Einfluss des Stromhandels auf die StabilitÀt der Netzfrequenz

Ich habe schon frĂŒher den Hinweis auf http://www.netzfrequenzmessung.de/aktuelles.htm gegeben, um zu sehen wie die Netzfrequez so aussieht.
In dem Artikel http://www.heise.de/tp/artikel/37/37991/1.html ist jetzt ein Hinweis auf einen Artikel der das PhÀnomen nÀher analysiert: http://www.sonnenenergie.de/sonnenenergie-redaktion/SE-2012-06/Layout-fertig/PDF/Einzelartikel/SE-2012-06-s032-Energiewende-Die_Netzfrequenz.pdf
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Emil Naepflein schrieb:

Das ist alles nicht neu. Diese Abweichungen zum Stundenwechsel sind seit langer Zeit bekannt, ebenso die GrĂŒnde dafĂŒr. Nur hat der Netzbetreiber keinerlei Handhabe, dagegen vorzugehen. Und die HĂ€ndler kĂŒmmert es einen Sch***. Das sind BWLer, keine E-Techniker. Leider. Allerdings kommt da noch eine Unbekannte ins Spiel: die Einsatz- optimierer der Kraftwerke, also die, die den Arbeitspunkt jedes einzelnen Blocks zur vollen Stunde ermitteln und an den KW-Park weitergeben. Es wĂ€re einfach, eine 10min-Rampe zu fahren, um der Frequenz zu helfen. WĂ€re, ja. Aber lieber drĂŒckt man zur vollen Stunde auf den Knopf...ist halt einfacher. Man muss nicht rechnen oder $Chef erklĂ€ren, warum $KW bereits 5min vor der Zeit seinen AP erreicht hat (was das wieder kostet...), oder $KW erst 5min nach der Zeit am AP war (naja, ha'm 'mer was eingespart, argl.... verschiedene Brennstoffe, wie soll'n wir das verrechnen??)
VG Jörg
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Am 30.11.2012 21:43, schrieb Joerg Bradel:

Da wĂ€re ich mir nicht ganz so sicher. Er könnte ja evtl. auch als StromhĂ€ndler auftreten, der einen echten technischen Regelkreis zwischen Angebot und Nachfrage via Strompreis realisiert. Im Moment gibt's noch juristische HĂŒrden. Aber die EU hat schon angekĂŒndigt, dass sie dagegen angehen will.

So lange der Laptop funktioniert und das Licht brennt, sehen sie keinen Grund, irgendwas zu Àndern.

Ist halt eine Frage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen halt.
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Servus
Christoph MĂŒller
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wrote:

Das geht ja nicht gegen die Netzbetreiber, und auch nicht deren Mitarbeiter. ;-)

Da die Netzbetreiber aber jetzt von den Erzeugern unabhĂ€ngig sein sollten, könnte sie entsprechende Vorgaben fĂŒr das Anfahren und Abfahren von Kraftwerken machen, genauso wie sie ja auch Vorgaben fĂŒr das 50,2 Hz Problem bei der PV entwickelt haben. Mir scheint, die ehemaligen EigentĂŒmer der Netze, die jetzt nur noch Erzeuger sind, haben noch viel zu viel Einfluss auf den Netzbetrieb.
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Emil Naepflein schrieb:

So habe ich das auch nicht verstanden ;-). Ich wollte nur den Fakt darlegen.

Das sind zwei Paar Schuhe. Die 50.2Hz-Schwelle kann den Netzbetreiber tatsĂ€chlich in den Abgrund ziehen, da ist mittlerweile einfach zu viel Leistung im System, diesen Sprung kann niemand mehr ausregeln. Der entso-e-PrimĂ€rregelreserve von 3GW stehen allein in D ca. 23GW PV gegenĂŒber. Das ist der technische Schuh. Andererseits hat den Netzbetreiber nicht zu interessieren, was der KW-Betreiber mit seinen Blöcken anstellt. Er hat zu trans- portieren. Das ist der Schuh des Marktes. Und der Saldosprung des Marktes reicht einfach nicht aus, um entsprechende Vorgaben ĂŒber die BNetzA zu erwirken.

Sicher. Die Politik hat es ihnen doch mit ihrer Gesetzgebung einfach gemacht. Market rules. Der Netzbetreiber kann nur noch reagieren. Agieren ist seit der Liberalisierung Geschichte. FrĂŒher(tm) bestimmte der ÜNB den AP der KW anhand der Lastganglinie und legte die erforder- liche Rampe fest, um den SekundĂ€rregler nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig zu fordern. Heute hat er weder Zugriff auf den KW-Park (außer er spricht die drei magischen Worte), noch hat er eine Lastganglinie. Das einzige, was ihm noch zur VerfĂŒgung steht ist die Minuten- reserve.
VG Jörg
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Joerg Bradel schrieb:

Das HĂŒbsche am 50,2 Hz Problem ist, dass es zu einer kaskadierten Auslösung von Freuqenzschwellwerten kommt.
https://www.entsoe.eu/fileadmin/user_upload/_library/publications/entsoe/RG_SOC_CE/130322_DISPERSED_GENERATION_final_report.pdf
Wenn ein Ping bis zu 50,2 Hz reicht, kann der Pong bis runter auf 49,8 Hz gehen. Dort fallen dann tschechische Einspeiser vom Netz (bis zu einem GW) und bei dem weiteren Absturz der Netzfreuquenz gibt's die Italienische Schwelle von 49,7 Hz (Retrofit ist angesetzt, dauert aber wie in DE noch). Wenn es noch weiter abwĂ€rts geht, sind in Deutschland viele Einspeiser bei 49,5 Hz nach der alten MS-Richtlinie vor 2009 betroffen, also vor allem Windkraftanlagen, die noch keine NachrĂŒstung nach SDLWindV durchgefĂŒhrt haben. Wenn die Kaskade ausgelöst wird, dann geht's wahrscheinlich bis zu den 49 Hz Lastabwurfsrelais. Hoffentlich halten die den weiteren Frequenzeinbruch auf.
Ein anderes Problem ist, dass nach der VDE 0126-1-1 die Wiederzuschaltung nach 30s erfolgen darf. Das tun PV-Wechselrichter auch ohne große Verzögerung. Wenn es dumm lĂ€uft, schiesst die Frequenz wieder nach oben bis zu 50,2 Hz und das Ping Pong Spiel geht weiter, bis die Sonne untergeht.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle schrieb:

Hallo,
ob das so gut ist wenn alle PV-Wechselrichter nahezu synchron nach Ablauf der 30 Sekunden wieder zuschalten dĂŒrfen? WĂ€re es nicht besser jeder mĂŒsste eine Zufallszahl zwischen 30 und z.B. 150 Sekunden "wĂŒrfeln" und erst danach zuschalten, dann wĂŒrde sich die Zuschaltung aller Wechselrichter auf 2 Minuten verteilen.
Bye
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wrote:

Die Einspeiser schalten sich erst bei einer Frequenz von < 50,2 Hz wieder ein. Der Wiedereinstieg erfolgt aber nicht abrupt sondern es erfolgt ein "moderater" Wiederanstieg. Sollte die Frequenz dann wieder ĂŒber 50,2 Hz steigen, dann wird die Leistung wieder reduziert werden.
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Am 06.05.2013 09:42, schrieb Uwe Hercksen:

Genau das ist die Aufgabe der Zusatzzahl im ASTROHS-Protokoll.
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Servus
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Uwe Hercksen schrieb:

Nein, das ist nicht gut. Daher hat man das in der VDE-AR-N 4105 auch anders geregelt. Hier wird nach einer Schutzabschaltung erst nach 1 Minute mit Frequenz und Spannung im zulĂ€sseigem Fenster zugeschaltet und dann auch nur mit einer Rampe von maximal 10 % Pnenn / min. Alternativ gewĂŒrfelt gleichverteilt ĂŒber 10 Minuten fĂŒr rampenlose Einspeisertypen.
Gruß, Gunnar
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Joerg Bradel schrieb:

Die Diskussion um die Stundenabweichungen lĂ€uft schon seit zig Jahren und man hat relativ frĂŒh erkannt, woran es lag.
Tobias Weissbach: Verbesserung des Kraftwerks- und Netzregelverhaltens bezĂŒglich handelsseitiger FahrplanĂ€nderungen, Dissertation, Uni Stuttgart, 2009. http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2009/4647/
Aber erst seitdem die Gefahr mit der 50,2 Hz Schwelle erkannt wurde und nun das Risiko einer Verkettung unglĂŒcklicher UmstĂ€nde steigt, wenn der Zeitpunkt einer Frequenzanhebung um z.B. 150 mHz (Verlust der HGÜ-Verbindung nach England) wĂ€hrend einer stĂŒndlichen positiven Frequenzexkursion stattfindet, wurde relativ zĂŒgig der EPEX auferlegt im Intradayhandel auch Viertelstunden zu handeln. Die Handelszeit ist mittlerweile ausgeweitet worden, anfangs konnte man nur 2 Stunden vor Lieferung in 1/4 Blöcken handeln - das ist mittlerweile ausgedehnt worden, um auch Kraftwerken gemĂŒtlichere Lastwechsel mit mehr Vorlaufzeit zu ermöglichen, wenn z.B. die 4h-Prognose aktuelle Vorhersagen bietet.
http://www.epexspot.com/de/presse/press-archive/details/Press/show_detail/14766
Mittelfristig soll auch der Intraday-Handel in kleineren Zeitabschnitten gehandelt werden. Allerdings sind nicht in allen NachbarlĂ€ndern die Abrechnungsintervalle auf 15 min Basis, sondern z.B. nur halbstĂŒndlich. Daher wird man sich vorerst wohl nur auf einen 1/2h Intra-Day-Handel im internationalen Kontext einigen können.

Bei 15 min Blöcken wird eine 5 min Rampe bevorzugt. Der Vorteil ist hierbei, dass man innerhalb der 15 Min-Intervall keine Bilanzkreisverletzung begeht, wenn man vorne und hinten eine Fase einbaut. Bei einem 1h-Block war das noch so: die erste und die letzte Viertelstunde hÀtten dann nicht mehr zum Fahrplan gepasst.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle schrieb:

Ich fĂŒrchte, Herr Weissbach hat die Rechnung ohne die HĂ€ndler gemacht. Wir haben das Problem seit ca. 2007 auf dem Schirm, die HĂ€ndler interessiert es nicht. Auch eine Dissertation wird daran nichts Ă€ndern. Nur eine massive Intervention des europĂ€ischen Regulators wird helfen. Solange aber der Markt unbedingte und unregulierte Vorfahrt hat...... Nunja, in meinem Berufsleben werde ich eine Änderung wohl nicht mehr erleben (und ich hab' noch ein paar JĂ€hrchen)

FrĂŒher(tm) haben wir sogar 15min-Rampen gefahren.
VG Jörg
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Joerg Bradel schrieb:

Doch hat es. http://www.vgb.org/fue_projekt306.html Die Ergebnisse haben dazu gefĂŒhrt, dass klipp und klar benannt wurde, wo die Ursache der Frequenzschwankungen lag. Mit der Triggerschwelle bei 50,2 Hz hat man ein Anwachsen der FrequenzausschlĂ€ge mit großem Argwohn beĂ€ugt und auf die EPEX Druck ausgeĂŒbt, Viertelstundenprodukte im Intradayhandel einzufĂŒhren. Das ging erstaunlich fix, auch wenn die Akzeptanz dieser Handelseinheit noch gering ist. Hier mĂŒsste man sowas wie Market-Maker einfĂŒhren, die sich (gegen Entgelt) verpflichten, immer ein Mindestmaß an Kauf- und Verkaufsofferten ins System zu stellen.

Der Regulator (ACER) kann nicht helfen, der ist fĂŒr die zu regulierenden Natur-Monopolisten zustĂ€ndig. Die EPEX mĂŒsste, wenn nicht durch Einsicht im vorauseilenden Gehorsam aktiviert, durch eine Aufsichtsbehörde oder ein Gesetzestext zu systemkonformen Verhalten gedrĂ€ngt werden.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle schrieb:

Sorry, hÀtte man an der richtigen Stelle nachgefragt, hÀtte man die Antwort sofort bekommen. Aber das war wohl ein NoGo, bei den pösen (Ex)Monopolisten nachzufragen.

Ich lese da immer was von hĂ€tte, mĂŒsste, könnte. Immer der Konjunktiv. Belastbares fĂŒr den Betrieb des bestehenden Systems finde ich da nicht. Wir haben die Probleme aber hier und jetzt und mĂŒssen sie zeitnah lösen. Was nutzt eine Studie von 2009? Wir haben 2013 und die SprĂŒnge werden immer grĂ¶ĂŸer, weil mittler- weile die HĂ€ndler in ganz Europa mitspielen. Und niemand schreit STOP. Doch, einige. Aber die Stimmchen gehen unter.
VG Jörg
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Joerg Bradel schrieb:

Das geht schon aus Prinzip nicht, sondern man braucht einen unabhÀngigen Dritten, der das vorkaut.

Nö. Man hat Druck ausgeĂŒbt und die Umsetzung ging von Mitte 2011 bis Ende 2011 erstaunlich fix. Kein Konjunktiv, sondern Indikativ.

Wie gesagt, nun braucht man eine Akzeptanzerhöhung, dass auch genĂŒgen Gegenstellen fĂŒr HandelsgeschĂ€fte vorhanden sind - also die EigentĂŒmer der Realoptionen. Hilfreich ist auch eine VerkĂŒrzung der Handelsperiode (vorerst auf eine halbe Stunde). Das betrifft aber nicht nur die Börse, sondern auch das Clearinghouse und die Abrechnungsprozesse bei den Bilanzkreisverantwortlichen und ÜBNs als organisierende Bank der Stromkonten.

Das ist wirklich komisch. Selbst innerhalb eines Unternehmens muss der Vertrieb ĂŒber die Börse gehen, und kann kein Lastfolgeprodukt bei der Kraftwerksschwester einkaufen. Dann hat man natĂŒrlich einen Diskretisierungsfilter im Stundenraster an der Backe.
Gruß, Gunnar
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