Einfluss des Stromhandels auf die Stabilität der Netzfrequenz

Ich habe schon früher den Hinweis auf
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gegeben, um zu sehen wie die
Netzfrequez so aussieht.
In dem Artikel
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ist jetzt ein
Hinweis auf einen Artikel der das Phänomen näher analysiert:
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Emil Naepflein
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Emil Naepflein schrieb:
Das ist alles nicht neu. Diese Abweichungen zum Stundenwechsel sind seit langer Zeit bekannt, ebenso die Gründe dafür. Nur hat der Netzbetreiber keinerlei Handhabe, dagegen vorzugehen. Und die Händler kümmert es einen Sch***. Das sind BWLer, keine E-Techniker. Leider. Allerdings kommt da noch eine Unbekannte ins Spiel: die Einsatz- optimierer der Kraftwerke, also die, die den Arbeitspunkt jedes einzelnen Blocks zur vollen Stunde ermitteln und an den KW-Park weitergeben. Es wäre einfach, eine 10min-Rampe zu fahren, um der Frequenz zu helfen. Wäre, ja. Aber lieber drückt man zur vollen Stunde auf den Knopf...ist halt einfacher. Man muss nicht rechnen oder $Chef erklären, warum $KW bereits 5min vor der Zeit seinen AP erreicht hat (was das wieder kostet...), oder $KW erst 5min nach der Zeit am AP war (naja, ha'm 'mer was eingespart, argl.... verschiedene Brennstoffe, wie soll'n wir das verrechnen??)
VG Jörg
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Joerg Bradel
Am 30.11.2012 21:43, schrieb Joerg Bradel:
Da wäre ich mir nicht ganz so sicher. Er könnte ja evtl. auch als Stromhändler auftreten, der einen echten technischen Regelkreis zwischen Angebot und Nachfrage via Strompreis realisiert. Im Moment gibt's noch juristische Hürden. Aber die EU hat schon angekündigt, dass sie dagegen angehen will.
So lange der Laptop funktioniert und das Licht brennt, sehen sie keinen Grund, irgendwas zu ändern.
Ist halt eine Frage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen halt.
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Christoph Müller
Das geht ja nicht gegen die Netzbetreiber, und auch nicht deren Mitarbeiter. ;-)
Da die Netzbetreiber aber jetzt von den Erzeugern unabhängig sein sollten, könnte sie entsprechende Vorgaben für das Anfahren und Abfahren von Kraftwerken machen, genauso wie sie ja auch Vorgaben für das 50,2 Hz Problem bei der PV entwickelt haben. Mir scheint, die ehemaligen Eigentümer der Netze, die jetzt nur noch Erzeuger sind, haben noch viel zu viel Einfluss auf den Netzbetrieb.
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Emil Naepflein
Emil Naepflein schrieb:
So habe ich das auch nicht verstanden ;-). Ich wollte nur den Fakt darlegen.
Das sind zwei Paar Schuhe. Die 50.2Hz-Schwelle kann den Netzbetreiber tatsächlich in den Abgrund ziehen, da ist mittlerweile einfach zu viel Leistung im System, diesen Sprung kann niemand mehr ausregeln. Der entso-e-Primärregelreserve von 3GW stehen allein in D ca. 23GW PV gegenüber. Das ist der technische Schuh. Andererseits hat den Netzbetreiber nicht zu interessieren, was der KW-Betreiber mit seinen Blöcken anstellt. Er hat zu trans- portieren. Das ist der Schuh des Marktes. Und der Saldosprung des Marktes reicht einfach nicht aus, um entsprechende Vorgaben über die BNetzA zu erwirken.
Sicher. Die Politik hat es ihnen doch mit ihrer Gesetzgebung einfach gemacht. Market rules. Der Netzbetreiber kann nur noch reagieren. Agieren ist seit der Liberalisierung Geschichte. Früher(tm) bestimmte der ÜNB den AP der KW anhand der Lastganglinie und legte die erforder- liche Rampe fest, um den Sekundärregler nicht übermäßig zu fordern. Heute hat er weder Zugriff auf den KW-Park (außer er spricht die drei magischen Worte), noch hat er eine Lastganglinie. Das einzige, was ihm noch zur Verfügung steht ist die Minuten- reserve.
VG Jörg
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Joerg Bradel
Joerg Bradel schrieb:
Das Hübsche am 50,2 Hz Problem ist, dass es zu einer kaskadierten Auslösung von Freuqenzschwellwerten kommt.
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Wenn ein Ping bis zu 50,2 Hz reicht, kann der Pong bis runter auf 49,8 Hz gehen. Dort fallen dann tschechische Einspeiser vom Netz (bis zu einem GW) und bei dem weiteren Absturz der Netzfreuquenz gibt's die Italienische Schwelle von 49,7 Hz (Retrofit ist angesetzt, dauert aber wie in DE noch). Wenn es noch weiter abwärts geht, sind in Deutschland viele Einspeiser bei 49,5 Hz nach der alten MS-Richtlinie vor 2009 betroffen, also vor allem Windkraftanlagen, die noch keine Nachrüstung nach SDLWindV durchgeführt haben. Wenn die Kaskade ausgelöst wird, dann geht's wahrscheinlich bis zu den 49 Hz Lastabwurfsrelais. Hoffentlich halten die den weiteren Frequenzeinbruch auf.
Ein anderes Problem ist, dass nach der VDE 0126-1-1 die Wiederzuschaltung nach 30s erfolgen darf. Das tun PV-Wechselrichter auch ohne große Verzögerung. Wenn es dumm läuft, schiesst die Frequenz wieder nach oben bis zu 50,2 Hz und das Ping Pong Spiel geht weiter, bis die Sonne untergeht.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle
Joerg Bradel schrieb:
Die Diskussion um die Stundenabweichungen läuft schon seit zig Jahren und man hat relativ früh erkannt, woran es lag.
Tobias Weissbach: Verbesserung des Kraftwerks- und Netzregelverhaltens bezüglich handelsseitiger Fahrplanänderungen, Dissertation, Uni Stuttgart, 2009.
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Aber erst seitdem die Gefahr mit der 50,2 Hz Schwelle erkannt wurde und nun das Risiko einer Verkettung unglücklicher Umstände steigt, wenn der Zeitpunkt einer Frequenzanhebung um z.B. 150 mHz (Verlust der HGÜ-Verbindung nach England) während einer stündlichen positiven Frequenzexkursion stattfindet, wurde relativ zügig der EPEX auferlegt im Intradayhandel auch Viertelstunden zu handeln. Die Handelszeit ist mittlerweile ausgeweitet worden, anfangs konnte man nur 2 Stunden vor Lieferung in 1/4 Blöcken handeln - das ist mittlerweile ausgedehnt worden, um auch Kraftwerken gemütlichere Lastwechsel mit mehr Vorlaufzeit zu ermöglichen, wenn z.B. die 4h-Prognose aktuelle Vorhersagen bietet.
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Mittelfristig soll auch der Intraday-Handel in kleineren Zeitabschnitten gehandelt werden. Allerdings sind nicht in allen Nachbarländern die Abrechnungsintervalle auf 15 min Basis, sondern z.B. nur halbstündlich. Daher wird man sich vorerst wohl nur auf einen 1/2h Intra-Day-Handel im internationalen Kontext einigen können.
Bei 15 min Blöcken wird eine 5 min Rampe bevorzugt. Der Vorteil ist hierbei, dass man innerhalb der 15 Min-Intervall keine Bilanzkreisverletzung begeht, wenn man vorne und hinten eine Fase einbaut. Bei einem 1h-Block war das noch so: die erste und die letzte Viertelstunde hätten dann nicht mehr zum Fahrplan gepasst.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle
Gunnar Kaestle schrieb:
Ich fürchte, Herr Weissbach hat die Rechnung ohne die Händler gemacht. Wir haben das Problem seit ca. 2007 auf dem Schirm, die Händler interessiert es nicht. Auch eine Dissertation wird daran nichts ändern. Nur eine massive Intervention des europäischen Regulators wird helfen. Solange aber der Markt unbedingte und unregulierte Vorfahrt hat...... Nunja, in meinem Berufsleben werde ich eine Änderung wohl nicht mehr erleben (und ich hab' noch ein paar Jährchen)
Früher(tm) haben wir sogar 15min-Rampen gefahren.
VG Jörg
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Joerg Bradel
Joerg Bradel schrieb:
Doch hat es.
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Die Ergebnisse haben dazu geführt, dass klipp und klar benannt wurde, wo die Ursache der Frequenzschwankungen lag. Mit der Triggerschwelle bei 50,2 Hz hat man ein Anwachsen der Frequenzausschläge mit großem Argwohn beäugt und auf die EPEX Druck ausgeübt, Viertelstundenprodukte im Intradayhandel einzuführen. Das ging erstaunlich fix, auch wenn die Akzeptanz dieser Handelseinheit noch gering ist. Hier müsste man sowas wie Market-Maker einführen, die sich (gegen Entgelt) verpflichten, immer ein Mindestmaß an Kauf- und Verkaufsofferten ins System zu stellen.
Der Regulator (ACER) kann nicht helfen, der ist für die zu regulierenden Natur-Monopolisten zuständig. Die EPEX müsste, wenn nicht durch Einsicht im vorauseilenden Gehorsam aktiviert, durch eine Aufsichtsbehörde oder ein Gesetzestext zu systemkonformen Verhalten gedrängt werden.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle
Gunnar Kaestle schrieb:
Hallo,
ob das so gut ist wenn alle PV-Wechselrichter nahezu synchron nach Ablauf der 30 Sekunden wieder zuschalten dürfen? Wäre es nicht besser jeder müsste eine Zufallszahl zwischen 30 und z.B. 150 Sekunden "würfeln" und erst danach zuschalten, dann würde sich die Zuschaltung aller Wechselrichter auf 2 Minuten verteilen.
Bye
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Uwe Hercksen
Die Einspeiser schalten sich erst bei einer Frequenz von < 50,2 Hz wieder ein. Der Wiedereinstieg erfolgt aber nicht abrupt sondern es erfolgt ein "moderater" Wiederanstieg. Sollte die Frequenz dann wieder über 50,2 Hz steigen, dann wird die Leistung wieder reduziert werden.
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Emil Naepflein
Am 06.05.2013 09:42, schrieb Uwe Hercksen:
Genau das ist die Aufgabe der Zusatzzahl im ASTROHS-Protokoll.
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Christoph Müller
Uwe Hercksen schrieb:
Nein, das ist nicht gut. Daher hat man das in der VDE-AR-N 4105 auch anders geregelt. Hier wird nach einer Schutzabschaltung erst nach 1 Minute mit Frequenz und Spannung im zulässeigem Fenster zugeschaltet und dann auch nur mit einer Rampe von maximal 10 % Pnenn / min. Alternativ gewürfelt gleichverteilt über 10 Minuten für rampenlose Einspeisertypen.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle
Gunnar Kaestle schrieb:
Sorry, hätte man an der richtigen Stelle nachgefragt, hätte man die Antwort sofort bekommen. Aber das war wohl ein NoGo, bei den pösen (Ex)Monopolisten nachzufragen.
Ich lese da immer was von hätte, müsste, könnte. Immer der Konjunktiv. Belastbares für den Betrieb des bestehenden Systems finde ich da nicht. Wir haben die Probleme aber hier und jetzt und müssen sie zeitnah lösen. Was nutzt eine Studie von 2009? Wir haben 2013 und die Sprünge werden immer größer, weil mittler- weile die Händler in ganz Europa mitspielen. Und niemand schreit STOP. Doch, einige. Aber die Stimmchen gehen unter.
VG Jörg
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Joerg Bradel
Joerg Bradel schrieb:
Das geht schon aus Prinzip nicht, sondern man braucht einen unabhängigen Dritten, der das vorkaut.
Nö. Man hat Druck ausgeübt und die Umsetzung ging von Mitte 2011 bis Ende 2011 erstaunlich fix. Kein Konjunktiv, sondern Indikativ.
Wie gesagt, nun braucht man eine Akzeptanzerhöhung, dass auch genügen Gegenstellen für Handelsgeschäfte vorhanden sind - also die Eigentümer der Realoptionen. Hilfreich ist auch eine Verkürzung der Handelsperiode (vorerst auf eine halbe Stunde). Das betrifft aber nicht nur die Börse, sondern auch das Clearinghouse und die Abrechnungsprozesse bei den Bilanzkreisverantwortlichen und ÜBNs als organisierende Bank der Stromkonten.
Das ist wirklich komisch. Selbst innerhalb eines Unternehmens muss der Vertrieb über die Börse gehen, und kann kein Lastfolgeprodukt bei der Kraftwerksschwester einkaufen. Dann hat man natürlich einen Diskretisierungsfilter im Stundenraster an der Backe.
Gruß, Gunnar
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Gunnar Kaestle

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