum lesen...

Direkt darunter steht dann der "Ballei", das ist dann der Amtmann.

Von daher scheint der Brockhaus recht zu haben, was die Wortherkunft angeht.

Da der link zum Lexikon selbst eeeeeeeeeewig lange dauert, habe ich einen Screenshot hochgeladen.

formatting link
Hier der link zur Quelle selbst, dauert wie gesagt, seeeeeeeeehr lange:

formatting link
Harald

Nanu!

Hm, ja. Man mu=DF erst lange Zeit durchatmen, danach die ersten Worte durchkauen und ver- dauen. Irgendwann kommt's dann hinten per- fekt raus.

Schwierig zu wissen. Da m=FCssen dann Etymologen das letzte Wort haben. Selbst die haben gute Zusammenh=E4nge, wo die Fl=F6he zu tanzen anfangen, also die Sache wieder diffus wird.

Ich werde es mir demn=E4chst sehr genau durcharbeiten. Mal sehen, was es erbringt. Viel Stoff, der viele Fragen aufwirft. Im Text sind die Quelle angef=FChrt. Viel Arbeit, den ganzen Textblock im Original in die Hand zu bekommen. Aber da wird es dann wirklich inter- essant, aber noch "unleserlicher".

K.L.

Hier die "=DCbersetzung", darin steht also:

"ballier, m. Aufseher =FCber Maurer und Zimmerleute bei einem gr=F6=DFern st=E4dtischen Bauwesen, Ulm. u.a.O. (Bair., Oestr., Polier, S=E4chs.) ballei, f. ein durch Raths- glieder verwaltetes Amt, mit welchem Verrechnungen verbunden sind, z.B. Steuer-Hospital-Herrschaftspflege- Amt, Ulm. Zun=E4chst bedeutete es die Kanzlei, dann die Beamtung;

baillif, balio, grado principale d'autorit=E0, ballire reggere, governare, Crusa, von bajulus, Lasttr=E4ger und Beamter, der eine Charge (Last und Amt) =FCbernimmt, wie die von spelmann und Ducange gesammelten Stellen beweisen, womit auch die Wien.Jahrb.der Litt.IV, 20.22.80. zu ver- gleichen sind. So hie=DF Besir Lasttrager, s.Hammer in der Fundgr.d.Or.V,85.

Megalos baiolous hie=DF einer der ersten Staatsbeamten der byzantinischen Kaiser, besonders der Hofmeister der Prinzen, S.Meurs. Gloss.Graecobarb. s.v. baioulos, auch der venedische Handelsconsul zu Constantinopel, Ibid. mpaioulos. Vielleicht geh=F6rt das im Spec.Ulf.des Majo vorkommende bilaif, welches er durch minister =FCbersetzt, auch hierher."

Hm, seltsam.

Ich k=F6nnte mir vorstellen, das Problem ist damit noch nicht gekl=E4rt und das Wort Polier wartete auf weitere Erkl=E4rungsmuster.

Allerdings ist diese Formulierung interessant: "ballei, f. ein durch Rathsglieder verwaltetes Amt, mit welchem Verrechnungen verbunden sind"

Nun kann ja Polier und Ballier auch im gleichen Sinne gebraucht worden sein, aber die Wortherkunft mu=DF deshalb noch nicht korrekt sein.

Bei mir baute er sich sehr rasch auf. Aber egal. Der Stoff aus dem die "Polier"-Herkunftstr=E4ume sind, ist ja inzwischen angekommen.

K.L.

Karl-Ludwig Diehl schrieb:

Dieser Fund

" Polierer, diejenige, welcher polieret, besonders, wenn er ein eigenes Geschäft daraus macht. Ehedem machten die Polierer ein eigenes Handwerk aus, da sie sich denn vornähmlich mit dem Polieren der Harnische abgaben, und daher auch Harnischpolierer genannt wurden. Bey einigen Handwerkern heißen diejenigen Gesellen, welche das, was aus dem gröbsten gearbeitet worden, in das Feine bringen, z. B. bey den Zimmerleuten und Mäurern, Polierer, da sie sich denn oft überhaupt nur mit feinen Arbeiten beschäfftigen, und auch den Untermeistern gleich geachtet werden. So sind die Zimmerpolierer an einigen Orten solche Mäurer, welche nur die Zimmer ausbessern, weissen etc. In Wien hat man auch Brunnenpolierer. Im gemeinen Leben lautet es gemeiniglich Pallier, Pollier. " (Quelle:

formatting link
("Oeconomische Encyclopädie online" und dann suchen nach "Polierer")

bietet eine völlig neue Betrachtungsweise bezüglich der Herkunft des Wortes Polier...

Harald

formatting link
("Oeconomische Encyclop=E4die

Ha, danke. Sind dazu historische Textstellen vermerkt, durch die verortet ist, wo solche Zusammenh=E4nge vorkommen? Die Idee der Herkunft vom Harnischpolierer ist mir schon einmal be- gegnet, wurde aber sehr kritisch bewertet.

K.L.

Ich habe mir das noch einmal genauer durchgesehen. Diese Idee entstammt dem damaligen Zeitgeist. Man hatte Sehnsucht nach der Ankn=FCpfung an die "altdeutsche" Zeit der Gotik, Ritter, usw. Es sollte diese Sehnsucht st=FCtzen und einen Beitrag zur Neu- gotik liefern. Diese Herkunft des Wortes Polier ist ver- worfen worden. Parlieren, einer der Anweisungen gibt, weil er etwas zu den Vorg=E4ngen auf einer Baustelle als Anweisung zu sagen hat und Verant- wortung tr=E4gt, wird wohl nur in dem Wort als Ausgangsbedeutung stecken.

K.L.

Join the Discussion

Have something to add? Share your thoughts — no account required.

Didn't find your answer?

Ask the community — no account required