Karl-Ludwig Diehl schrieb:
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Ein Gewölbe ohne Seitenschub, das musst Du mir mal zeigen.
Es ist ja ehrenwert sich mit historisch alten Baukonstruktionen auseinanderzusetzen. Das ist hier aber nicht der Punkt, Dein Oberthema lautet doch "Wie lassen sich Gewölbetheorien für Laien verständlicher machen". Nur hierzu hast Du kritische Anmerkungen bekommen, denn dieses Ansinnen hat mehrere Haken.
- Selbst unter den Ingenieuren ist der Kreis klein, der sich für "alte ...theorien" interessiert(warum wohl?).
- Unter den Laien wirst Du kaum noch einen finden, der sich für eine statische Theorie interessiert, denn schon die Architekten interessieren sich dafür letztendlich nicht, Statik ist ein Alptraum für sie. Frag mal die Bauherren ob sie die Statik für ihr Haus aufgehoben haben. Warum ist das so?
- Man kann die Wirkung von Kräften spüren, aber man kann sie nicht sehen, oder hast Du schon mal eine Kraft gesehen? Menschen sind in erster Linie Augenmenschen, was man nicht sehen kann, interessiert die Menschen erstmal nicht. Wohin gehen die gelangweilten Menschen? Natürlich in die Museen, weil dort schöne Bilder hängen. Hinschauen ist angenehm, Nachdenken tut den meisten weh. Ein Fahrrad wird gekauft, weil es schick aussschaut oder weil es leicht ist, aber wer intereessiert sich für die Spannungsspitzen im Fahrradrahmen, wo sich demnächst vielleicht ein Bruch einstellt?
Man muss lange üben, bis man sich einen Kraftfluss vorstellen kann, wobei man dann immer noch Überraschungen erlebt. Das ist nichts für Laien. Ich hatte mal ein Aha-Erlebnis mit Bühnentechnikern, die mussten Scheinwerfer an flach gespannten Seilen aufhängen, ich sollte ihnen (natürlich möglichst anschaulich u. ohne mathematische Gleichungen) erläutern, wie groß die Kräfte in den Seilen und den Verankerungspunkten werden. Selbst als ich ihnen die anschauliche Methode (Seileckkonstruktion) beigebracht hatte, haben sie mir nicht geglaubt, dass die Seilkräfte deutlich größer werden können, als die Gewichtskräfte der aufzuhängenden Scheinwerfer. Von mathematischen Gleichungen wollten sie natürlich überhaupt nichts mehr hören: "wir als Praktiker ...".
In Deinem Museum kannst Du ein Bild aufhängen und die Situation darstellen und schreiben "so ist es" (was dann hoffentlich auch richtig ist), mehr geht (ohne Geld) nicht. Wer wird sich die Mühe machen, ein Thema auszuarbeiten, für das er noch nicht einmal soziale Streicheleinheiten bekommt.
Mit Gruß Ernst Sauer
Mit Gruß Ernst Sauer