Schnee auf Dächern

Jan 11, 2006 19 Replies

Hallo,



durchs Schauen auf die verschneiten D=E4cher bin ich auf folgende zwei Fragen gekommen:


1=2E) L=E4sst man die Statik au=DFer acht und betrachtet nur die W=E4rmebilanz, ist ein verschneites Dach (bessere Isolation des W=E4rmeverlusts durch Schneedecke) oder ein schneefreies Dach (h=F6here Aufheizung durch Absorption des Sonnenlichts) vorteilhafter? Gibt es hier im Baugewerbe bzw. der Bauphysik eine "Grundregel"?


2=2E) Betrachtet man nebeneinanderliegende D=E4cher mit fast gleicher Neigung und gleichem Einfallswinkel der Sonneneinstrahlung in z.B. einer Einfamilienhaussiedlung stellt man fest, dass manche schnell schneefrei werden, w=E4hrend andere lange zugeschneit bleiben. Da auch die Schattenverh=E4ltnisse bei Einfamilienh=E4usern bei wenigen umliegenden B=E4umen (im Winter) und die Windverh=E4ltnisse meines Erachtens meist vergleichbar sind, w=FCrde mich interessieren, ob es zu diesem Sachverhalt der Schneebedeckung auch allgemein g=FCltiges zu sagen gibt? Ist das Heizverhalten im Haus oder das verwendete Ziegelmaterial ausschlaggebender f=FCr die Schneedecke am Dach? Gibt es andere Faktoren f=FCr die Schneebeckung und ist darunter ein "Hauptfaktor"?



Mir ist klar, dass manche D=E4cher Schneef=E4nger aufmontiert haben; diese sind meines Wissens zur Verhinderung von Dachlawinen gedacht. Dass solche Schneef=E4nger in 2.) ein Faktor sind, ist klar. Allerdings w=FCrde mich bei 1.) interessieren, ob die Schneef=E4nger neben der Lawinenvorsorge auch energetisch Vor- oder Nachteile bringen.



Mit besten Gr=FC=DFen, Bernhard



Bernhard Bayer schrieb:

Meines Wissens k=FCmmert man sich um eine gute Dachisolierung. Sie sorgt im Sommer daf=FCr das sich die R=E4ume unter dem Dach nicht zu sehr aufheizen und im Winter nicht zu sehr ausk=FChlen.

Eine Schneedecke kann unter gewissen Voraussetzungen die Gesamtisolation verbessern. Insbesondere dann, wenn das Dach schon so gut isoliert das die Schneedecke nicht schmilzt, die Au=DFentemperaturen deutlich im Celsius Minusbereich liegen und ein starker Wind weht.

Der Hauptfaktor ist die W=E4rmeisolation des Hauses bzw. Daches. Dies ist gut zu beobachten. Eine M=F6glichkeit die Isolationsqualit=E4t zu beurteilen sind sog. W=E4rmebildaufnahmen.

Das h=E4ngt von den oben genannten Faktoren ab. Ich w=FCrde mal raten das diese Schneef=E4nger im Allgemeinen energetisch weder gro=DFe Nachteile noch Vorteile bringen. Jedoch lasse ich mich gerne auch eines Besseren belehren. =20

Mit besten Gr=FC=DFen Stefan

stefan sprungk schrieb:

Ich habe keine Ahnung wie "Schneefänger" aussehen aber, energetisch betrachtet dürften diese eher nachteilig sein (fraglich ob das eine Wirkung hat) denn Luft- strömungsbrecher erzeugen Turbulenzen die natürlich auch einen besseren Wärmeübergang erzeugen als laminare Strömung (Wind). Energetisch ist also ein glattes Dach besser um die Wärme drin zu behalten.

beste Grüße Matthias

Hallo,

Dächer ohne oder mit weniger Wärmedämmung sind schneller schneefrei. Eine Aufheizung des Daches durch Sonneneinstrahlung bringt wenig, die Dämmung verhindert das. Weil Dämmung auch unterschiedlich verlegt ist wirst Du beim Tauen unterschiedliche Zonen der Bedeckung feststellen. Z.B. sieht man das hier an manchen Doppelhäusern sehr deutlich. Dort wurden die Mittelwände gar nicht oder nur wenig gedämmt und diese Fuge ist sehr früh Schneefrei.

Gruß Adrian

hallo,

Bernhard Bayer schrieb:

das ist ganz einfach: rate doch mal, wieso der Schnee auf dem einen Dach schmilzt und auf dem anderen nicht. Kleiner Tip: schmilzt er von oben oder von unten ?

viele Gr=FC=DFe Werner

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Hallo,

stefan sprungk schrieb:

im Alpenraum und im Schwarzwald (und vielleicht auch in anderen Mittelgebirgsregionen Deutschlands?) mit höherer Schneemenge als im Bundesdurchschnitt haben die traditionellen beheizten Gebäude eher gering geneigte Dächer, um die Dämmwirkung des Schnees im Winter nutzen zu können und um die Gefahr von Dachlawinen zu verringern, habe ich mal gehört und es klang auch vernünftig. Die stärkere Tragkonstruktion (als beim steileren Dach mit geringerer Schneelast)für das Dach nahm man gern in Kauf. Ich denke, dies lässt sich auch in schneereichen ausländischen Regionen belegen.

Stefans besten Grüßen schließe ich mch gern an Georg

HAllo

Bernhard Bayer schrieb:

meist ist es so, daß schnell schneefreie Dächer schlecht Wärmeisoliert sind. Oft erkennt man einen deutlichen Unterschied zwischen eizelnen Dachräumen oder zwischen "der Fläche" und dem Dachüberstand.

Umgekehrt muß aber nicht jedes Dach auf dem der Schnee lange liegen bleibt gut isoliert sein. Manche Gebäude werden nicht beheizt (Garage, Stadel) ...

Robert

Vorteilhafter *wofuer*? Wie so oft ist die Antwort: "Es kommt darauf an." Hier im Speziellen darauf, was unter dem Dach ist: welche Art und Qualitaet von Isolation, was fuer eine vorgesehene Nutzung, und welche sonstige Klimatechnik.

Am vorteilhaftesten ist zweifellos eine Loesung, die dem Nutzer des Gebaeudes die Wahl ueberlaesst, ob Waerme durchs Dach stroemt oder nicht. Also z.B. ein stark isoliertes Dach mit einem Sonnenkollektor darauf, den man an die Hausthermik anschliessen oder davon abkoppeln und ggf. sogar noch die Waerme-Transportrichtung umkehren kann. Sprich, man koennte, wenn es einen in den Fingern juckt, den Kollektor mit Warmwasser frei schmelzen, und ihn dann von der Sonne bescheinen lassen.

Bei halbwegs modernen Daechern ist die Isolation unter den Ziegeln nahezu immer so gut, dass es in Punkto Waermeleitung voellig egal sein duerfte, ob da noch isolierender Schnee drauf liegt oder nicht. Nur deshalb bleibt er ja ueberhaupt so lange liegen, obwohl unter dem Dach geheizt ist.

Dazu sei dir gratuliert. Dein Intelligenzquotient dürfte den der hier so üblicherweise postenden, um eine Zehnerpotenz überragen;)

Es gibt keine Grundregel. Schnee ist nicht der Normalfall, also hat es wenig Sinn, sich darüber gross quantitative Gedanken zu machen. Schnee, wenn er einigermassen trocken ist, isoliert. Je nach Dachkoinstruktion verliert ein Gebäude mehr oder weniger Wärme durch das Dach. Da bring Schnee eine sehr geringe Einsparung.

Bei gleicher Bauweise kommt es auf die Temperatur der Räume unterm Dach an. Allerdings kann die Wärmeisolierung bei Häusern verschiedener Bauherren unterschiedlich sein.

Nicht dass ich wüsste. Wäre vielleicht ein Thema für eine Dissertation?

Hauptsächlich kommt es dabei auf die obere Wärmedämmung an. Bei einem Kaltdach (das ist eine spezielle Konstruktionsart) wird die Dachhaut (zB Dachziegel) bewusst kalt gelassen, damit keine Eiszapfen (fast immer ein Baufehler) entstehen und kein Rückstauwasser hinter die Zielgel gelangt. Dazu wird eine durchgehende Hinterlüftungsmöglichkeitt von der Traufe bis zum First baulich hergestellt.

Es geht nur um die Sicherheit von Menschen. Schneefänger werden (meist) nur dort angebracht, wo der Eingang ist, oder wo ein Weg antlang des Hauses führt. Die energetische Auswirkung, wie du sie meinst, wird mW überhaupt nicht in Betracht gezogen.

h

Hallo, Bernhard Bayer

Ein gut gedämmtes Dach sollte relativ lange schneebedeckt bleiben, wenn die Dachneigung das zuläßt.

Wenn bei einem flach geneigten Dach der Schnee merklich schneller abtaut als bei umliegenden, ähnlich Dächern, dann ist der Wärme- verlust hier höher.

Der Gewinn durch Absorption der Sonneneinstrahlung ist dem gegenüber wesentlich kleiner. Zudem wirkt das von ungünstiger Seite - also von oben nach unten - und auch das nur stundenweise.

Allgemein: S.o.

Ansonsten kommt natürlich immer alles auf den Einzelfall an.

Eine ungeheizte Scheune bleibt auch schneebedeckt...

Ja.

Kaum.

Neben rein mechanischen Faktoren wie Dachneigung, Wind oder Oberflächenrauhigkeit ist natürlich die Oberflächentemperatur der Dachfläche maßgebend.

Die muß über 0 Grad liegen. Außentemperatur ist bekannt. Innentemperatur ist bekannt. Wärmeübergangswiderstand innen und außen auch so ungefähr.

Daraus kannst Du den Wärmedurchgangswiderstand der Dach- dämmung [Näherungsweise] ausrechnen.

Ja. Je nach Örtlichkeit können die auch vorgeschrieben sein.

Marginal. Durch den Schnee steigt zunächst mal der Wärmedurch- gangswiderstand und ggf. auch der Wärmeübergangswiderstand leicht an. Bei starkem Frost wirkt die Schneedecke also günstig. Kennt man ja auch vom Iglu.

Bei steigenden Temperaturen ist auch klar, daß er ungünstig wirkt. Zumindest ein Teil der Schmelzwärme wird ja vom Haus bezogen.

Insgesamt schätze ich mal, daß die Schneepahse deutlich länger dauert als die Tauphase. Somit kann man davon ausgehen, daß Scheefänge eher Energie sparen als daß sie welche verschwenden.

Ob sich dadurch der Anschaffungspreis irgendwann mal amortisiert, steht auf einem anderen Blatt.

Allerdings ist man geneigt, auch einen gewissen Mehrverbrauch an Energie zu zahlen, wenn man mal eine ordentliche Dachlawine ab- bekommen hat.

Ich war heute bei einem Kunden in Oberösterreich.

Einer der ersten der in Österreich Sonnenenergie einsetzte.

Haus 1: Komplett schneefreier Sonnenkollektor. Liefert 62 Grad in den Bufferspeicher.

Unterhalb des Sonnenkollektors ist ein Blechstreifen, auf dem der Schnee leicht rutscht.

Nordseite vom Haus rund 0,5 m Schnee am Dach.

Bei anderen Häusern war nur anhand von Wellen im Schnee erkennbar, daß da unter dem Schnee ein Kollektor ist.

Baufehler: Unterhalb vom Kollektor sind Dachziegel Dachziegel sind wahre Schneestopper.

In der Früh als ich bei Ihm ankam, zeigte das Thermometer von meinen Auto dort -15 Grad an.

Bei einem Stall ist auch ein schneefreies Dach aufgefallen. Das Dach vom Stall ist praktisch nicht wärmegedämmt.

Die Abwärme der Rindviecher hat den Schnee am Dach zum Abrutschen gebracht.

Bei Haus 1 sollte man pr=FCfen ob ein Installations- / Regelungsfehler vorliegt, behufe dessen die Kollektoren aus dem Pufferspeicher beheizt werden. Also der Kreislauf nicht unterbunden wird wenn die Kollektoren k=E4lter sind als der Speicher. Wobei das Abtauen der Oberfl=E4che mit nachfolgendem Schneerutsch und Betriebsaufnahme der Kollektoren durchaus eine positive Energiebilanz haben kann. Aber Abtauen gezielt am fr=FChen Vormittag. Allerdings kenne ich keine Regelung die sowas draufhat.

Sind es wirklich die selben Kollektor- und Regelungstypen? Je nach Oberfl=E4che und Tr=E4gheit der abendlichen betriebseinstellung kann es n=E4mlich zum Tauen des Schnees und folgendem Gefrieren des Wassers auf der Oberfl=E4che kommen. Darauf baut sich dann eine hervorragend haftende Schneedecke ohne jede Lawinengefahr auf.

Walter

Georg Matejko schrieb:

ich glaube, da hast Du was nicht ganz richtiges gehört, zumindest für den Schwarzwald. Die traditionelle Bauform der Höfe hier im Schwarzwald (Stichworte: Eindachhof, »Heidenhaus«) hat ein gänzlich anderes Winterkonzept als das von Dir beschriebene.

Die Dächer sind eher steil (45 Grad und mehr), je nach Region früher mit Stroh (niedrige und halbhohe Lagen) bzw. Holzschindeln (hohe Lagen) gedeckt. Letzteres ist eine ideale Schneerutschbahn. Der winterliche »Wärmeschutz« wurde eher durch den inneren Aufbau erzielt. Die Höfe sind ja fast immer am Hang gebaut, im »EG« befand sich Stube, Küche, Wirschaftsräume, Stall, darüber die Schlafkammern, teilweise auch über dem Stallbereich. Über eine bergseitige Einfahrt im ersten oder gar zweiten »OG«, bzw. im ersten »DG« das Heu gelagert, darüber waren dann die Trockellagerräume für die Frucht.

Die Dächer selbst sind als Windschutz sehr weit heruntergezogen, verschiedene Walmformen sind ebenfalls ein entsprechender Hinweis. So ein Hof besteht, je nach Standpunkt, teilweise ja nur aus Dach. Da gibt es viele lokalräumliche und zeitliche Varianten was Größe und innere Struktur angeht (z.B. Wohnteil tal- bzw. bergseitig).

Diese hohen und mächtigen Dächer sind auch nicht als geschoßweise Fachwerkkonstruktion erstellt, sondern haben i.d.R. ein Traggerüst aus sogenannten Hochsäulen, meist drei Längsreihen von der Haussohle bis zur Pfette durchreichenden Fichten- oder Tannenhölzer, kombiniert mit diversen Formen liegender Dachstühle, teilweise ziemlich wilde Konstruktionen und Querschnitte.

Bauliche Verwandschaften zum Alpenraum sind ehr nur im Bereich Schweiz und Vorarlberg anzutreffen. Sehr schön sieht man die Unterschiede bei einer Fahrt über den Arlberg oder die Biehlerhöhe (Silveretta) nach Tirol.

Mit Gruß vom schönen Titisee

#> Haus 1: Komplett schneefreier Sonnenkollektor. #> Bei anderen Häusern war nur anhand von #> Wellen im Schnee erkennbar, daß da unter dem #> Schnee ein Kollektor ist.

#Bei Haus 1 sollte man prüfen ob ein Installations- / Regelungsfehler #vorliegt, behufe dessen die Kollektoren aus dem Pufferspeicher beheizt #werden. Also der Kreislauf nicht unterbunden wird wenn die Kollektoren #kälter sind als der Speicher.

Bestimmt nicht.

Haben dann im Keller die Regeltechnik besichtigt. Mein Kunde enthüllte dabei so ganz nebenbei einer seiner Entwicklungen.

Mit 2 Stellmotoren und 2 Fünfwegventilen ein Bufferspeichermanagement mit Speicher laden und entladen in 4 verschiedenen Höhen

Hallo noch einmal,

Thomas Borghoff schrieb:

Danke für die Aufklärung, hast Du vielleicht auch Links zu Bildern, um das Erläuterte anschaulich zu machen?

Grüße Georg

Georg Matejko schrieb:

Hab mich selbst mal kurz umgesehen:

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Die zeigen zum Teil, was Du erläutertest, leider sind Bilder zur inneren Struktur nicht so ganz schnell zu finden.

Hatte die Häuser zwar auch mit der "Dachkappe" in Erinnerung, jedoch nicht so steil.

Wie sehen traditionelle Häuser in den Alpen, im Harz etc. (Gebirge, eher schneereich) aus? Sind die Dächer eher flach oder eher steil? Nutzte man mittels geringer Neigung die Dämmwirkung des Schnees, als noch keine modernen Dämmstoffe mit sehr geringer Wärmeleitfähigkeit verwendet wurden?

Bin neugierig, was ich noch lerne.

Georg Matejko schrieb:

[...]

peinlicherweise nicht, wenn Du mal wieder in eine gutsortierte Bibliothek gerätst:

Schilli Hermann, Schwarzwaldhäuser Schnitzer Ulrich, Schwarzwaldhäuser

Beim Aufschlagen mußte ich gerade wieder weinen ;-)

Bild aus ersterem per PM an Dich.

Mit Gruß vom schönen Titisee

Georg Matejko schrieb:

[...]

Zu den Alpen kann ich noch ergänzen, daß auch die Dachdeckung natürlich die Dachneigung bestimmt. Zumindest dort, wo diese beispielsweise mit schiefrigen Gesteinen (z.B. schiefrigem Gneis) gedeckt wurde.

Anders als bei Sandstein (z.B. Weserbergland, Solling) oder Tonschiefer lassen sich darin auch nur schwerlich Löcher für eine Nagelung schlagen, weshalb die Dächer dann sehr flach ausfallen.

Gruß

Georg Matejko schrieb am Donnerstag, 12. Januar 2006 18:26:

Zum Harz kann ich sagen, dass die Dächer historischer Bauten eher steil (zum Teil 2 oder mehr Dachgeschosse / Lagerböden) sind. Dachdeckung zumeist mit Ziegel. Zur Wärmedämmung, Windschutz und gegen Flugschnee wurde meist unter der Dahdeckung eine Holzschalung angeordnet (auch "Harzer Doppeldach" genannt). Giebelseiten und zum Teil auch andere Wandbereiche mit Holzschalung verkleidet.

HTH Steffen

mir kommt zu schnee halt anderes in den sinn.

würde das etwas machen?

us

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