Volker Staben schrieb:
Nur damit wir nicht aneinander vorbei reden, erkläre ich noch mal, was ich unter Schwarzstartfähigkeit und Systemwiederaufbau verstehe. Vor einem Schwarzstart muss man erstmal den Schwarzfall (Blackout) üben. In der Regel versucht man das zu vermeiden, indem Kraftwerke möglichst schnell und ohne eine Über- oder Unterfrequenzabschaltung auf Hauslast im Inselbetrieb gefangen werden sollen. Eine bestehende Kraftwerksinsel ist bei thermischen Kraftwerken leichter zu halten als eine neue Insel aufzubauen, an die man andere Lasten und Erzeuger dranknüpfen kann. Wenn man eine solche Insel nicht hat, muss man eine schwarzstartfähige Anlage aus dem Dornröschenschlaf wecken.
Das Schwierige am Schwarzstart ist gar nicht mal so sehr der Betrieb bei Niedriglast (beim Wasserkraftwerk Schieber öffnen, Turbine hochfahren, mit der internen Verbrauchern zusammenschalten und bei Niedriglast stabilisieren), sondern die Zuschaltung einzelner Abgänge am Umspannwerk. Erst wenn man ein paar Lasten zugeschaltet hat und das Kraftwerke auf vernünftiger Teillast läuft, kann man das nächste Kraftwerk hochfahren und synchronisieren und dann weitere Lasten zuschalten. Die Schwierigkeit liegt in der Beherrschbarkeit der Zuschaltvorgänge, weil die relative Lastzunahe groß ist. Die Anlage muss also recht zügig die Stellorgane für die Leistung von fast zu auf mittel-auf drehen, damit die Frequenz nicht absäuft und ein Unterfrequenzschutz einen neuen Schwarzstart-Versuch einläutet.
Bei einem Batteriewechselrichter sehe ich persönlich keine größeren technischen Herausforderungen den Lastfolgebetrieb im Millisekundentakt durchzuführen, wohinggegen mechanische Antriebe etwas langsamer reagiern. Nicht umsonst ist bei der Primärregelleistung ein Zeitfenster von bis zu 30s zulässig und Speicherwasserkraftwerke mit langer Druckwasserleitung eignen sich aufgrund des Allpass-Verhaltens noch nicht mal für diese Aufgabe: Wenn man unten schnell das Ventil aufdreht, ist erstmal der Druck weg und die Leistung sackt ab, bevor sich die Wassersäule in Bewegung setzt und die Leistung an der Turbine erhöht.
Der Sunny-Island Batteriewechselrichter spezifiziert:
AC power (at 25 °C / at 45 °C):
5000 W / 4000 W AC power at 25 °C for 30 min / 1 min / 3 s: 6500 W / 8400 W / 12000 W Rated current / max. output current (peak): 21.7 A / 120 A for approx. 60 msScheinleistung bei Nennstrom sind also rund 15 kVA. Das Kühldesign lässt
5 kW dauerhaft bei 25°C zu und für ein paar Sekunden auch das Doppelte. Ein Kurschlussstromimpuls zur Auslösung von Sicherungen kann für drei Perioden geliefert werden. Das ist also in diesem Fall alles schon drin und kostet nix extra. Wenn man nach dem selben Prinzip Wechselrichter für einen 5 MW Batteriecontainer auslegen würde, dann wäre dieser geeignet, um z.B. die Schwarzstartfähigkeit einer MS-Zelle zu garantieren (z.B. 3 x 20 MVA Trafos mit angeschlossenem 10 MW Windpark, drei Biogasanlagen und vielen vielen NS-Einspeisern auf PV-Basis).Gruß, Gunnar