Das Deutsche Gewölbemuseum recherchiert: ganz aus B eton gegossene Wohnhäuser im württembergischen Oberschwaben aus der Zeit des Historismus

Das Deutsche Gewölbemuseum recherchiert: ganz aus Beton gegossene Wohnhäuser im württembergischen Oberschwaben aus der Zeit des Historismus

In Gegenden, in denen Mangel an Natursteinen herrschte, wurde über Bauweisen nachgedacht, für die kein Natur- stein zu nehmen war. Dazu wurde im Jahre 1870 geschrie- ben:
"In Norddeutschland und Frankreich wurde früher der Erd- Pisé-Bau; in Schweden, Pommern und in den preussi- schen Marken der Kalk-Pisé-Bau in ähnlichen Fällen ein- geführt." (1)
Diese Bauweisen dienten dazu, kostengünstige Bauten zu errichten. Im württembergischen Oberschwaben gab es Gegenden, "die arm an natürlichen Bausteinen sind". Es wird von J.Schlierholz dazu gesagt:
"Solche Verhältnisse weisen in den meisten Fällen auf künstliche Baumaterialien hin, unter denen bis jetzt die ge- brannten Steine vorzugsweise für Wohngebäude und Wöl- bungen ihre Anwendung finden. Letztere Steine können jedoch nicht immer in guter Qualität und in der nöthigen Quantität, insbesondere bei den kurzen Bauperioden für Eisenbahnbauten, beschafft werden, und war es daher während der jüngsten Bahnbauten in Oberschwaben ange- zeigt, eine andere Bauweise zu versuchen." (2)
Mit diesen Worten begründete Schlierholz die aus Beton gegossenen Wohnhäuser für Bahnbedienstete in Ober- schwaben, die entlang der Bahnlinie der "Württemb.All- gäu- u. Donau-Bahn" entstanden. Es handelt sich um Bau- versuche, die für die Geschichte des Betonbaus sicherlich nicht ohne Bedeutung sind. Man nahm Beton zunächst nur, um Fundamente zu giessen. Dann weitete man den Betonbau auf den Hochbau aus. Es entstanden mit der Zeit Versuchsbauten. An diese Vorbilder knüpfte Schlier- holz an:
"Wenn nun auch die /.../ Bauweise an und für sich durch- aus nichts Neues ist, indem seit Decennien schon bei Land- und Wasserbauten eine Reihe von Betonbauten mit Erfolg und in kurzer Zeit ausgeführt wurden, wie z.B. in England und Frankreich vorzugsweise Wohnungen für Offi- ziere und Soldaten, Pferdeställe, Schulhäuser und derglei- chen, so geschah dies doch nur mit geringer Ausnahme ohne Bedachung aus Beton, und mit dieser nur in einigen Fällen mit Erfolg, wie z.B. von Aug.Lebrun zu Massac in der Nähe von Albi an einem Wohngebäude; von Kreisbau- rath Ruland in München an einem im Jahr 1858/59 ausge- führten Wärterhäuschen an der Isar daselbst; an einem Gebäude der Maschinenfabrik von Haenkel & Komp. in Kassel, an verschiedenen kleinen Zierbauten von Landbau- meister Becker in Berlin; dazu wäre noch zu rechnen ein Modell von einem vollständigen Betonhäuschen auf der jüngsten Pariser Ausstellung, von Coignet." (3)
Diese Hinweise sind äußerst wichtig, da sie auf Hochbau- ten aus gegossenem Beton verweisen, die zuvor entstan- den waren. Nur ganz wenige Bauten erhielten auch eine Überdachung aus Beton. Wo dies geschah, ist an Beton- gewölbebau zu denken. Man muß den einzelnen Hinwei- sen sehr genau nachgehen.
Schlierholz, der in Oberschwaben zu bauen hatte, begrün- dete seine Betonbauten auch damit, daß Kies und Sand in der Region reichlich vorhanden waren und sich im Um- kreis zu den vorgesehenen Baustellen Zementfabriken be- fanden:
Es "musste /.../ die Aufmerksamkeit auf die schnell bin- denden und erhärtenden Cemente hingelenkt werden, zu denen an vielen Stellen der Diluvialbildung Oberschwa- bens sowohl Sand als Kies von bester Beschaffenheit reichlich gewonnen werden kann." (4)
Um sich Zement zu besorgen, kamen diese Zementfabri- ken in Betracht, die:
"Roman-Cement-Fabriken von Gebrüder Leube, Schwenk von Ulm, Siegloch zu Blaubeuren, Präg zu Eh- nigen, denen sich in anderen Landestheilen ebenebürtig die von Chailly, Herrmann in Kirchheim u. Teck, Jakob Rilling in Dusslingen O/A. Tübingen, Burkhard in Hausen bei Burladingen, von Anton Gäng in Waizen bei Engen, sowie die Portland-Cementfabriken von Dyckerhoff & Söh- ne. Espenschied zu Mannheim, von der Bergwerks- und Hüttenwerksgesellschaft zu Bonn, von Lothary zu Mainz, als im Auslande zunächst liegend, anreihen." (5)
Schlierholz meinte, wo solche Erreichbarkeiten von Sand, Kies und Zement vorliegen, kann "Beton dort (und wo im- mer Gleiches der Fall ist) als ein provinzielles Baumateri- al bezeichnet werden". Er entschied sich also, da er "mit der Oberleitung der oberschwäbischen Bahnbauten be- traut" war, zu Bauversuchen mit Beton, um Erfahrungen
"hiemit bei ganzen Gebäuden, zunächst bei Errichtung von Bahnwarthäuschen machen zu sollen und zwar im Hinblick auf die nach Jahrtausenden auf uns gekomme- nen römischen Bauwerke mit ihren unverwüstlichen Guss- mauerwerken und Gewölben, nicht nur mit der Erstellung einzelner Mauern, sondern der ganzen Umhüllung vom Fundamente an bis zur Dachspitze inclus. der Souter- raine, Gewölbe und der Bedachung, der Kellertritte, der Fussböden etc., so dass hieran in allen Haupttheilen kei- nerlei Holz- oder anderes Material zur Verwendung kom- men soll; es schwebte mir dabei vor, dass im Verfolge diese Bauweise durch Betonausfüllung zwischen eisernen Balken für die Horizontal-Abtheilungen der Stockwerke, für Treppen und dergleichen noch weiter vervollständigt werden könnte." (6)
Um seine Idee bei der "königl.Eisenbahnverwaltung" durch- zusetzen, verwies er auf die Vorteile der Betonbauweise. Es könne "in den meisten Fällen" mit einer "verhältniss- mässig billigen Ausführung" gerechnet werden. Man er- halte stabile und feuersichere Bauten mit gutem Schutz "gegen die Einflüsse der Witterung", und dürfe mit "der Ersparniss für Unterhaltung nebst /.../ der Steigerung in der Produktion und reicheren Absatzes unserer Cemente" rechnen. Am 27.April 1867 kam vom "königl.Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Abtheilung für Verkehrs- anstalten" der Beschluß:
"Es sollen zunächst 3 Probehäuschen nach dem anlie- genden Entwurfe an der Bahn zwischen Ulm und Blau- beuren ausgeführt werden, und zwar: sollte bei sämmtli- chen 3 Häuschen Alles unter dem Terrain und im Innern Befindliche und nach Aussen Sichtbare a) an einem derselben aus Roman-Cement, b) am 2. aus einem Gemisch von 75% Roman- und 25% Portland-Cement c) am 3. vollständig aus Portland-Cement bestehen." (7)
Man hat also drei Versuchsbauten errichtet, bei denen unterschiedlich vorgegangen wurde. Nur eines bestand vollständig aus einem Beton, dem das Bindemittel "Port- land-Cement" beigegeben war. Damit auch kein Mißver- ständnis aufkam, formulierte Schlierholz ausdrücklich:
"Diese Gebäude sollten nicht etwa aus einzelnen Beton- quadern, mit Cementmörtel verbunden, zusammengefügt, sondern in Kästen und Formen gleich wie beim Pisé- Bau und die Gewölbe über Einschalung in niederen 5 bis 8'' starken Schichten nach und nach als aus einem Gus- se bestehend erstellt werden." (8)
Zu den Mauerwerkswänden wird gesagt:
"Die Umfassungswände des unteren Stockes 12" stark, am Beginn des Dachgewölbes 1' starkt und das Dachge- wölbe an der schwächsten Stelle stark". (9)
Das Dachgewölbe, da, wo es ausgeführt wurde, ist
"gegen Innen nach einem Spitzbogen geformt, nach Aus- sen abgedacht, und zwar so, dass die obere Gewölbe- hälfte ganz, die äusserste Decke der unteren Hälfte 1 1/2" stark aus Portland-Cement hergestellt werden." (10)
Auch die Gewölbe über dem Untergeschoß sind ange- führt:
"Die Stärke der Souterraingewölbe beträgt am Scheitel 8''." (11)
Es gab vor dem Bau ganz bestimmte Ängste, da keine Er- fahrung mit Bauten bestand, die ganz aus Beton gegos- sen wurden. Man hatte zum Beispiel Angst, der gegosse- ne Beton werde entweder schwinden oder eine Volumen- vergrößerung annehmen. In beiden Fällen wurden Risse befürchtet. Man wußte auch nicht, wie sich Trockenheit, Nässe, Sonnenhitze und Kälte auf den Aushärtungsvor- gang des Betons auswirken werden. War der Beton ab- gebunden, wußte man nicht, wie sich das Mauerwerk ver- hielt, da zur Wärmeleitung des Betons keine Erfahrungen bestanden. Die Befürchtung ging dahin, daß bei großer Kälte im Inneren der Bauten ein "Nässen oder Schwitzen der Wände" auftreten könnte. Nicht zuletzt hatte man Angst, daß die vorbeifahrenden Züge so große Erschüt- terungen verursachen, daß während des Abbindevor- gangs des Betons oder danach Risse im Beton eintreten werden. Alle diese Befürchtungen traten jedoch nicht ein. Man machte nur positive Erfahrungen und war sehr zufrie- den mit diesen Versuchsbauten. Es empfiehlt sich, die dazu gegebenen Einzelheiten im Aufsatz vom Jahre 1870 genauer nachzulesen. (12) Zur Bauzeit wird gesagt:
"Die Erstellung eines solchen Gebäudes kann im Mittel bei dem Vorhandensein der nöthigen Formen, Gerüstma- terialien und erfahrener Arbeiter in ca. 3 1/2 bis 4 Wochen geschehen." (13)
Die zum Guß des Betons verwendeten Schalungen sind so beschrieben:
"Die Formen waren, wie beim Pisébau üblich, von Holz mit Schraubenverbindung konstruirt (bei einem der Häus- chen von Eisenblech an eisernen senkrechten Leitstangen verschieb- und stellbar). Die Lichtöffnungen waren den Leibungsformen entsprechend gefasst." (14)
Zum Gußvorgang selbst wird ausformuliert:
"Der Beton wurde in Schichten von ca. 6 (bis) 8 Zoll Höhe, die einzelnen Strecken mit abgeschrägten Fugen einge- bracht und festgestampft, oder gedrückt (und wenn sie zu stark angezogen hatten, vor dem Aufbringen einer weite- ren Schichte aufgeschärft), die Gewölbe auf die Einscha- lungen aufgebracht, das Dachgewölbe mit Portlandüber- zug versehen und abgeglättet, die Dachgesimse gezogen, das Kamin um eine Holzwalze und einen Mantel gefertigt, der Kopf aufgesetzt und nur die Fensterbänke, die Gurten (aus dünnen Platten bestehend) und die Tragsteine für die Plattform (ebenfalls von Cement gefertigt) wurden beson- ders eingesetzt." (15)
Zwei der Bauten entsprechen genau der zur Baugenehmi- gung eingereichten Zeichnung. Das Gebäude, das ganz aus "Portland-Cement-Beton" gegossen wurde, geriet in Terminschwierigkeiten durch den Bauunternehmer, sodaß es kurz vor Eröffnung der Bahnlinie rasch mit einem übli- chen Dach mit einer Ziegeldeckung ausgestattet wurde.
http://www.fotos.web.de/spaceoffice/Gussbetonhaus_1
Es erwies sich, daß das Arbeiten mit Portland-Zement Vorteile brachte, da er mehr Haltbarkeit ergibt, ihm außer- dem größere Zusätze aus Sand und Kies beigegeben werden konnten, wobei außerdem noch damit sehr halt- bare und tragfähige dünnere Wände erstellt werden konn- ten, wie sich bei Belastungen von Probewürfeln ergab. Die gewonnenen positiven Erfahrungen führten zu weite- ren Bauten:
"Nach diesen eigens gemachten Erfahrungen wurde die Ausführung weiterer Bahnwarthäuser, sowie ganzer Sta- tionsgebäude, einzelner Mauertheile, Grund-Souterrain- Mauern, Sockel, Gewölbe, Dohlen, Futternmauern, Per- ronfassungen und Estriche, einzelner Quader und der- gleichen mehr, und zwar zugleich zum Zwecke der Ver- breitung dieser nützlichen Bauart in den verschiedenen Gegenden Oberschwabens angeordnet und sind bis jetzt bereits wiederum zehn solcher Gebäude theils mit, theils ohne Dachgewölbe, theils in Regie, theils im Akkorde ausgeführt, die sich ebenfalls gut bewährt und dem wirk- lichen Beton-Wohnhausbau in Würtemberg bereits in al- len Landestheilen reichlich Eingang verschafft haben." (16)
Das spricht dafür, daß es in Oberschwaben sehr viele Be- tonbauten, ganz aus Beton gegossen, als Wohnhäuser gegeben haben muß. Die Frage ist, welche dieser Bauten, auch der Bauten, die nicht den Wohnzwecken dienten, noch erhalten blieben. Man darf sie zu den frühen Gußbe- tonbauten zählen, die im deutschsprachigen Kulturraum errichtet wurden. Sie verdienen das Interesse der Bauge- schichte, auch wegen der gegossenen Gewölbe über dem obersten Geschoß, das nach außen zur Dachschräge ausgebildet worden war. Solche Bauten aus einem Guß sind wirkliche Raritäten.
K.L.
Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in http://groups.google.com/group/de.sci.architektur und http://groups.google.com/group/de.sci.ing.misc zur Diskussion gestellt. Der Autor ist über folgende Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de
Anmerkungen: (1)-(2) zitiert aus: J.Schlierholz: Ueber Beton-Verwendung zu Hochbauzwecken, hauptsächlich zu ganzen Gebäuden. S.260-265 u.1 Blatt mit Zeichnungen in: Allgemeine Bau- zeitung. Wien, 1870. S.260 (3) zitiert aus: J.Schlierholz, wie vor, S.264 (4)-(5) zitiert aus: J.Schlierholz, wie vor, S.260 (6) zitiert aus: J.Schlierholz, wie vor, S.260f. (7)-(11) zitiert aus: J.Schlierholz, wie vor, S.261 (12) siehe dazu: J.Schlierholz, wie vor, S.261ff. (13)-(16) zitiert aus: J.Schlierholz, wie vor, S.263
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Karl-Ludwig Diehl schrieb:

Hallo,
zwar war 1870 der Stahlbeton schon erfunden und patentiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlbeton aber diese Bauten waren vermutlich noch ohne Moniereisen gebaut worden. Wenn da wirklich Beton ohne Armierung verbaut wurde, hat man auch dann Zugspannungen im Beton konsequent genug vermieden sodaß diese Gebäude auch lange erhalten bleiben konnten?
Bye
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Uwe Hercksen schrieb:

wäre dass dann als "Stahlbeton" bezeichnet worden?
--
mit freundlichem Gruß


Robert
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Robert Pflüger schrieb:

Hallo,
der OP schrieb nur von aus Beton gegossenen Gebäuden, als Stahlbeton bezeichnet hat er es nicht. Damals hätte man Eisenbeton geschrieben. Aber ich frage mich ob diese Gebäude aus Beton ohne Armierung einigermassen dauerhaft waren.
Bye
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Vorher war von Uwe Hercksen geschrieben worden: "zwar war 1870 der Stahlbeton schon erfunden und patentiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlbeton aber diese Bauten waren vermutlich noch ohne Moniereisen gebaut worden. Wenn da wirklich Beton ohne Armierung verbaut wurde, hat man auch dann Zugspannungen im Beton konsequent genug vermieden sodaß diese Gebäude auch lange erhalten bleiben konnten?"
Diese Gussbetonhäuser wurden ohne Baustahl errichtet. Es ist deutlich erkennbar, daß die Gußbetonbauweise vom Stampflehmbau und vom Kalk-Pisé-Bau (der wiederum vom Stampflehmbau herkommt) abgeleitet wurde. An ein- gelegte Moniereisen wurde nicht gedacht. Beim Bauver- such stand das Schwindungsverhalten oder Ausdehnungs- verhalten des Gußbetons im Blickpunkt der Aufmerk- samkeit. Auch war man darauf aus, möglichst preiswert aus einem Guß zu bauen. Übrigens hat man nach dem Ausschalen der Gußbetonmauern 4 Wochen die Oberflächen der Wände befeuchtet, um ein Gleichmaß des Austrock- nens zu gestalten. Man hatte Angst, die Wände könnten durch Sonneneinstrahlung und Tageshitze Schaden neh- men. Mit gemischten Gefühlen wurden die Zugfahrtvibra- tionen erlebt. Man hatte tagtäglich Angst vor Rissen.
Da die Einwölbung für den Dachabschluß Spitzbogenform er- hielt, wäre es denkbar, daß durch die Formgebung eine lange Lebensdauer des kompletten Gußbetonhauses gewährleistet war. Es wäre gut zu wissen, ob solche Häuser überdauerten. Ich könnte mir vorstellen, daß sie den Modernisierungen der Bahnlinie selbst zum Opfer fielen, wenn ein neuer, breiterer Gleiskörper zum Aufbau kam. Andererseits wurde im Text eine Empfehlung gegeben, solche Gußbetonhäuser in einem bestimmten Abstand von den Geleisen zu bauen, um Schädigungen durch Vibrationen des Bahnbetriebs gegen Null zu re- duzieren.
Ich werde in der NG der Leute fragen, die sich mit dem Bahnbetrieb beschäftigen.
Was den Hinweis auf das Moniereisen und den Stahlbe- tonbau betrifft, so begegneten mir bis jetzt in der Aufeinanderfolge der Jahrgänge dieser Fachzeitung noch keine Belege dafür. Ich gehe diesbezüglich noch- mals alle Jahrgänge durch, um alle Angaben zum Beton- bau kritischer zu prüfen.
Bisher ergab sich aber schon eine interessante Ent- wicklung, sehr schön Schritt für Schritt nachvollzieh- bar nach Auswertung der Texte.
Dies als Anregung: Es wäre gut, wenn sich bei dsa eine Initiative bilden würde, die den deutsch- sprachigen Bibliotheksbetrieb dazu auffordert, möglichst alle verschiedenen historischen Fachzeitungen des Bauwesens online zu stellen. Es gab im gesamten Gebiet des Deutschen Bundes und davor neben der Allgemeinen Bauzeitung andere Fachzeitschriften, die jedoch online noch nicht zugänglich sind, um sie auswerten zu können. Ebenso zugänglich müßten die historischen Fachzeit- schriften aus dem nahen europäischen Ausland sein. Es müßte einmal durchgeprüft werden, was es bis zum Jahr 1918 schon gab, parallel dazu in anderssprachigen Ländern, und was davon lediglich online gestellt ist. K.L.
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HAllo,
Uwe Hercksen schrieb:

:-) ich bezog mich schon auf den Beitrag auf den ich geantwortet habe.
Wenn Stahlbeton 1870 erfunden und patentiert war, aber "vermutlich" keine Moniereisen enthalten hat ... ;-)
--
mit freundlichem Gruß


Robert
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Sehr kryptische Antwort... K.L.
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Karl-Ludwig Diehl schrieb:

Keineswegs, denn: "Wenn Stahlbeton 1870 erfunden ... aber keine Moniereisen enthalten hat", war er logischerweise auch kein bewehrter Beton und damit auch kein _Stahl_beton.
--
Rolf Sonofthies

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Rolf Sonofthies schrieb:

Hallo,
ist Mitdenken denn so schwer? Gemeint war natürlich das der erfundene Stahlbeton selbstverständlich Moniereisen enthielt, die vom OP genannten aus Beton gegossenen Wohnhäuser aber offenbar nicht. Wenn sie aber keine Bewehrung enthielten war ihnen wohl auch wegen Rißbildung kein langes Leben beschieden.
Bye
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Hm, ich vermute, das Strittige sind die Begriffe Eisen und Stahl, und was sie meinen könnten. Bei Moniereisen muß nicht unbedingt an Stahl gedacht werden. Es wird dabei nur an Eisen gedacht, aber nicht an Gußeisen. So wird z.B. diferenziert:
"Im Kontext der industriellen Fertigung versteht man unter Eisen den Werkstoff Gusseisen, wohingegen der Werkstoff Stahl gewöhnlich nicht als Eisen bezeichnet wird." (1)
"Eisen ist der Hauptbestandteil von Stahl. Stähle sind Legierungen des Eisens, die beim Vermischen (Legieren) mit anderen Metallen und auch Nichtmetallen (insbesondere Kohlenstoff) entstehen."
Beim Moniereisen wird man wohl zunächst an schmiede- eiserne Drähte zu denken haben. Da sich die Herstellungs- verfahren von Eisen erheblich entwickelten, darf man sich durchaus fragen, welche Eiseneinlagen vor 1870 einge- legt hätten werden können. Dazu las ich eben:
"Das Puddelverfahren ist ein Verfahren zur Herstellung von Stahl aus Roheisen. Im Puddelverfahren erzeugtes schmiedbares Eisen heißt auch Schmiedeeisen, wenn dieses Material härtbar ist, heißt es auch Schmiedestahl. Erfunden hat das Puddelverfahren 1784 der Engländer Henry Cort. Er hatte bemerkt, dass der in heißem Roheisen enthaltene Kohlenstoff verpufft, wenn Luft darüber streift." (3)
Solche Herstellungsverfahren kamen als Neuheit in der Zeit des Herzogtums Nassau, also nach 1803, auch im deutschen Eisenerz- und Verhüttungsgebiet an der Lahn zum Einsatz. Diese Puddelöfen waren lange Zeit sehr selten in deutschen Gebieten.
Monier wiederum verwendete anfangs Drahtgewebe. Da es sich nur um Blumentöpfe handelte, waren diese Drähte wohl eher sehr dünn:
"Monier goss zunächst Töpfe aus reinem Zement, die jedoch nicht stabil genug waren. Danach fügte er eine Einlage aus Draht hinzu, wodurch sich die Haltbarkeit deutlich verbesserte. 1867 meldete er dieses Prinzip als Patent an. Monier experimentierte weiter und 1877 folgten weitere Patente über Stützen und Balken mit Eiseneinlage." (4)
Das sagt eigentlich, daß erst ab 1877 Stützen und Balken mit Eiseneinlagen bei ihm eine Rolle spielten.
Erhebliche Eiseneinlagen gab es schon bei den Stahlsteindecken in Frankreich, die mit Hohlziegel vermauert waren. Ich hatte darüber berichtet. (5) Diese Decken mit "eisernen Tragrösten" waren schon in den 1830er Jahren in Paris üblich. Es hätte also nahegelegen, sie auch im Betonbau auszuprobieren. Dieser Vorgang fand erst später statt.
Zur Entwicklung des Stahlbetons ist zu lesen:
"Grundlage der Entwicklung waren die Erfindung des Romanzement im Jahre 1798 durch den Engländer J. Parker und des Portlandzement durch den Engländer J. Aspdin im Jahre 1824. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals in Frankreich Betonbauteile durch Stahleinlagen verstärkt. 1855 baute J. L. Lambot ein Boot aus eisenverstärktem Zementmörtel, seit 1861 stellte der Gärtner Joseph Monier Pflanzkübel aus Zementmörtel her, die er mit einem Eisengeflecht verstärkte, damit sie nicht so leicht zerbrachen. 1867 erhielt er darauf ein Patent. Bis heute heißen die verwendeten Rundeisen Moniereisen. Ältere Bezeichnungen für Stahlbeton sind Eisenbeton und Monierbeton. Bereits 1861 veröffentlichte F. Coignet Grundsätze für die Verwendung von bewehrtem Beton und stellte 1867 auf der Weltausstellung in Paris Träger und Röhren aus bewehrtem Beton aus. Der Gutspächter Joseph Louis Lambot meldete 1855 ein Patent für einen neuen "Holzbauwerkstoff" an, der er "Ferciment" nannte. Seiner Patentschrift kann folgendes entnommen werden: "Meine Erfindung hat ein neues Erzeugnis zum Gegenstand, das dazu dient, das Holz im Schiffbau und überall dort zu ersetzen, wo es feuchtigkeitsgefährdet ist, .. Ich gebe diesem Netz (aus Draht und Stäben) eine Form, die im bestmöglichen Maße dem Gegenstand angepasst ist, den ich herstellen will und bette es anschließend in hydraulischen Cement oder ähnliches wie Bitumen, Teer oder ihren Gemischen ..." Dieses Patent wurde dann von Coignet erweitert. Parallel zu den französischen Ingenieuren führte der amerikanische Rechtsanwalt Thadeus Hyatt seit 1855 Versuche über die Verwendung von Stahleinlagen in Beton durch. In seinem Grundpatent von 1878 schrieb er: " ... Hydraulic cements and concretes are combined with metal bars and rods, so as to form slabs, beams and arches. The tensible strength of the metal is only utilized by the position, in which it is placed in slabs, beams etc. ...". Hyatt hatte die Tragwirkung erkannt." (6)
Nach Durcharbeitung ergibt sich ein diferenzierteres Bild vom "Stahlbeton". Auch ist darin zu lesen: "Ältere Bezeichnungen für Stahlbeton sind Eisenbeton und Monierbeton." Wären also die Gußbetonbauten in Oberschwaben mit Armierung versehen worden, würde der damalige Beton vielleicht Eisenbeton oder Monierbeton genannt worden sein. Es ist jedoch bei den Bauten kein Eisen in den Beton eingelegt worden. Es handelte sich außerdem um eine Sparbauweise. Die Bauten sollten möglichst wenig kosten. Eiseneinlagen hätten die Bauten verteuert. Da viel Angst bestand, die monolithischen Gußbetonbauten könnten Risse bekommen, wenn Vibrationen durch den Bahnbetrieb auftreten, spricht das auch eher gegen den Einsatz von Eisenein- lagen, durch welche diese Grundangst hätte beseitigt werden können.
K.L.
Anmerkungen: (1)-(2) zitiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Eisen (3) zitiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Schmiedeeisen (4) zitiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Monier (5) siehe: Karl-Ludwig Diehl: Das Deutsche Gewölbemuseum recherchiert: eiserne gewölbte Tragroste als Grundelement sehr tragfähiger Geschoßdecken im Paris der Biedermeierzeit. Eingestellt in: de.sci.architektur (6) zitiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlbeton
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Karl-Ludwig Diehl schrieb:

Hier steht es klarer: http://de.wikipedia.org/wiki/Stahl "Als Stahl werden alle metallischen Legierungen bezeichnet, deren Hauptbestandteil Eisen ist und deren Kohlenstoffgehalt zwischen 0,002% und 2,06% liegt." Früher wurde alles als Eisen bezeichnet, die Unterscheidung zwischen Eisen und Stahl wurde erst wichtig als man den Kohlenstoff im Puddelofen oder mit anderen Verfahren reduzieren konnte. http://de.wikipedia.org/wiki/Puddelofen Der Eiffelturm wurde bereits mit Stahl aus dem Puddelofen gebaut, mit dem spröden Gußeisen wäre diese Konstruktion nicht möglich gewesen.
Bye
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Tja, schwierig zu wissen, ab wann mit Eisen im Beton zu rechnen ist und von welcher Sorte sie waren. Die Erzförderung war vor 1850 in deutschen Gebieten wohl auf das Lahntalgebiet und den Siegener Raum konzentriert. Erst um die Mitte des 19.Jahrhunderts spielte das Ruhrgebiet eine größere Rolle. Sehr viele Erze kamen aber von außerhalb auf dem Schiffsweg. Dazu las ich hier:
"1852 zählte man im Bergamtsbezirk Bochum nur 80 Bergleute auf acht Gruben, die in diesem Jahre 15 400 Tonnen Eisenerz förderten. Die Grafen Stolberg-Wernigerode mußten daher Harzer Knappen auf Musen einsetzen. Als die Henrichshütte den ersten Hochofen anblies, förderte man im Bezirk Bochum schon 266 248 Tonnen Erz. Um Hattingen herum nahmen folgende Zechen die Eisensteinförderung auf: Friederika und Musen, Neu-Hiddinghausen, Union 1 bei Obersprockhövel, Neu-Herzkamp und Gibraltar. Mit ihnen entstanden Hochöfen bei Hiddinghausen, die Kupferdreher Hütte von "Phönix" und die Hochöfen von "Neu Schottland" bei Steele-Horst. Kurz nachdem man den zweiten Hochofen angebla­sen hatte, zählte man an der Ruhr 33 Hochöfen, von denen der auf der Henrichshütte mit 25 Tonnen in 24 Stunden der leistungsfähigste war. Die Ruhr galt 1857 als der meist befahrenste Fluß Mitteleuropas. Während man 1852 an der Ruhr 15 400 Tonnen Erz förderte, stiegen die Zahlen 1854 auf 64 000 Tonnen, 1857 auf 169 000 Tonnen und 1862 auf die größte Förderung von 307 000 Tonnen. 1855 durchführen die Schleusen am Kliff bei Hattingen 1841 Güterkähne.
Während andere Hütten einen vertikalen Aufbau, also Hochöfen, Stahlwerke usw. bevorzugten, konnte die Henrichshütte nicht Schritt halten, weil die Verwaltung von Wernigerode aus Schwierigkeiten machte. So entschloß man sich, das Werk am 28. Februar 1857 an die Diskonto-Gesellschaft in Berlin für 2 Mil­lionen Taler zu verkaufen. Graf Botho schrieb dazu: "Das Werk hat an sich ein gutes Fundament, es übersteigt aber unsere Kräfte". Während 1849 in der gesamten Eisenindustrie an der Ruhr nur 2 700 Arbeiter beschäftigt waren, hatten jetzt (1858) einzelne Werke, wie der Hörder Verein, über 3 000 Arbeiter. Die Henrichshütte kam aber unter Stolbergs Besitz nur auf 800 Mann.
Nachdem die neuen Herren auf Haus Bruch eingezogen waren, nahm die industrielle Entwicklung noch ihren Fortgang. Um 1860 war das Ruhrgebiet mit der Ennepestraße das größte Industriegebiet Preußens. Haus Bruch lag mitten darin. Es beschäftigte jetzt allein auf Musen 589 Bergknappen. Die Zahl der Puddelöfen stieg bis auf 36 Stück, die Zahl der Hochöfen auf 4. Die Lage im ganzen Ruhrgebiet änder­te sich schlagartig, als Krupp im Jahre 1861 das erste Besserner Werk auf deutschem Boden errichtete. Aus dem Stahl wurde Eisenbahnmaterial für die sich immer mehr ausbreitenden Bahnlinien geschaffen. Das Verfahren erlaubte einerseits eine sprunghafte vermehrte Stahlherstellung, andererseits konnten aber die Ruhrerze wegen ihres Schwefel- und Phosphorgehaltes nicht gebraucht werden." aus: http://www.hattingen-historisch.de/herrensitze/bruch.htm
Die Frage ist, ab wann man mit Moniereisen und bewehrtem Beton in deutschen Gebieten rechnen muß. Anfangs werden ja nur hier und da Eisen eingelegt worden sein. Bei anfänglichen Gußbeton- bauten könnte ich mir Ankereisen für Eisenträger, die für die Zwischendecken eingebaut wurden, vor- stellen. Auch Ringanker halte ich eher für möglich, bevor richtiggehend bewehrter Beton einsetzt.
Viele offene Fragen also. K.L.
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Karl-Ludwig Diehl schrieb:

Keineswegs, denn: "Wenn Stahlbeton 1870 erfunden ... aber keine Moniereisen enthalten hat", war er logischerweise auch kein bewehrter Beton und damit auch kein _Stahl_beton.
--
Rolf Sonofthies

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