Kreative Benutzung eines digitalen Drehstromzaehlers
Oct 03, 2024 Last reply: 1 year ago 14 Replies
M
Marc Haber
Hallo,
ich habe hier einen Eastron SDM72D-M, einen digitalen Zweirichtungs-Drehstromzähler, den ich gerne zur Erfassung von Verbrauchsdaten in meinem Haus verwenden möchte. Ähnliche Zähler eines anderen Herstellers habe ich im Einsatz, um den privaten vom geschäftlichen Stromverbrauch in meinem Haus trennen zu können.
Bei der Lektüre des Handbuchs sind mir ein paar Fragen aufgefallen, weil ich den Zähler gerne etwas anders verwenden würde als er eigentlich vorgesehen ist.
Frage 1: Ist so ein Zähler darauf angewiesen, wirklich alle drei Phasen des Drehstroms zu "sehen", oder könnte ich z.B. zwei Verbraucher auf derselben Phase getrennt messen, indem ich einfach die Zugangsklemmen von L1 und L2 beide mit L1 verbinde?
Frage 2: Die "anderen" mir bekannten Zähler haben eine Verbindung zum Neutralleiter nur um ihre eigene Elektronik betreiben zu können (nur eine Klemme, und nur 2,5 mm² Querschnitt). Die Leistung wird mit den dicken 10-mm²-Klemmen nur für die drei Phasen durch den Zähler hindurchgeschoben. Der SDM72D-M hat auch für den Neutralleiter eine "dicke" Zugangs- und eine Abgangsklemme. Ist davon auszugehen, dass der Strom des Neutralleiters unbedingt mit durch diesen Zähler laufen muss? Die Verbraucher, deren Stromverbrauch ich messen möchte, bekommen ihren Neutralleiter aus einer Sammelschiene; das würde ich ungerne umbauen.
Leider ist die Dokumentation
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nicht toll, so ist zum Beispiel kein Schaltbild enthalten.
(Ströme sind hier kein Problem, da werden jeweils 16A LSS davor sein und der Zähler ist mit 100A belastbar).
Grüße Marc
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A
Axel Berger
Deine Fragen kann ich nicht beantworten, weil ich auch nur dieselbe Anleitung habe und nicht davon abgewichen bin. Aber so viel: Du hast gesehen, daß man ihn auf einphasig konfigurieren kann?
M
Marc Haber
Ja, aber ich möchte gerne drei Verbraucher getrennt messen. "Schlimm" genug dass die alle auf dem gleichen FI sein müssen.
Grüße Marc
K
Kay Martinen
Am 03.10.24 um 21:00 schrieb Marc Haber:
Ich habe einen SDM630-Modbus der dem Modell sehr ähnlich zu sein scheint.
Ist nicht klar zu beantworten. Die In- und Out-klemmen der jeweiligen Phasen 1-3 müssen natürlich elektrisch voneinander isoliert sein das ist klar. Und damit wäre es im Prinzip möglich das du L1-in und L2-in brückst und auf L1-out und L2-out jeweils getrennte Stromkreise haben kannst. Ebenso mit L3. ABER: Der Zähler wird vermutlich; wie meiner; nur EIN Gesamtzählwerk haben und das jeweils für Import (30073) und Export (30075). Übrigens scheint in der Doku unten eine Zeile zu fehlen. Vermutlich 30005 Phase 3 Line to Neutral Voltage. Die anderen Werteregister scheinen komplett (L1-L3) und die kWh-Angaben sind sowieso Summenwerte über alle Phasen.
Und damit wird er dir auch nur den Gesamtverbrauch der angeschlossenen Verbraucher zählen - aber nicht was an L1 oder L2 in kWh jeweils verbraucht wurde. Das wirst du allenfalls selbst über dein Smarthome durch auslesen und persistieren der L-1 Leistung (oder L2 Leistung) über die Zeit auftragen und rechnen müssen. Oder die L1 Volt und die L1 Ampere selbst multiplizieren wenn es dir lieber ist.
Wenn du also direkt einen kWh-Wert für den einen Und einen eigenen für den anderen Stromkreis haben willst dann wird der dir diese Werte nicht direkt liefern können. Dafür brauchst du dann getrennte Zähler - wie im Richtigen Leben auch. ;)
Ob die "Meßschaltung" drinnen sich von der in diesem Fall fehlenden Phasenverschiebung zwischen den Außenleitern irritieren ließr und ggf. falsche Werte liefert wäre eine Weitere Möglichkeit die zu klären wäre.
Abhängig von speziellen Netzformen *muß* es vielleicht nicht, aber das ist m.E. die einzig Saubere Lösung.
Bei meinem Zähler kann man zusätzlich den Strom auf dem Neutralleiter abfragen was in einem dreiphasigen Setup ein indiz für Schieflast wäre.
Dazu müsste des Zählers N-Klemmen natürlich zwischen Zuleitung und Sammelschiene sitzen. Auf die Messung der Spannungen gegen Null dürfte das keine Auswirkungen haben, da ist es nur wichtig das N-In angeschlossen ist.
Aber wenn du Eine einzelne Phase auf L1 und L2 rein schickst wirst du auf N immer einen Strom größer Null auslesen - wenn er wie o.g. korrekt angeschlossen ist. im Schlimmsten Fall (L1+L2+L3 gebrückt und volle Last auf allen Kreisen mußt du da mit 3*16 Ampere auf N rechnen da sich das mangels Phasenverschiebung nicht ausmitteln kann. Ob er dafür ausgelegt ist kann man bezweifeln. Damit will ich dir aber NICHT raten den N NICHT durch den Zähler zur Sammelschiene zu führen.
Doch, auf Seite 10 und 11 aber das sind nur Anschlußbilder. Hattest du ein Internes Schaltbild mit allen angaben erwartet?
Die Anleitung verweist da auch auf 3p4w und 1p2w Anschluß und daraus folgt das du mindestens L1 und N anschließen mußt. Vermutlich hängt seine Interne Versorgung da mit dran und nur L2 oder L3 zu nutzen würde ihn außer funktion halten.
Für einen Direkt-messenden (also ohne Wandler) Zähler ein normales Setting.
Aber dann müsste er auch (je zwei) getrennte Klemmen pro Phase mehr haben (für die Stromwandler) und eher so was wie 5/100 A als Angabe.
Bye/ /Kay
A
Axel Berger
Stimmt. Leistungen, Spannungen, Ströme und mehr phasenweise, aber Zähler nicht.
Ja. Ich habe die wie Du logisch ergänzt und die Ausgabe ist die erwartete.
Stimmt. Drei Shelly mini kosten zusammen kaum mehr als der eine Eastron.
Stimmt auch. \0x00E0 oder 30225
M
Marc Haber
Oh ja, da hast Du natürlich Recht. Diese Einschränkung ist mir ja völlig entgangen, und ehrlich gesagt kann ich das auch nicht nachvollziehen, warum man hier gespart hat. Selbst meine "Luxus-Zähler" von der DZG (DVH4013) haben keine pro Phase getrennten Zählwerke, obwohl sie andererseits vier (!) verschiedene Tarifzähler haben.
Das ist ja ein Mist.
Und das ist bei ungleichmäßig betriebenen Lasten wie einem Induktions- oder Mikrowellenherd ungenau. Die Leistung oder der Strom ist ja immer nur ein Schnappschuss des Verbrauchs zum Abfragezeitraum.
Wie schade.
Genau das wäre mein Verdacht.
Selbst ein EHZ hat nur ein Kontaktmesser für N, da wird der N auch nicht durchgeschleift.
Der Zähler ist für 100 A spezifiziert, also müsste er die 48 A auf dem N sogar aushalten, aber dafür sind natürlich die Leitungen nicht ausgelegt, man müsste also ENTWEDER wirklich L1, L2, L3 nehmen oder alle drei Kanäle aus _einem_ LSS befeuern.
Damit war die Idee leider direkt beerdigt.
Ja, oder verschiedene Anschlussmöglichkeiten. Vielleicht gar eine Variante bei der der N nicht durch den Zähler läuft.
Ja, so ist das. Mit L1 und N alleine kann man ihn jedenfalls mal konfigurieren.
Grüße Marc
M
Marc Haber
Aber die passen halt nicht auf eine Hutschiene und können nur WLAN. Dann nehm ich lieber drei Ports des daneben hängenden KNX-Aktors mit Meßfunktion.
Schade, die Idee mit dem übrigen Zähler wäre so schön gewesen. Möchte den jemand kaufen?
Grüße Marc
A
Axel Berger
Vorsicht, der Nennstrom ist 10 A, also 2.3 kW. Ich verstehe das so, daß mehr als das nicht als Dauerlast anliegen sollen. In den Amazon Beurteilungen finden sich auffallend viele Frühausfälle (ein bis zwei Jahre), die meisten beim Einsatz an Wallboxen.
T
Thomas Einzel
der Shelly pro 3EM saldiert IIRC auch, nützt dir wahrscheinlich nichts
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Eventuell ist dir aber mit 1 oder 2 der zwei"kanaligen" Shelly Pro 2 PM
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je Shelly werden die beiden Kanäle über einen Außenleiter versorgt und arbeiten bezüglich Meßfunktion unabhängig von einander, einenen´Pro 2 PM setzte ich @home für WaMa und Trockner ein.
jeweils Hutschiene 1TE, mit eth(!) und WLAN "Zwei Ausgänge, je 16 A. Maximale Gesamtleistung des Geräts von 25 A"
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A
Axel Berger
Gar nicht. Die Antwort bezog sich auf die generelle Aussage "für 100 A spezifiziert". Das gilt kurzzeitig für alle drei Phasen, aber die typische Wallbox mit 22 kW = 3* 32 A mag er wohl nicht sehr, die Hälfte davon wohl auch nicht immer. Mein normaler Haushaltsbedarf kommt selten über 2 kW auf einer Phase und dann eher kurz.
K
Kay Martinen
Ich lese im Verlinkten Dokument was von 30*Imax für 0.01 sekunden was ein 300 Ampere-Peak wäre.
Außer du bezögest dich auf die "Base Current" angabe von 10A AC wobei mir unklar ist was mit dem Kürzel (Ib) gemeint sein könnte.
Außer bei "Minicurrent" der 5% von Ib sein soll (= 0,5A) und der Starting current der 0.4% von Ib (=0,04A) sein soll ist mir da nichts aufgefallen.
Aber ein 100A Zähler der keine 100 Ampere aushielte wäre doch etwas nutzlos oder?
Ist hier nicht viel anders. Ich habe einen Durchlauferhitzer mit AFAIR
21 kW der allerdings eine Leistungregelung hat und so viel nur zöge wenn ich ihn auf maximale Temperatur stellte. Was ich nie tue.
Bye/ /Kay
A
Axel Berger
Ja. Ich verstehe das als Nenn- und zulässigen Dauerstrom.
Er hält sie aus und erfaßt sie korrekt. Aber nach meinem Verständnis der Daten nur kurzzeitig. Wobei "kurzzeitig" nirgends explizit gesagt oder gar definiert wäre. Das Ding ist ein chinesisches Billigprodukt. Für Geld kann man in Deutschland mehr Garantie und wesentlich bessere Dokumentation kaufen. Sollte meiner auch vorzeitig verrecken, wird er nicht durch einen gleichen ersetzt. Bis dahin hoffe ich, die anderen waren einfach überlastet.
Bist Du sicher? Früher waren die an/aus und die Temeperatur wurde über den Durchfluß eingestellt. Im Winter bei kaltem Zulauf habe ich mit meinen 21 kW ständig mit der Abschaltschwelle für den Mindestdurchfluß gekämpft. Das war im Ländlichen, nicht mitten in der Großstadt wo das kalte Wasser in der Erde nie richtig kalt wird.
J
Jan Schmidt
Kay Martinen wrote on 04.10.2024 13:28:
Möglicherweise haben die implizit daran gedacht, dass die maximale Schieflast 4.5kW pro Hausanschluss sein darf. Mehr muss der N nicht vertragen.
K
Kay Martinen
Am 07.10.24 um 20:44 schrieb Jan Schmidt:
Pro Hausanschluß oder Pro Zählstelle? Ich bin da vielleicht nicht up 2 date aber das müßte dann irgendwo (VDE, TAB) festgeschrieben sein.
Nur denke ich das man bei MFH mit überwiegend einphasigen Verbrauchern für das ganze Haus nicht unbedingt in dem Limit bleiben wird. Jedenfalls nicht kurzfristig, eher über längere Zeiträume.
Da der N bei Anschluß und Steigleitungen m.W. maximal eine Querschnittstufe niedriger sein darf als die Außenleiter sollte das kaum ein Problem darstellen.
Und Nach dem Zähler ist es üblich mit 5*6-10qmm die Wohnungen zu versorgen, also vollem Querschnitt. Nur in der Verteilung geht der N dann ununterbrochen direkt auf niedrigere Querschnitte über. Was ja auch daran liegt das man den A. nicht unterbrechen darf/soll und B. Die Außenleiter bei Querschnittänderungen ab zu sichern sind.
Stell dir vor du hättest einen 16A Automaten zwischen 10qmm ankommendem N und der Nullleiterschiene und dann die o.g. Schieflast. ;-)
Bye/ /Kay
J
Jan Schmidt
Kay Martinen schrieb am 07.10.24 um 21:15:
Auf die Schnelle hab ich nur die AR-N 4105 gefunden. Die betrifft allerdings nur Erzeugeranlagen und gesteuerte Verbraucher (Wärmepumpen, Ladestationen z.B.). Dort gibt es im Kapitel Spannungsunsymmetrien die Vorgabe "maximale Leistungsdifferenz zwischen den Außenleitern von 4.6kVA". Die Begründung ist durch EN 50160 (maximal zulässige Höhe der Spannungsunsymmetrie als Produktmerkmal der Netzspannung) angegeben.
Einhalten müssen die das am Netzanschlusspunkt, der lt. Norm vom Netzbetreiber vorgegeben wird. Das kann also irgendwo sein.
Ich würde das jetzt so interpretieren, dass die Spannungs-Unsymmetrie für alle Drehstromverbraucher (E-Herd z.B.) und am Übergabepunkt (Hauptzähler) eingehalten werden muss.
Außerdem muss die Hausinstallation natürlich so sein, dass an jeder Steckdose die Spannungstoleranz (ich glaub +10, -20%) eingehalten wird.
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