das Wort "Schlauder"

Jun 13, 2008 4 Replies

Hallo allerseits,



mit begegnete in einem historischen Text gerade der Begriff "Schlauder", wohl in der Bedeutung eines Ringankers. Das Wort gibt mir jedoch noch R=E4tsel auf. Dies fand sich im Kr=FCnitz:



Schlauder, in der Baukunst, und bei den Eisenarbeitern ein Name, welchen die Schlu=DF=3Dund Giebelanker der Geb=E4ude, und alle =E4hnliche gro=DFe Verbindungen f=FChren. Da diese Schlaudern aus starken Stangen bestehen, welche mit starken Schlie=DFen oder Niethen an einander befestiget sind, so kann sowohl den Begriff des Schlie=DFens, als auch des Schlauderns und Schlotterns darin zum Grunde liegen; -- Man belegt auch mit diesem Namen in der Bankunst, besonders bei Kluftd=E4mmen, gewisse starke H=F6lzer, welche mit Einschnitten versehen und =FCber eine Wasserleiste, einen Riemen oder Schlangenbalken greifen, um das ganze Werk auch dadurch zusammen zu halten; sie werden auch in diesem Betrachte Anker oder auch Schl=FCssel genannt. aus: Oekonomische Encyklop=E4die (1773 - 1858) von J. G. Kr=FCnitz

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Wei=DF jemand mehr =FCber diesen Begriff, ab wann er aufkam und ab wann er eher au=DFer Gebrauch kam? Die Herleitung wird bei Kr=FCnitz mit Worten wie schlie=DFen, schlaudern, schlottern angedeutet. Jedoch ist mir das zu ungenau.



K.L. an: de.sci.architektur, de.sci.ing.misc, de.etc.sprache.deutsch


Hilft Dir folgendes weiter?

oder:

Ralf

Ja, besten Dank. Bei Grimm las ich:

---------------- SCHLAUDER, f.

1) nebenform zu schleuder, funda, s. daselbst. mhd. sl=FBder, schl=FBder, schlauder, sleuder, schleuder. LEXER handwb. 2, 990, vgl. SCHM. 2, 506. WEIGAND 2, 589. die nhd. formen mit au sind: schlauder, funda ALBERUS; schlauter, schleuder, schl=E4uder, schl=E4uter, schlenker, funda. SCHOTTEL 1400 f.; schlauder, schl=E4uder FRISCH 2, 193c; so noch jetzt im hessischen schlauder, spr. schluhrer, schlaurer. PFISTER 245. SCHMIDT 189. auch in der bedeutung 'schlinge', s. ebenda, schw=E4b. schlauder, s. BIRLINGER 397b.

2) in der baukunst der schliesz- und giebelanker der geb=E4ude und =E4hnliche grosze verbindungen. ADELUNG; gabelanker in der schifffahrt. JACOBSSON 7, 229b; st=FCck schmiedeeisen zum verankern von balken, pf=E4hlen u. dergl., bei kluftd=E4mmen starke h=F6lzer mit einschnitten, die=

das ganze werk zusammenhalten. ebenda; mauerstange, -band, klemme. SCHMID 464; strebeholz, schliesze, vorpasse. SCHM. 2, 506; als masc.: das die eisene stanngen am andern ortt ain loch habe, das man den schlauder darein schlagt oder den kheill. feurbuch von 1591, s. ebenda; der bauf=E4llige turn zu Binkofen so undterschidlich mit schlaudern zusammengefasset. bodenbergmirakel von 1679, s. ebenda; auch hierf=FCr schleuder, s. WEIGAND 2, 589. SCHM. a. a. o.

3) mundartliches.

a) westerw=E4ld., =FCbertragen, weg, bahn, gedanke, gesinnung, s. SCHMIDT

189. KEHREIN 1, 350.

b) person, welche schlaudert, =FCbereilt verf=E4hrt. SCHM. 2, 506; so schlesisch schlauder, nachl=E4ssiges, liederliches frauenzimmer, s. WEINHOLD 83b. FROMMANN 4, 182.

c) groszes handrad zum wollespinnen. SCHM. 2, 506.

d) locker gehaspelter faden, s. ebenda.

e) preusz. schl=FBder, schludder, loser, schlecht gewebter stoff. FRISCHBIER 2, 290a.

f) eine art sumpfpflanze. SCHM. 2, 506.

g) schlaudern oder schlungen heiszen in Caub die an der ferse aufw=E4rts gehenden maschenreihen bei einem strumpfe. KEHREIN 1, 350.

h) nd. sluder, sl=FBder, schlaffer, m=FCder, schl=E4friger zustand, halbschlaf, schlummer. TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 211b. die bedeutungen b, e und h geh=F6ren wol zu schlaudern, vgl. daselbst.

-------------------

Mir schien so, als ginge es beim Schlaudern um das Schlingen, etwas umschlingen, also etwas festmachen. Da im konkreten Fall von mir ein Ringanker gemeint ist, der als Baueisen horizontal in die gemauerte Wand in H=F6he der Gescho=DFdecken eingelegt wurde, um die mit Hohlziegel und Gips ummauerten Eisenger=FCste der Gescho=DFdecken gut mit der Wand zu verbinden, d=FCrfte das Wort Schlauder vielleicht an Zeiten er- innern, zu denen Holzst=E4mme an Geb=E4uden noch mit Riemen, die aus rohen H=E4uten geschnitten waren, ver- zurrt wurden. Diese Lederstreifenverbindungen wurden fester, wenn der Hautstreifen trocknete. Aber vielleicht ist diese Idee zu weitgehend. Bei den Eisenger=FCsten der Gescho=DFdecken wurden die Ringanker, die in Gescho=DF- deckenh=F6he verliefen, durch senkrechte St=E4be zus=E4tzlich im Mauerwerk gesichert. Diese Art der Bautechnik war im Paris der 1830er Jahre =FCblich.

Bemerkenswert ist dieser Satz von Grimm: "... je weiter ich in diesem Studium fortgehe, desto kl=E4rer wird mir der Grundsatz: da=DF kein einziges Wort oder W=F6rtchen blo=DF eine Ableitung haben, im Gegenteil jedes hat eine unendliche und unersch=F6pfliche. Alle W=F6rter scheinen mir gespaltene und sich spaltende Strahlen eines wunderbaren Ursprungs, daher die Etymologie nichts tun kann, als einzelne Leitungen, Richtungen und Ketten aufzufinden und nachzuweisen, soviel sie vermag. Fertig wird das Wort nicht damit." Jacob Grimm an Savigny. 20. Apr. 1815 aus:

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Darin liegt viel Wahrheit. K.L.

Ergänzung: z.B. nennen sich die Befestigungsstangen, die den beiden Seitenwänden von Heuwägen Stabilität gaben, ebenfalls Schlaudern.

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Interessant. Ich hatte das Wort "Schlauder" zuvor noch nie gelesen oder geh=F6rt.

Das n=E4chste Mal, wenn ich durch die D=F6rfer im Westerwald ziehe, werde ich die Bauern fragen, die mir begegnen, ob das auch hier in der Region als Wort daf=FCr =FCblich ist.

Danke f=FCr den Hinweis. K.L.

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