Re: reißende Hochspannungsleitungen

Nov 26, 2005 103 Replies

X-No-Archive: Yes



begin quoting, Hauke Laging schrieb:


bekanntlich leidet Deutschland gerade unter Hochspannungsleitungen,
> die dem Wetter nicht gewachsen sind. Warum variiert man nicht in
> solchen Fällen die Art des Stromtransport und macht aus
> Verlustleistung als Störeffekt einen Nutzeffekt? Wäre es zu teuer,
> entsprechend flexible Transformatoren an den Enden zu haben? Es wäre
> ja ausreichend, wenn man notfalls die Leitungen reihum auf den
> "Heiztrafo" schalten könnte. Das müssten ja jeweils nur einige
> Sekunden sein, um das Eis anzuschmelzen.

Ich frage mich eigentlich auch, was da schiefläuft. Normalerweise liegen die Leiter-Übertemperaturen nämlich so um die mindestens 50 K herum, d. h. die Leitertemperaturen müßten im Normalbetrieb schon bei


50 bis 80 °C liegen, und die Leiter sollten dann eigentlich nicht vereist sein. Und es ist elektrotechnisch eigentlich eine leichte Übung, sonst unerwünschte "Kreistransporte" zu organisieren, die hinreichend Leistung auf die Leitungen bringen.

(Kann man sich im Prinzip so vorstellen: es sind beispielsweise drei Hochspannungsstrecken "im Dreieck" angeordnet und an den "Knotenpunkten" durch Transformatoren miteinander verbunden. Diese Transformatoren haben Schaltstufen, mit denen sich das Übersetzungsverhältnis geringfügig verändern läßt. Wenn man das so einstellt, daß jeweils reihum die Spannung etwas hochtransformiert wird, dann fließt der Strom "im Kreis", ohne daß es irgendwo eine Belastung gibt - dabei werden nur die Leitungen erwärmt, also genau das Gewünschte.


Übrigens sollte das auch ohne "komplexe Maschen" gehen: normalerweise befinden sich auf einem Mast mehrere parallele Systeme der gleichen Spannungsstufe. Man braucht also lediglich auf dem einen System die Leistung hinschicken und auf dem anderen wieder zurück, dann hat man genau das Gewünschte.)
[Wegen des Themas x-post nach d.s.i.e.]

Gruß aus Bremen Ralf


Ralf Kusmierz schrieb:

Es könnte - unter Anderem - daran liegen, das inzwichen der Computer den Menschen ersetzt. In Computerprgs. gelten absichtliche Überlastungen als Fehler und müßen verhindert werden.

Bei den Masten, die reihenweise umgefallen sind, könnte der Grund der verwendtete Stahl sein? Denn sind die Stähle vor 40-50 Jahren hergestellt worden, haben sie mW Verunreinigungen, die über die Jahre die Festigkeit vermindern sollen.

Was mich weniger wundert, ist das sich die Hochspannungsleiter über der A31 ausgehängt haben sollen. mW wurde an solchen Stellen früher mit höherer Sicherheit gearbeitet. Leiter wurden mW doppelt aufgehängt. Verhindert daß sich das Schwingen der Leiter fortpflanzt.

Bei der DB liegts auf der Hand. Die haben früher Trupps losgeschickt, um die Trassen astfrei zu halten. Bisweilen wurden dann auch Bäume gefällt. Je nach Notwenigkeit. Diese Leute wurden aus Kostengründen eingespart. Auch wurde früher beim Trassenplanen wohl mehr auf örtliche Wettergegebenheiten geachtet.

Hallo, Ralf,

Du (me) meintest am 27.11.05:

Tagsüber. Nicht morgens um 2 Uhr.

Viele Grüße! Helmut

Hallo, horst-d.winzler,

Du (horst.d.nospamwinzler) meintest am 27.11.05:

Nein. 1978/79 tauchte das Problem in Schleswig-Holstein auf, und damals haben Computer den Menschen noch nicht derart ersetzt (ich hatte damals gerade meinen Commodore 4016 bekommen). Und vorher ist das auch des öfteren passiert, nur wurde darüber damals nicht live auf allen (3) Kanälen berichtet.

Viele Grüße! Helmut

horst-d.winzler schrieb:

Warum ist da auf den Leitern dann auch noch Spannung?

Radio-Warn-Meldungen der Art: "nähern sie sich bitte nicht den Hochspannungsleitungen, welche verdächtig tief über dem Erdboden hängen" finde ich ein wenig komisch....man kanns doch abschalten - die Leitung. Ebenso sind Fotos (spiegel-online) zu sehen wo umgeknickte Masten bzw. Leitungen noch Funken versprühen.

Maßnahmen die Leitungen mittels entsprechende Belastung so zu erwärmen das Eisansatz vermieden bzw beseitigt wird kennt man auch bei den EVUs Wenn trotzdem die Versorgung ausfällt war die Natur stärker

Und nur für den seltenen ca alle 15-20 Jahre vorkommenden "Eisregen zu ungünstigen Zeiten" -Fall sieht man keine Ersatzleitungen vor, wer das als leitender EVU-Angesteller vorsieht, kann sich gleich auf einen Schleudersitz setzen, den Auslösegriff ziehen und zu seinen Karriere Eject sagen.

MfG

Helmut Hullen verfasste am 27.11.2005 08:39:

Und erst recht nicht bei Schneesturm. Der kühlt nämlich prima.

Joachim

horst-d.winzler verfasste am 27.11.2005 07:11:

Würde mich wundern. Die wenigsten Freileitungsmasten stammen aus den

50er Jahren, und auch damals beherrschte die Stahlindustrie ihre Prozesse schon recht gut. Die geringere Reinheit gewöhnlicher Baustähle wird in entsprechend geringerer zulässiger Belastung berücksichtigt, so dass Konstruktionen aus Baustahl eher sogar eine recht hohe Festigkeitsreserve haben. Brücken aus jener Zeit halten heute noch.

Welche Stahlsorten wurden/werden eigentlich für Freileitungsmasten verwendet?

Joachim

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Dirk Bossenz schrieb:

Weil die Leitungen gebraucht werden? Im "Normalfall" fließt Strom durch, der Eispanzer fällt ab, und der Durchhang normalisiert sich. (Im allgemeinen hängen Leitungen im Winter übrigens höher als im Sommer (Wärmedehnung), hier werden sie nur ausnahmsweise durch den Niederschlagsbelag gedehnt.)

Meinst Du ? _Falls_ das der Lichtbogen aufgund einer Erdberührung oder ein dadurch ausgelöster Brand ist, ist das Foto ein seltener Zufallstreffer. (Zu sehen ist der geknickte Mast eines 110-kV-Doppelsystems, von dem ein gebrochener Außenleiter herabhängt.) Diese Erschlüsse "brennen" nur für Sekunden, dann wird die Leitung vom Netzschutz endgültig abgeschaltet. Pro System kommt sowas also nur genau einmal vor.

Auf der RWE-Homepage ist übrigens eine "aktuelle Meldung" veröffentlicht:

"Netzaufbau schreitet voran - Bereits zahlreiche Erfolge bei der Wiederherstellung der Stromversorgung im Raum Münster"

Am Vortag schrieben sie noch: "RWE arbeitet mit Hochdruck an Wiederherstellung der Stromversorgung im Raum Münster und Osnabrück" "Die Menschen in den betroffenen Gemeinden werden gebeten, sich unbedingt von beschädigten Strommasten und Stromleitungen fernzuhalten. Augenblicklich sind allein rund 50 Hochpannungmasten nicht mehr funktionstüchtig." "Bei Borken wird die vorhandene Infrastruktur genutzt, um eine

220-kV-Leitung in eine 110-kV-Leitung umzuwandeln."

(Es ist wohl angesichts der Lage unvermeidlich, daß sich so etwas ein bißchen wie Frontberichterstattung liest.)

Es hat wohl weder die Mittelspannungsleitungen (die sich relativ wenig aufwendig reparieren lassen) noch die Überlandleitungen der höheren Spannungsebenen erwischt, sondern die 110-kV-Leitungen der Regionalverteilung, die wegen der geringeren Ströme eine niedrigere Leitertemperatur haben und dadurch vereisungsanfälliger sind.

Denkbar wäre auch, daß die keine Maschenstrukturen haben, so daß sich da forcierte Leitungsverluste durch Ringströme nicht so einfach organisieren lassen. Vielleicht besteht die Versorgungsredundanz dann auch nur in den Doppelsystemen auf dem Mast, was aber nichts nützt, wenn ein Mast umfällt.

Gruß aus Bremen Ralf

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begin quoting, Bernd Löffler schrieb:

Daß Unfälle bzw. Ausfälle vorkommen können, ist klar. Es wird aber trotzdem zu untersuchen sein, ob die geeigneten Maßnahmen wenigstens versucht wurden. Und praktisch jeder vernünftige Aufwand wäre billiger gewesen als die jetzt vorliegenden direkten und Folgeschäden durch die Versorgungsausfälle.

Was auch nichts nützen würde, weil die dann auch runterfallen würden. Zu überlegen wäre aber, ob man Notprogramme vorsieht, um in solchen Extremfällen die Leiterseile durch hohe Überströme stark zu beheizen. Ich stelle mir das so vor, daß in lastschwachen Zeiten eines der beiden Doppelsysteme von der Hochspannung weggeschaltet und mit Niederspannung (wegen der so verfügbaren höheren Ströme) beheizt wird, ggf. beide Systeme abwechselnd.

Das erfordert Umbauten in den Schaltanlagen und eine Temperaturüberwachung der Leiterseile, sollte aber machbar sein. Ob es rentabel ist, müßte man prüfen - ggf. muß die Netzagentur das dann aus Gründen der Versorgungssicherheit beauflagen.

(Ja, die Techniker kriegen ob der möglichen galvanischen Verbindung zwischen Nieder- und Hochspannungsseite Albträume, ich weiß. Und Vorschriften gibt es dafür auch keine ...)

Gruß aus Bremen Ralf

Bernd Löffler schrieb:

Das dürfte weniger das Problem sein. Es dürfte wohl eher so sein, das wer heute eine neue Überlandleitung plant mit soviel Einsprüchen zu rechnen hat, das es sich nur um jemanden handeln kann, der Frust zu seinem Lebensmotte gemacht hat.

So hat mans mir erklärt ;-(

das wird vom EVUs bei Eisbelag auch gemacht,bis zur Grenztemperatur der Leiterseile, dann hat man Leitungsstecken die wegen Überlastung ausgeschaltet werden müssen, und Leitungsstrecken mit gerissenen Seilen bzw wo vor Wiedereinschaltung Monteure die Seile enteisen müssen.

hoffentlich wird bei der Netzagentur auch Fachverstand vorgesehen, ansonsten siehe Italien.

Interessant ist dieser weiträumige Netzausfall beim Thema Umstellung vom Betriebsfunk auf Mobiltelefone.

MfG

Es würde reichen, die vorhandenen Installationen durch höher spezifizierte zu ersetzen. Wenn eine Aufhängung die für das n-fache der Normal-Last ausgelegt ist, Gefahr läuft bei Eisregen zu versagen, dann ersetze man sie durch ein Modell mit der 2n-fachen Auslegung. Das kostet halt richtig Geld und bringt dem EVU erstmal nur verminderten Gewinn. Da möchte man intern nicht als Verantwortlicher dastehen. Bernds Argument kann ich schon nachvollziehen.

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X-No-Archive: Yes

begin quoting, Bernd Löffler schrieb:

Ernsthafte Frage: Warum vereisen sie dann überhaupt?

Mich hätte interessiert, was Du zu der technischen Möglichkeit oder Notwendigkeit meinst.

Aber, aber ...

Wem Gott ein Amt gegeben hat, dem hat er doch auch den Verstand gegeben ;-)

Gibt/gab es dort eine zuständige Regulationsbehörde, oder vielleicht doch nur die üblichen mafiösen Strukturen?

Infos bitte ...

Gruß aus Bremen Ralf

Ralf Kusmierz schrieb:

dafür wird die Gefährung von Menschen in Kauf genommen? Ok. dazu sind ja Radiowarnungen gut, aber denkt mal einer an die Tiere... die werden doch glatt gegrillt. Abgesehen davon das der Eispanzer wohl erst dadurch entstanden ist, weil da Stromfluß/Erwärmung vorhanden war. Hat bloß gereicht (die Kälte drum rum) bzw. nicht (die Abwärme im Leiter), oder?

Vielleicht auch mal an BHKW denken bzw. andere dezentrale Versorgungskonzepte...aber sowas ist ja verpönt.

Ralf Kusmierz schrieb:

Ein weiterer Ansatz wäre Erwärmung durch dielektrische Verluste, und das nicht nur bei Stromleitungen, sondern auch bei Brückenkonstruktionen mit Stahlseilen:

Das vorletzte Bild auf der o.g. Seite kann man so ähnlich in jeder Nachrichtensendung sehen :-( Eine Prototyp wird hier beschrieben:

Christian.

Jaja, das Leben ist lebensgefährlich!

MfG

Hatte ich das nicht gerade eingetippert? ---> Das Eis kommt von unterkühltem Wasser auf die Drähte (Eisregen). Das heißt, der Tropfen kommt deutlich unter 0°C, aber flüssig an und durch den Kontakt mit der Oberfläche des Leiters setzt die Eisbildung ein. Dafür muss keine Wärme abgeleitet werden. Deswegen können die Eisschichten so schnell an den unmöglichsten Stellen wachsen.

Wenn ich EVU wäre, dann wäre ich auch gegen dezentrale Strukturen. Da kann ja jeder kommen...

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die Leitungen vereisen, es fallen Stecken aus, die verbleibenden Leitungen übernehmen die Last und werden wärmer, und wenn die Grenztemeratur erreicht wurde und die ausgefallen Stecken nocht nicht wieder repariert sind, schaltet man ab.

MfG

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Bernd Löffler schrieb:

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Ich kann hier die Antwort auf die Frage nicht erkennen.

Gruß aus Bremen Ralf

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