Derzeit wird in meinem Wohnort eine Zellstoff- und Papierfabrik abgerissen, deren Gründung auf das Jahr 1898 zurückgeht. Auf dem Gelände befindet sich auch (noch) ein Gebäude, das von Einheimischen gelegentlich als "Hefefabrik" oder "Hefelabor" bezeichnet wird - allerdings konnte mir bislang noch niemand erklären, woher dieser Name kommt.
Zur weiteren Einordnung: Das fragliche Gebäude würde ich architektonisch in etwa in den 1920er bis 1930er Jahren verordnen. Wenn ich historische Luftbilder richtig im Kopf habe, müsste es während bzw. kurz nach dem zweiten Weltkrieg schon gestanden haben und damit vor Beginn der Papierproduktion im Werk. (Die kam erst Anfang der 1960er Jahre, davor wurde nur Zellstoff produziert.) Es ist aber nicht sicher, ob die umgangssprachliche Bezeichnung "Hefefabrik" schon beim Bau des Gebäudes entstand oder erst später kam.
Meine Frage an Euch: welchen Zusammenhang könnte es zwischen Zellstoffherstellung (oder evtl. Papierherstellung) und Hefe geben?
Die Bezeichnung "Spritfabrik" für einen Anlagenteil, der schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert, konnte ich mir jedenfalls mit Hilfe des Wikipedia-Artikels zum Thema "Holzbranntwein" erschließen. ;-)
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TIA,
Sebastian
PS: XP dsim & dsc, f'up erstmal nach dsim.
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A
Andreas Bockelmann
Sebastian Suchanek schrieb:
Ich habe Deine Frage mal an die Zwillinge[*] weitergereicht, das habe sie geantwortet:
--------------- 🧐 Zusammenhang zwischen Zellstoffherstellung und Hefe Der wahrscheinlichste und historisch bedeutendste Zusammenhang zwischen der Zellstoffherstellung (speziell dem Sulfitverfahren) und einer lokalen Bezeichnung wie "Hefefabrik" oder "Hefelabor" liegt in der Verwertung der Sulfitablauge als Nährboden für Hefe.
🧪 Verwertung der Sulfitablauge Die Zellstoffproduktion nutzte in der Vergangenheit oft das Sulfitverfahren (Schwefligsäure-Verfahren), bei dem die holzeigenen Lignine mithilfe von schwefliger Säure und Sulfiten herausgelöst werden, um die reine Zellulose (Zellstoff) zu gewinnen.
Abfallprodukt: Bei diesem Prozess fällt als großes Nebenprodukt die sogenannte Sulfitablauge an.
Inhaltsstoffe: Diese Ablauge enthält neben Ligninsulfonsäuren auch einen beträchtlichen Anteil an Kohlenhydraten (Zucker), die aus dem Holz gelöst wurden.
Nutzung als Nährlösung: Diese Kohlenhydrate waren ein idealer und günstiger Nährboden für die Züchtung von Hefe.
Vergärung (Ethanol): Durch Fermentation der Sulfitablauge mit Hefe (meist Bäckerhefe oder spezielle Stämme) konnte Ethanol (sog. Sulfitsprit oder Holzalkohol) gewonnen werden.
Verhefung (Futterprotein): Die gekühlte und neutralisierte Ablauge wurde unter Belüftung zur Zucht von Futterhefe (z.B. der Stamm Torula utilis oder Candida utilis) eingesetzt. Diese Hefe wurde dann als eiweißreiches Futtermittel (Hefeprotein) für die Tierernährung getrocknet.
Da Ihre Fabrik vor den 1960er Jahren nur Zellstoff produzierte, passt das Sulfitverfahren und die damit verbundene Verwertung der Ablauge zeitlich gut zur architektonischen Einordnung des Gebäudes in die 1920er bis 1930er Jahre, da diese Verfahren zur Ablauge-Nutzung in dieser Zeit und kurz danach entwickelt bzw. etabliert wurden.
🏭 Mögliche Funktion des Gebäudes Das als "Hefefabrik" oder "Hefelabor" bezeichnete Gebäude könnte somit ein Bauwerk gewesen sein, das zur Durchführung eines oder beider Schritte diente:
Hefezüchtung/Produktion: Es könnte die Anlage zur Fermentation (Gärbehälter) und/oder zur Separierung und Trocknung der Hefe aus der Sulfitablauge beherbergt haben.
Labor/Forschung: Die Bezeichnung "Hefelabor" könnte darauf hindeuten, dass dort die Qualität der Ablauge analysiert und die Hefezucht-Prozesse (Kontrolle der Stämme, Optimierung der Nährlösung) erforscht und überwacht wurden.
Die Bezeichnung ist also sehr wahrscheinlich ein lokaler Hinweis auf diese spezifische Nebenproduktion oder Abfallverwertung im Rahmen des ursprünglichen Zellstoffwerks.
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[*] gemini.google.com
D
Dr Engelbert Buxbaum
könnte es zwischen
Bei der Fermentation vonm Zucker, egal aus welcher Quelle, vermehren sich die eingesetzten Hefen und lagern sich am Ende des Prozesses am Boden ab. Sie werden dann entweder an Bäckereien verkauft oder als Mastfutter.
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