Stromausfall Schweizerbahn.

Jun 22, 2005 52 Replies

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Fiona McBride schrieb:

Wechselst Du öfters mal den Namen?

Ach so ...

Buchholz- ?

Pruuust ...

Gruß aus Bremen Ralf

Öööömm

War ja die Spule. #-)

Ach ja die Geschichten die man sich ums Feuer erzählt.

Keith

Ansgar Strickerschmidt schrieb am 05 Jul 2005 :

...einen hab ich auch noch: ;-)

(vorausgesetzt sei, das unsere damalige Anlage nicht mehr die jüngste war...)

Auf dem Turbinentisch befinden sich links vom Steuerkopf unmittelbar vor dem Geländer zwei Handradsäulen von Handabsperrschieben, links der Schnellablass Hauptölbehälter, rechts der Druckschieber Anfahrölpumpe. Aus irgendeinem Grund muß bei laufender Maschine der DS AnfÖP geschlossen werden. In Ermangelung qualifiziertem Personales (das war mit einer Störung beschäftigt) schickt $CHEF den Lehrling, um den Schieber zu schließen.

Es kam, wie es kommen mußte, der Stift verwechselt die Schieber und die Drehrichtungen und öffnet den Schnellablass...

Eine 210-MW-Maschine sieht nach einer Vollbremsung infolge Ölmangels in den Lagern aus Pmax nicht sehr besonders gut aus.

Seither wurden die DS AnfÖP mit Kette und Schloß gegen unbeabsichtigtes Betätigen gesichert.

Frank

Frank Spreer verfasste am 05.07.2005 22:15:

Nanu! Der "ungefährliche" Schieber, den man bei jedem Anfahren betätigen muss? Nicht der Schnellablass Hauptölbehälter??

Dazu kann ich ansonsten nur sagen: Das Sichern kritischer Bedienelemente gegen ungewollte Betätigung gehört zum kleinen 1x1 der Sicherheitstechnik. Da hat schon der Anlagenerbauer gepennt, und der Betreiber nochmals.

Um nicht zu arrogant zu wirken: Ich hab mal in meiner Firma (Werkzeugmaschinenbau) ungewollt ein 15.000 ?-Werkzeug gekillt. Neue Maschine in der Inbetriebnahme, ich hab was an der Hydraulik zu tun und mache nichtsahnend die Wartungstüre auf - rummsklackraddabumm! Die Türe hatte (idiotischer- und vorschriftswidrigerweise) zwar einen Türkontakt im Not-Aus-Kreis, aber weder ein Schloss noch eine selbsttätige Türverriegelung, noch nicht mal ein Warnschild oder einen Leuchtmelder. Resultat: In dem Moment, als ich die Luke aufmachte, wurde der Hauptantrieb ausgeschaltet, das mit ca. 5000 rpm im Eingriff befindliche Sonderwerkzeug kam aus dem Takt und zerlegte sich. Eigentlich hätte im Fall eines Not-Aus die Maschine mit der in den Antriebsumrichter-Kondensatoren und der rotierenden Hauptspindel gespeicherten Energie geordnet herunter gefahren werden sollen, aber dazu hätte man nicht einfach die Reglerfreigabe der Vorschubantriebe wegnehmen dürfen...

Joachim

Frank Spreer verfasste am 05.07.2005 22:15:

Und ich auch: Vor einigen Jahren lieferte $DEUTSCHEFIRMA ein Großkraftwerk nach Korea. Beim ersten Anfahren verabschiedeten sich nach kurzer Zeit sämtliche Kesselspeisepumpen wegen eines Konstruktionsfehlers des (ebenfalls deutschen) Pumpenherstellers in ziemlich radikaler Weise. Juppheidi, da war was los. Weihnachtsurlaub beim Pumpenheini und bei uns als Zulieferer fiel aus, es wurde ein Krisenmanager mitsamt Monteurtruppe nach Korea gejagt und gleichzeitig sofort mit der Neufertigung der betroffenen Teile begonnen. Wunder gibt es immer wieder: Mit viel Einsatz und Luftfracht wurden Pumpen mit einer regulären Lieferzeit von 6-8 Monaten binnen 4 Wochen wieder einsatzbereit gemacht, und das Kraftwerk konnte gerade noch termingerecht übergeben werden.

Joachim

Murphy's Law in Vollendung! Das heißt, nicht ganz: die richtige Maschine hat er wohl erwischt ...

Das Technikmuseum in Sinsheim nimmt so was vielleicht noch, die haben irnkwie ein Faible für große Sachen ...

vG

Keith Paterson schrieb am 05 Jul 2005 :

Es überwacht heutzutage die Leittechnik, aber irgend jemand muß der Leittechnik auch sagen, was sie machen soll. "Alles Halt" ist meistens nicht so das Richtige, und irgend welche blinkenden Infopoints auf dem Paneel werden sehr schnell übersehen oder fehlgedeutet.

Zu meiner Zeit (bis 1995 auf einer Anlage aus 1968) gabs da sehr praktische Lämpchen der Eigenüberwachung, allerdings leuchteten die im Fehlerfall. Und wat is, wenn Glühobst defekt? War nicht so optimal durchdacht.

Frank

Joachim Schmid schrieb:

Hi genau so ist es. Die Bediener sind im Zweifelsfall Menschen, und wo Fehler gemacht werden können, da werden sie auch gemacht. Bei Fehlbedienung und deren Folgen sollte nicht nur die Kompetenz des Bedieners, sondern auch und vor allem die Kompetenz dessen, der das Bedienteil entworfen hat, untersucht werden.

Im geschilderten Fall mußte das ja früher oder später passieren, sogar Warnschilder hätten das nicht zuverlässig verhindert. bye Jupp

Frank Spreer verfasste am 05.07.2005 23:14:

Wieso? Ist doch in jedem Auto-Armaturenbrett so. Den Lampentest mit Lücken beim Zündung-Einschalten blickt doch kein Mensch. ;-)

Joachim

Die Anlage schimpfte sich schon Leittechnik.

Ich war nur ~ '90 auf mehreren Blöcken von 1950 - 1978. Die hatte alle eine Lampentesttaste. Sieht schön aus wenn der ganze Tisch leuchtet. Den kann man aber auch anders zum leuchten bringen. Ich wurde in die ferngesteuerte Gasturbine geschickt um ein paar Drehzahlgeber einzuschalten. die Anlage war scharf. Was keiner bedacht hatte war das beim Einschalten die Drehzahlgeber einen kurzen Peak abgeben. Daraufhin hat das Kraftwerk einen Herzkasper gekriegt und hat den Tisch mit 100 blickenden Lampen beleuchtet. Da war ich erstmal etwas erschrocken. Zumal ich wusste das die Meldung bis zu Schaltleitung durchrasselte.

Keith

Joachim Schmid schrieb am 05 Jul 2005 :

Örks, latürnich der andere...

Hm, kritsche Bedienelement gibt es bei klassischer Bedientechnik eigentlich jede Menge, alle kannst du nicht sichern, ansonsten müßte dir jemand das Schlüsselbund nachtragen. Das Problem kriegst du nur mit ordentlicher Ausbildung in den Griff.

[programierter GAU]

_Das_ nun wiederum zeigt, das das Fehlerproblem nur auf eine andere Ebene verschoben wurde, und zwar auf eine, in der Fehler wesentlich komplexere Auswirkungen haben können. Vielen SPS-Programierern der Hersteller fehlt der Bezug zu der von ihrer Leittechnik gesteuerten Anlage, gerade bei solchen nichttrivialen Anlagen wie es nun mal ein Kraftwerksblock ist. Eine CNC-Maschine ist in vielen Elementen noch etwas "von der Stange", ein Kraftwerksblock ist immer ein Unikat. Die Folge davon ist, das ständig mehrere Leittechniker um die SPS drumherumwuseln, und das in allen Schichten und allen Anlagenteilbereichen, bei denen ist zwar der Anlagenbezug gegeben, aber im Prinzip hätten es da jetzt auch weniger Leittechnik und ordentlich ausgebildetes Bedienpersonal gemacht...

Frank

Josef Erbs schrieb am 06 Jul 2005 :

Die Anlage stammt in der Konzeption vom Ende der 50er, gebaut ab 1968. Da gabs wohl noch nichts anderes...

Genauso ist es, wobei so eine Anlage hunderte potentieller Fehlbedinstellen hat (von denen viele im Laufe der Jahre und bei der Anzahl rel. gleichartiger Anlagen auch ausprobiert wurden)

Frank

Volker Gringmuth schrieb am 05 Jul 2005 :

Hm, da müßte ich noch mal nachfragen, wobei auch das passiert ist...

Die Sache passierte in den 70ern, die Maschine lief nach der Reparatur bis 1995 relativ problemlos.

Frank

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