Koelner Stadtarchiv

Mar 04, 2009 92 Replies

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Uwe Hercksen schrieb:

/Wenn/ das so ist. Lebenszeichen scheint es wohl nicht zu geben. Eine Rettungswahrscheinlichkeit dürfte so ziemlich gegen Null gehen.

Oder hast Du etwas anderes dazu erfahren?

Gruß aus Bremen Ralf

Am Fri, 06 Mar 2009 11:10:55 +0100 schrieb Uwe Hercksen:

Hallo,

vielleicht mal ein paar neue Infos - gerade kam auf Center-TV eine Pressekonferenz, in der es um die Rettung der Archivarien ging. Es sprachen dort einige Spezialisten (Archivare, Restauratoren u.s.w.).

Stand der Dinge ist wohl, daß nicht der Schuttkegel selbst mit Beton verfüllt wird, sondern Hohlräume darunter/daneben.

Insofern scheint die Sorge, daß die Archivarien in Beton eingeschlossen werden, zum Glück wohl unbegründet. Größte Sorge ist z.Zt. das Grundwasser.

Man hat bisher erst unter 1% der Trümmer abgetragen und untersuchen können. Die Wucht des Einsturzes muß gewaltig gewesen sein, ein Restaurator sprach z.B. von einem Buch, das vollflächig in ein Metallregal eingedrückt war.

Es werden jetzt wohl erst einmal Notmaßnahmen getroffen, um möglichst viele Archivarien zu bergen und notdürftig zu konservieren. Die eigentliche Restaurantion kann erst viel später beginnen.

Grüße,

Frank

Ralf . K u s m i e r z schrieb:

Ich habe keine Ahnung wer der örtliche Krisenstab ist, der Feuerwehrhäuptling allemal, es ist mir ehrlich gesagt aber auch völlig egal. Wenn dessen Mitglieder allerdings allen Interessenten individuell die komplexen Zusammenhänge erkären würde, wäre bis heute noch überhaupt nichts getan worden. Die Vermittlung der Informationen übernehmen bei uns diverse Medien und das reicht mir auch aus.

Insgesamt entsteht bei mir vor allem der Eindruck, dass Du diffus praktisch "alles besser weißt" und alle anderen für mehr oder weniger dumm und inkompetent hältst und rigoros die meisten Einwürfe als unpassend vom Tisch wischt. Auf dieser Basis ist schlecht zu diskutieren.

Wie es scheint möchtest Du hier nur Deine Vorurteile bestätigt lesen. Auch wenn das Usenet den Charakter vieler Stammtische hat: Tut mir leid, aber damit kann und mag ich nicht dienen.

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Rolf Sonofthies schrieb:

Ich hatte hier nach fachlichen Informationen gefragt. Du warst übrigens so ziemlich der einzige, von dem welche kamen (was dann plötzlich wieder endete). Auf das allgemeine "der Staat ist toll"-Geprolle stehe ich nicht so.

Gruß aus Bremen Ralf

Ralf . K u s m i e r z schrieb:

Äußerungen hier sind freiwillig und manchmal ist anderes wichtiger oder interessanter.

Das habe ich nirgends geschrieben und Du wolltest mich doch jetzt auch bestimmt keinesfalls als Proll bezeichnen.

Aloha Frank Hucklenbroich,

Du hast letztens geschrieben:

Restaurator ist ein Beruf mit Zukunft, wie es aussieht. Es sind ja auch immer noch tausende Bücher aus dem Brand der Bibliothek vor ein paar Jahren zu restaurieren und nun das in Köln. Die nächste Bibliothek, die einstürzt, abbrennt oder in die Luft geht oder sonstwas, kommt bestimmt...

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Frank Hucklenbroich schrieb:

Wenn sich darin dann keine Archivalien befinden, wäre das sehr schön.

Es wird doch wohl (so weit das überhaupt möglich ist) abgepumpt, oder nicht? (Da müßte doch noch einiges an Technik von der U-Bahn-Baustelle vorhanden sein, entsprechend sollte es doch auch einen unterirdischen Zugang geben, oder ist der nun nicht mehr verwendbar?)

Daß es auch unter idealen Bedingungen zu erheblich Verlusten kommen wird, ist leider so. Aber zumindest Papier ist erstaunlich strapazierfähig und langlebig, wie man an archäologischen Funden sieht. (Bei dem betreffenden Buch wäre die Frage interessant, ob es zerstört war.)

Es sollen angeblich schon 10 % der Bestände geborgen worden sein. Das ist nicht sehr viel, aber ermutigend.

Gruß aus Bremen Ralf

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Rolf Sonofthies schrieb:

Nein, Du warst das nicht, und Dir wollte ich das natürlich auch nicht unterstellen.

Gruß aus Bremen Ralf

Hallo Robert,

Robert Lange schrieb:

Ok, das kann durchaus sein, ich hab mir die etwas südlich gelegenere Haltestelle "Kartäuserhof" angesehen. Dort wurde vereist und hier ist das Straßenprofil noch enger als am Waidmarkt. Auf den Privatsendern wurden bereits diverse Anwohner mit Rissbildungen an ihren Gebäuden befragt. Aber ich vermute mal, daß auch am Waidmarkt so einige römische und mittelalterliche Gewölbe im Erdreich verborgen sind, oder einfach die Grundwasserschichten durch die neue Rörhe negativ beeinflusst wurden, wenns doch kein Frost war...

Dirk

Am Fri, 06 Mar 2009 14:34:14 +0100 schrieb Ralf . K u s m i e r z:

Ja.

Ja, das wird es natürlich. Dazu sind wohl nun auch Bergbauingenieure im Einsatz. Ist aber nicht so einfach, da es hier seit zwei Tagen fast ununterbrochen regnet. Das ist schon eine verdammte Menge Wasser, die dort abgepumpt werden muß.

Von der U-Bahn-Baustelle waren diese blauen dicken Rohre im Einstz, die man auf den Bildern des Einsturzes auch sehen kann. Die sind dazu da, das Wasser aus der Tunnelbaustelle in den Rhein zu pumpen. Die ganze Altstadt ist voll mit den Teilen. Das Rohr an der Einsturzstelle ist allerdings umgeknickt (auch das kann man bei den Pressebildern ganz gut sehen).

Das betreffende Buch war vermutlich nicht zerstört, es dürfte nur etwas schwierig werden das Stahlregal ums Buch rum schonend wegzuschneiden (wie auch immer man sowas macht).

Nunja, das waren wohl die Bestände, die man im hinteren Teil des eingestürzten Archives bergen konnte. Da sind die Feuerwehrleute quasi zu Fuß rein und haben die Bestände rausgeschleppt, denn einige Räume waren wohl nicht so richtig komplett eingestürzt bzw. noch leicht zugänglich.

Ob man auch aus dem Trümmerkegel schon Dinge geborgen hat, weiß ich nicht. Es wurde nur berichtet, daß die Trümmerteile teilweise extrem groß und schwer sind (ein Feuerwehrsprecher berichtet von Stücke die 40 Tonnen wogen). Man hat wohl mittlerweile eine Halle eingerichtet, in die man Fundstücke abtransportiert. Teile, die klar als Bauschutt (Träger, Stützen, Betonwände u.s.w.) erkennbar sind, werden an eine andere Stelle verbracht (ebenfalls außerhalb des Stadtgebietes).

Grüße,

Frank

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Frank Hucklenbroich schrieb:

In ein paar Wochen weiß man mehr.

Gruß aus Bremen Ralf

*Alice Mueller* wrote on Fri, 09-03-06 14:33:

Im Moment fangen manchen Bier Zigaretten und flache Riesenglotzen an teuer zu werden, wo also glaubst Du wird bei staatlichen Ausgaben zuerst gespart werden? Wissenschaft und Kultur betreibt man aus Begeisterung und am besten, wie im siebzehnten Jahrhundert, als gehaltsunabhängiger Adliger mit eigenen Mitteln. Davon leben können wollen sollte man besser nicht.

Sicher. Man wird dann best=E4tigt haben, da=DF das deutsche Kulturgut tats=E4chlich unrettbar verloren ist.

Mir kam die Stellungnahme mit dem "unrettbar" viel zu schnell, als da=DF ich den Willen unterstellen k=F6nnte, man wolle wirklich "ausgerechnet" deutsches Nationalgut retten.

H=E4tte jemand einen siebenarmiger Leuchter umgesto=DFen, w=FCrde man keine Kosten und M=FChen scheuen, die Beule wieder auszub=FCgeln und w=FCrde eine Hundertschaft ansetzen, den T=E4ter Dingfest zu machen!

Aber bei deutschem Kulturgut?

Die anf=E4ngliche Meldung hatte nur den Zweck, uns schon einmal mit dem Gedanken eines Totalverlusts vertraut zu machen.

Wenn in der T=FCrkei oder sonstwo ein Erdbeben H=E4user zusammenfallen lie=DF, sah man Hundertschaften die Tr=FCmmer beiseite r=E4umen, um m=F6gli= che Opfer zu befreien. Mit der Hand. Hier sah man nichts.

Dein Vorschlag, das von Hand abzutragen ist sicherlich teilweise schon sehr schwierig. Seit 911 wissen wir aber auch, da=DF es offensichtlich M=F6glichkeiten gibt, gr=F6=DFere St=FCcke auch zerkleinern zu k=F6nnen. Da= nn kann man auch mit relativ kleinem Ger=E4t einmal =FCbriggebliebene tonnenschwere Brocken wegtransportieren.

Sogar in der Antike hat man es irgendwie geschafft, Multitonnen schwere Steine zu transportieren.

Und wir haben Heere von Arbeitslosen, welche sicher gerne f=FCr 10=80/h sich ein Zubrot verdienen w=FCrden, unversteuerbar auf die Hand. Um deutsches Nationalgut zu retten.

Aber es war eben kein siebenarmiger Leuchter mit dabei, welcher mit versch=FCttet wurde. Daher auch kein Wille.

X-No-Archive: Yes

begin quoting, angi schrieb:

Ich würde auch umsonst ein paar Tage mithelfen, aber der Unterschied zwischen einem zusammengefallenen Haus in der Türkei und dem Kölner Stadtarchiv ist nunmal, daß sich bei den Erdbebentrümmern die ganze Sache nicht wieder in Bewegung setzt, weil drunter noch ein paar Erdrutsche stattfinden, und dann plötzlich Helfer zwischen den Trümmern zerquetscht werden. Ein einzelner kann das Risiko evtl. zutreffend einschätzen und sich vorsichtig verhalten (ich bin als Kind auch in diversen Bombardierungstrümmern und Löchern herumgeklettert, in denen ich nicht unbedingt wirklich etwas zu suchen hatte), aber wenn da ein paar hundert Leute drauf herumwimmeln, dann gibt's mit Sicherheit ein paar schwere Unfälle, und mit weniger Leuten ist es nicht effektiv.

Man könnte sicher eine ganze Menge machen, was man nicht machen wird: Wenn so ein Trümmerteil von 20-50 t bewegt wird (Kran), dann setzt sich unvermeidbar einiges in Bewegung, weil sich einfach die Abstützungskräfte verändern, selbst bei "Millimeterarbeit" (die teuer ist, weil sie lange dauert). Also kann man auch Alternativen einsetzen: Mit Präzisionssprengungen ließen sich große Teile kontrolliert in "handliche" zerlegen, die man dann ohne schweres Gerät wegkriegen könnte, ohne dabei mehr Schäden als beim Kraneinsatz zu verursachen, aber dafür braucht man dan wieder Spezialisten. (Man kann im Prinzip Beton auch einfach auseinanderflexen, wäre durchaus machbar und im Vergleich zu großen Kränen wahrscheinlich auch nicht teurer.)

Vermutlich gibt es im Stadtarchiv auch Judaika. Aber der fehlende Wille wird wohl eher daran liegen, daß man die Sache möglichst schnell unter den Teppich kehren will. Die Sache ist ein absoluter Propaganda-GAU.

Gruß aus Bremen Ralf

Am 05.03.2009 12:24, schrieb Rolf Sonofthies:

Und die gehören der Stadt Köln, der auch das Archiv gehört... sie haftet also letztlich für sich selbst...

cu

Jan

Henning Sponbiel schrieb:

Du bist ja so umsichtig!

Frank Hucklenbroich schrieb:

Vielleicht bringt dies etwas Klarheit in das zum Teil unsägliche Geschwätz mit dem man im Usenet konfrontiert wird:

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JoAl.

X-No-Archive: Yes

begin quoting, "Ralf . K u s m i e r z" schrieb:

So ähnliche Ideen haben die Leute vom Stadtarchiv offenbar selbst auch: .

Gruß aus Bremen Ralf

X-No-Archive: Yes

begin quoting, "Ralf . K u s m i e r z" schrieb:

["Trümmerfrauen"]

Ergänzung bzw. Korrektur: Das ist so nicht korrekt - es handelt sich dabei nicht um eine Publikation des Stadtarchivs Köln, sondern um eine private Initiative eines einzelnen Unternehmers (s. whois). Und derzeit kann die auch noch gar nichts tun - eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es wohl auch noch nicht.

Gruß aus Bremen Ralf

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