Rätselhaftes Auslösen Vorsicherung Zähler

Jul 08, 2025 Last reply: 6 months ago 16 Replies

Hallo Leute, ein Freund hat seit letzter Woche das Problem dass immer mal wieder die Vorsicherungen zu seinem Zähler im Zählerkasten auslösen.



Diese Sicherungen sind vom Typ ABB SHU S 751/3 E 35.



Also 35A-Sicherungen. Die 3 Sicherungen können einzeln auslösen, sind also nicht gekoppelt. Bei den Auslösungen ist keine wirkliche Systematik zu erkennen, mal löst nur eine aus, mal zwei, mal drei. Er meint die Kombination L1 und L3 wären etwas häufiger, die anderen Varianten kommen aber auch vor. Im Sicherungskasten der Wohnung hat jedoch nie eine Sicherung ausgelöst, im Keller auch nicht. Die SHU sind ja selektive Sicherungen, eigentlich sind die so gemacht, dass sie bei einem Kurzschluss verzögert auslösen. Das passt aber nicht zum Fehlerbild. Ein dauerhafter leichter Überstrom wegen schlechtem Gleichzeitigkeitsfaktor wäre zwar denkbar, ist aber irgendwie auch unwahrscheinlich, da völlig unklar ist, wo diese 25kW dann hingehen sollen. Backofen usw. war zum Zeitpunkt der Auslösung nicht in Betrieb, DLE gibt es nicht, Warmwasser wird mit Gas gemacht.



Hat jemand eine Idee, wie man dem Problem auf die Spur kommt?



Michael


Am 08.07.2025 um 20:15 schrieb Michael S.:

Da ich die Anlage nicht kenne, vermute ich Überlast und als Vorsicherung gehört das mit 50 A abgesichert.

Ansonsten scheint  an der Anlag einiges faul zu sein.

Am 09.07.2025 um 00:54 schrieb Friedrich Karl Siebert:

Ich habe zwar auch 50A SHUs vor dem Zähler, aber das ist ein größeres Haus. 35A SHU/SLS sind für Wohnungen oder kleinere EFH durchaus üblich.

Ja - und Ferndiagnosen sind schwierig.

Da nicht nur eine, sondern lt. OP auch "mal löst nur eine aus, mal zwei, mal drei" ist eine einfache Überlast ohne große Lasten im Haus wie z.B. DLE oder EV Lader möglich, aber bei intakter Elektroanlage nicht sehr wahrscheinlich. Kurzschlüsse in Endstromkreisen sollten deren Sicherungen/LS auslösen lassen, aber nicht die auch Kurzschluss-Selektiven SHU/SLS. Nicht einfach.

An den OP:

1)Keine Sicherung/LS aus einem der Stromkreise hat mit ausgelöst? 2)War die Auslösung bei 2 und vor allem bei 3 SHU zeitgleich? Letzteres schafft man nur schwierig durch eine Überlastung in einem oder zwei Wechselstromkreisen. 3)Hat sich eine Elektrofachkraft schon mal die Verteilung ohne Deckel angesehen, ob da z.B. Leitungsisolierungen schon Farbe oder Aggregatzustand geändert haben? ("Sichtprüfung") Falls nicht, das wäre mein erster Rat. Falls das ein Meister mit Plombenzange ist, sollte es sich ggf. alle Teile der Verteilung ansehen. 4)Gibt es eine zeitliche Korrelation mit bestimmten Aktionen im Haus? Bei drei Kochplatten plus Backofen ist mind. ein Außenleiter schon mit geschätzten 25A belastet, mit weiteren Lasten wie eine WaMa und Wasserkocher auf dem gleichen Außenleiter könnte dann schon eng werden. D.h. es könnte auch eine Überlastung durch nicht ganz geschickte Aufteilung der Stromkreise auf die Außenleiter mit "schuldig" sein. Es erklärt aber kaum eine gleichzeitige Auslösung aller drei SHU.

Das sollte sich wirklich eine Elektrofachkraft vor Ort ansehen.

Heutzutage, wo selbst jede Glühbirne getaktet wird, könnte es sein, dass dort zu viele minderwertige Schaltnetzteile am Werkeln sind und sich dadurch der ganze Kram irgendwie aufschaukelt.

MfG hjs

Unwahrscheinlich, schlechte Schaltnetzteile würden den Nullleiter überlasten. Die Sicherungen sitzen aber im Außenleiter, daß heist da müssen schon deutlich mehr als 35 A fließen bevor die auslösen. Im Zeitalter von PFC in selbst den billigsten Schaltnetzteilen heißt daß da ein reeller Verbrauch von mehr als 8 kW zusammenkommen muss ... da sollte einem ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Stromverbrauchsmuster und Auslösen der Sicherung recht schnell klar werden.

Der OP schrieb aber von unreproduzierbaren Auslösemustern aller Vorsicherungen während die LSS nie ansprechen. Der OP hat nicht beschrieben wie Zähler, Vorsicherung und Haussicherungen verbunden sind, aber ich denke die einzige einigermaßen logische Annahme ist, daß die Steigleitung (OP nannte Keller!) zwischen Vorsicherung und LSS-Verteilerkasten defekt ist. Ebenfalls ein Klassiker wäre ein verschmorter Klemmenblock (entweder Sicherungshalter der Vorsicherungen oder im Verteilerkasten). Je nach Temperatur der losen Klemmen abhängig vom fließendem Strom beginnt der verkokelte Klemmenblock zu leiten und Kurzschluß zwischen den Außenleitern ist das Resultat.

Eventuel kann man irgendwo den charakteristischen Geruch von verbranntem PVC orten. Wenn man sich nicht zutraut die Verkabelung, Verteilerkasten etc. selbst zu kontrollieren, dann sollte man dringenst ein Elektriker beauftragen um das zu checken. Sollte ich mit meiner Vermutung recht haben ist die Brandgefahr recht hoch.

Gruß Klaus

Irgendwie klingt das so als ob sich da jemand dazwischen geschaltet hat und Strom "klaut". Nur mal so eine Idee ...

Ist das von der Lage her möglich? Oder fällt das aus weil Einzelhaus?

mfg Jochen

35 A sind 8 kW pro Phase. Selbst bei einem 3 kW Wasserkocher müßte es ein dummer Zufall sein, wenn der etwas auslöst. Ein geschickter Dieb nimmt weniger aber dauerhaft z.B. für eine Pflanzenplantage. Das würde Michael aber bei der Zählerablesung merken.

Am 09.07.2025 um 22:34 schrieb Klaus Bahner:

Ich habe bisher nur remote reingeschaut und konnte folgendes nachvollziehen. Es ist ein Zählerschrank, bei dem die Zähler nicht nur nebeneinander sondern auch übereinander angebracht sind.

Die Plombe am Deckel für die SHU des Freunde fehlt, warum auch immer.

Also: Zuleitung->SHU->Ferraris-Zähler-> Klemmblock. An diesem Klemmblock hängt die Steigleitung aber auch wenige Sicherungen für den Keller (auch die hatten nicht ausgelöst).

Ja, angebohrt oder so. Ab und an zündet der Lichtbogen und dann sind die Sicherungen draußen. Ist auch mein Favorit. Würde sich vermutlich darin äußern, dass das jetzt immer schlimmer wird.

Kann man sowas geziehlt suchen und orten? Wenn die Steigleitung im Leerrohr liegt, könnte man sie einfach raußziehen, sofern nicht ein Dübel mittendurch geht, der da nicht sein sollte.

Für einen echten Kurzschluss zwischen beliebigen Phasen kann ich mir das nicht richtig vorstellen.

Ja, werde im die Dringlichkeit nochmal nahelegen.

Michael

Am 12.07.2025 um 07:11 schrieb Michael S.:

Die sind übrigens oft weniger problematisch als 1phasige, zumindest wenn sie ihre Last symmetrisch aufteilen.

das macht Kurzschlüsse in den abgehenden Stromkreisen unwahrscheinlicher

empfehle ich mit Notizen von Zeit und Umständen zu dokumentieren

Ich meinte den Teil mit den FI/LS/Sicherungen (Verteilerfeld des Zählerschrankes) für die abgehenden Stromkreise. Nicht den Teil "wo die Plombe fehlt" - der netzseitige Anschlussraum. Die fehlende Plombe wird dem VNB/MSB übrigens gar nicht gefallen....

Vermutlich werden einige der hier gestellten Fragen nochmals gestellt. Das o.a. Verteilerfeld sollte IMO zeitnah einer Sichtprüfung unterzogen werden.

Wenn sonst nichts auffällig ist, würde ich empfehlen mit der Elektrofachkraft eine Änderung der Zuordnung der abgehenden Stromkreise auf die drei Außenleiter zu besprechen. Aber wie schon gesagt, erklärt eine einfache (1phasige) überlast kaum das auslösen aller drei SHU/SLS.

Kann ein Elektriker neben Sichtprüfungen auch mit Isolations- und Impedanzmessungen recht gut abschätzen, die Messgeräte dazu hat er kann und darf auch die NH Sicherungen ziehen, damit die Einspeiseleitung spannungsfrei für die Messungen ist. Er kann und darf es auch wieder verblomben, die erwähnte fehlende Plombe könnte problematisch werden.

Das halte ich für wenig zielführund, die Anlage sollte IMO dringend überprüft werden.

Wäre schön, wenn du danach in den Thread posten würdest, woran es lag.

Am 12.07.25 um 07:21 schrieb Michael S.:

Das heißt dann wohl das der Raum mit den Zählern und Schaltern von jedem Mieter betreten werden kann. Und lt. ABB Seite zu dem Gerät kann man den SHU selbst auch in Ein und Aus-Position Sperren (ohne Automatisches Auslösen zu blockieren) aber ich habe das so verstanden das nur an der Abdeckung drumherum eine Plombe fehlt - und am SHU selbst vermutlich nie eine war. Sind die in dem Schrank eigentlich direkt erreichbar?

Zählerschränke früher (Hager u.a.) waren gern mal mit einem Deckel verschlossen (FR-AP Version) so das man durch Klappen nur an das Kundenfeld (abgehende Automaten) kam - aber nicht an die Vorsicherungen. Der Ab zu hebende Deckel selbst hatte dann oft eine Plombe.

Wenn das jetzt bei deinem Freund NICHT so ist, dann rückt die Annahme Dummerjungenstreich wohl in der Wahrscheinlichkeit höher.

Wenn das also einer diese Blech-gekapselten Isolierstoff-Schränke ist bei den man nur die Tür öffnen muß und an alles (Kundenfeld, Zähler, Vorsicherungen unter Plastikappe/Plomben) ran kommt. Und letztere Fehlt bei ihm, wie du schriebst.

Dann müßte man statt der GoPro eher eine Versteckte Kamera mit Bewegungs-sensor aufstellen um den DummenJungen zu stellen. Oder die KriPo müßte Fingerabdrücke an der Tür sicherstellen und mit allen im Haus vergleichen. Auf welcher Verdachtsbasis könnte das wohl gelingen? Eher nicht, oder?

Versteckte Kamera in Öffentlichem Bereich ist m.W. aber auch illegal. Das müßte bestenfalls vom Hauseigentümer veranlaßt werden und nur für begrenzte Zeit. Vermutlich auch mit Informationspflichten verbunden. Was heißt das es jeder Weiß und in der Zeit evtl. nichts passiert - oder eben DOCH! = Diagnose durch Ausschluß.

Wie Teuer oder Invasiv ist es diese Feststellungen zu treffen - oder die Steigleitung durch zu messen. Wenn die in Ordnung ist muß man eh woanders suchen.

Bye/ /Kay

Bei uns sind die drei Schalter vor dem Zähler frei zugänglich. (Die Schalterwippe, die Kabel dahinter natürlich nicht und verplombt.) Ob das jetzt reine Schalter sind oder auch Sicherungen müßte ich nachsehen.

Ich war froh darüber. Ich habe in meinem Feld den in Köln vorgeschiebenen Hauptschalter für die Leitung nach oben ausgebaut. Unten habe ich einen -- bei den anderen Wohnungenn für Keller und Waschküche nicht vorhandenen -- FI nachgerüstet, drei weitere Sicherungen (auf jetzt sechs), einen Zwischenzähler für den Kellerverbrauch und ein Hutschienennetzteil für die Leseelektronik. Damit ist der Platz komplett aufgebraucht. In der Unterverteilung oben sitzt ein Hauptschalter als erstes vor den drei FI.

snipped-for-privacy@einzel.de (Thomas Einzel) schrieb:

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snipped-for-privacy@point.xnc.com%3E>

ersatzweise:

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kurzes Update: Seit das Wetter wieder kühler ist, ist das Problem nicht mehr aufgetreten.

Er wartet jetzt mal ab. Ob das sinnvoll ist, brauchen wir hier nicht diskutieren.

Michael

Am 24.07.25 um 20:29 schrieb Michael S.:

Gibt es Erinnerungen/Daten ob es vor der Abkühlung eine höhere Luftfeuchtigkeit gab? Wenn das Problem bei weniger Temperatur schwindet könnte es indirekt mit Feuchte zusammen hängen, und mit deren Leitfähigkeit die vielleicht an einem Defekten Hauptkabel zutage tritt.

Das würde aber auch darauf hindeuten das dies Kabel nicht Unterputz oder im Estrich liegt sondern da wohl die Luft auch dran kommt. Ließe sich evtl. durch Sichtkontrolle, Schnüffeln oder mit einer IR-Kamera prüfen.

Andernfalls müßte man annehmen das es in einer Feuchten Wand oder im Estrich liegt und dort Wasser eindringen könnte. Aber bis das verdunstete wird es auch eine größere (Zeitliche) Verzögerung geben.

Wenn ich richtig Erinnere gab es außer den SHU Sicherungen keinen vorgeschalteten FI oder? Daraus wäre zu folgern das alle drei Phasen wahllos auch gegen Null oder Erde Leitfähiger wären.

Allerdings sähe ich ein Problem bei den hierbei auftretenden Leistungen nach deiner Beschreibung. Die müßten am Schadensort ja fast schon einen Krater produzieren oder ähnlich drastischeres. Das Knallen, Blitzen oder Hitzeentwicklung beim Abschalten noch nicht aufgefallen sind ist kaum zu glauben.

Bye/ /Kay

Am 08.07.2025 um 20:15 schrieb Michael S.:

Nochmal ein spätes Update:

Im Sommer wurde dann noch vor dem Zählerkasten eine Kamera angebracht. Seither keine Auslösung mehr.

Michael

Am 04.01.2026 um 18:27 schrieb Michael S.:

Es war somit vermutlich kein technisches Problem?

Am 04.01.2026 um 20:22 schrieb Thomas Einzel:

Es ist leider nur diese Korrelation bekannt.

Uns ist ja hier in der Gruppe auch keine plausible Erklärung eingefallen. Technisch hat das Fehlerbild einfach wenig Sinn gemacht.

Michael

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