> Ja, weiß ich, zumindest ungefähr. Eine USV in diesem Zusammenhang ist nicht
>> das, was der Name impliziert, denn sie stellt lediglich sicher, daß der
>> Zeitraum zwischen Stromausfall und Anlaufen des tatsächlicchen
>> Notstromsystems überbrückt wird, ohne daß es zu einem Aufall der Endgeräte
>> kommt.
>
> ack. Und das ist bei einer zentralen Lösung (z.B. einem in sich
> geschlossenen Rechenzentrum) auch gar kein Problem. Aber hast du eine
> Vorstellung davon, wieviele für sich autark arbeitende Systeme in der
> Sende-Kette zwischen der Kamera und dem TV-Zuschauer hängen?
Ja, habe ich.
Weswegen ich auch schrieb:
|Und genau das darf einfach nicht sein. Irgendeiner der Schlipse hat wohl den |Tech-Jargon nicht ganz verstanden und irgendeinen kritischen Teil in der |Redundanzkette dem Rotstift geopfert.
Vor dem Aufbau der Komplexität unter der Maßgabe der Qualität kommt die Konzeption der Ausfallsicherheit. Das soll und muß oberste Maßgabe sein; alles andere ist Kinderkram angesichts einer internationalen Real-Time- Veranstaltung.
> > In der Praxis verwenden grosse Playout-Zentren daher redundante
>> > Uplink-Stationen, die geographisch getrennt stehen.
>>
>> Das hat aber nichts mit der Leistungsaufnahme zu tun.
>
> nein.
Schön, daß wir das geklärt haben. Ein wenig Kenntnis von HF-Technik reichen aus, um zu wissen, daß man keine Leistung im KiloWatt-Bereich (Wir reden nicht von ERP, wohlgemerkt) benötigt, um einen Satelliten mit ausreichender Signalstärke, auch bei breitbandigen Signalen, zu versorgen.
Aber es zeigt, dass man das Problem in der Praxis lieber mit
> grossräumiger Redundanz begegnet, als mit einzelnen USV-Lösungen. Eine
> USV fängt nur einen kleinen Bruchteil der möglichen Ausfall-Gründe ab.
Falsch.
Eine USV fängt genau den EINZIGEN Ausfallgrund ab, den es in stromversorgungstechnischer Hinsicht geben kann:
Stromausfall.
Und zwar den Stromausfall, auf den man aus netztechnischer Sicht keinen Einfluß hat.
Wenn man schon Geld für Backup-Lösungen in die Hand nimmt, dann
> entscheidet man sich lieber für universelle Lösungen, die alle möglichen
> Ursachen erschlagen.
Blödsinn. Man geht ausschließlich kaskadisch vor, arbeitet sich vom "Worst Case Scenario" (Hint: Stromausfall) hinab zum "Acceptable Failure" vor und hat entlang der Strecke Szenarien erarbeitet, die sicherstellen, daß die Ausfallverluste auf dem jeweiligen Level minimiert oder gar eliminiert werden können.
Wenn ich ein zweites Playout-Center betreibe und
> jederzeit das Signal umswitchen kann, dann ist es mir ziemlich egal, ob
> das primäre Sendezentrum durch einen Blitzschlag, Hochwasser, Sturm,
> Feuersbrunst oder ein Erdbeben ausgefallen ist.
Bullshit.
OK, ich konzediere: Das "Worst Case Scenario" ist nicht der Ausfall EINES Sendezentrums, sondern der millisekundenzeitgleiche Ausfall ZWEIER als jeweils redundant ausgelegten Sendezentren durch den identischen Ausfallgrund.
Wie absurd die Annahme dieses Szenarios ist, sollte die vorscihtige und wiederholte Lektüre dieses Satzes an sich zeigen. Nebst der Tatsache, daß man von vornherein eben nicht so geplant hat.
Ich schalte dann
> "einfach" von Playout A auf B um, und schon gehts weiter.
Ja, klar. Ich baue zwei identische Sendezentren auf, von denen ich weiß, daß nur eins in 99,999% der Fälle überhaupt im Betrieb sein wird, weil ich mir dann die tatsächlich risikoanalysierte Konzeption sparen kann, denn ich erschlage alles mit der Redundanz.
Hirntot ist so ungefähr das Wort, das mir in dem Zusammenhang als mildernder Umstand bei der abschließenden Beurteilung einfallen würde.
In der Praxis
> wird das natürlich auch nicht ohne eine kurze Unterbrechung möglich
> sein, aber je nachdem wieviel KnowHow und Geld man aufwendet, kann man
> dadurch einen schnellen und relativ schmerzlosen Workaround schaffen.
Wir reden hier nicht von einem dümmlichen Würgaround, sondern von einem klar definierten (gewollt und als solches konzipierten) Szenarios eines "Single Point of Failure" in Wien.
Und bei dem muß man dann einfach die kaskadierte Risikobetrachtung annehmen, und die war in diesem Fall, um es gelinde auszudrücken, auf eine österreiche Lösung abgestimmt, vulgo "Geh, des passt scho".
Wenn schon bei der SPOF-Konzeption die Minimalanforderung, sprich redundante USV bis Anspringen der eigenen Notstromversorgung, nicht gegeben ist, dann wäre sie konzeptionell auch bei der Overkill-Lösung von zwei identischen Setups auf die Fresse gefallen.
Es sei denn, der Schwyzer hätte kurz "Hah?" geschrien und es von vornherein richtig gemacht.
Dass ein zweites Playout für die EM wohl den Budget-Rahmen gesprengt
> hätte, kann sich jeder vorstellen, der auch nur in etwa weiss, was > soetwas kostet.
Und unter der Maßgabe der identischen Konzeption wäre der Dreck immer noch auf die Fresse gefallen, hätte allerdings dreimal soviel gekostet (Wer jetzt auf doppelt soviel gehofft hat, sollte BWL nochmal nachstudieren).
> > D.h. im Falle ein
>> > (Strom)-Ausfalls wird das Signal über ein anderes Playout in einer
>> > anderen Stadt abgewickelt. Nur diesen Aufwand eines zweiten IBC wollte
>> > die UEFA wohl nicht treiben... und somit gab's nur Wien. Und wenn in
>> > Wien auch nur ein einziger kleiner Steuerrechner keinen Strom hat, dann
>> > gibts eben kein Bild.
>>
>> Und genau das darf einfach nicht sein. Irgendeiner der Schlipse hat wohl
>> den Tech-Jargon nicht ganz verstanden und irgendeinen kritischen Teil in
>> der Redundanzkette dem Rotstift geopfert.
>
> Du gehst anscheinend davon aus, dass alle beteiligten Glieder der
> Sende-Kette in der Entscheidungsgewalt eines einzelnen Entscheiders > liegen.
Nein, ich gehe offensichtlich nicht davon aus, sondern halte es für die einzige Möglichkeit, so etwas reibungsfrei hinzubekommen. Daß derjenige ein gewisses Maß an Kompetenz mitbringt, sollte bei einer millionenschweren Veranstaltung eine Selbstverständlichkeit sein.
Ja, ich weiß, ich bin Idealist.
Dem ist aber erfahrugnsgemäss nicht so. Wir sprechen hier von
> einer Vielzahl von autark betriebenen Systemen, die jedes für sich von
> den jeweiligen Betreibern gegen Ausfälle abgesichert werden müssen.
Das ist unrichtig.
Wir reden hier von einen zentral verwalteten System der UEFA, die extrem großen Wert daruf gelegt hat, eigene Infrastrukturen zu schaffen, um die zentrale Vermarktung nicht zu gefährden und absolute Kontrolle darüber zu haben, was mit der ganzen Wertschöpfungskette der Verwertungsrechte erwirtschaftet wird.
In diesem konkreten Fall war z.B. nicht nur das Playout für das
> World-Signal gestört, sondern auch der Astra-Uplink des ORF in Wien.
> D.h. selbst wenn die UEFA ihr IBC mit USVs in den Griff bekommen hätte,
> hätte es immernoch an am Satelliten-Uplink des ORF gehakt.
Das ist ein ORF-Problem, nicht aber das grundsätzliche Problem. Daß die UEFA ab einem bestimmtem Punkt die Kontrolle aus der Hand gibt, und zwar bevor sie ihre tatsächlichen Endkunden mit dem Produkt erreichen, ist lediglich ein Anhaltspunkt dafür, daß die UEFA in vielerlei Hinsicht ein technisch den Anforderungen an einen internationalen Event nicht gewachsener Laden ist.
Ich setze mal Follow-Up in eine technische Gruppe, weil mich das Ganze aus vielerlei Hinsicht schon sehr faszniniert und gerne den Kopf gerdegerückt bekommen würde, sollte ich da irgendwas fundamental mißverstanden haben.
Peter Lemken DF5JT
0711