Gefährlicher Pfusch durch "Fachbetrieb"

Wir hatten hier das Problem, daß in letzter Zeit häufiger die Sicherung beim Einschaltung von Geräten ausgelöst hat. Als Ursache waren schnell die reichlich alten LS-Automaten mit H-Charakteristik ausgemacht. Ich wollte diese zuerst selbst austauschen (habe mal eine Ausbildung im Elektrobereich genossen, allerdings nicht abgeschlossen), habe dann aber doch lieber die Vermieterin einen sogenannten Fachbetrieb rufen lassen.

Rückblickend hätte ich es wohl doch besser selber gemacht. Es kam dann nämlich ein alter Kauz mit einem Azubi. Sehr schnell stellte sich heraus, daß es mit der Kompetenz nicht so weit her sein konnte. Der Held hatte nämlich - trotz vorheriger Beschreibung der durchzuführenden Aufgabe - keine Automaten mit B-Charakteristik dabei, und schlug allen ernstes vor, doch die mitgeführten mit K-Charakteristik(!) einzubauen. Immerhin wollte er das aber zunächst "den Chef" fragen. Als ich meinte, daß ich seinen Plan nicht so gut finde, hat er davon aber abgesehen.

Wenig später trabte dann der Chef mit drei B-Automaten an (klar, braucht man ja auch "nie", muß man deswegen offenbar nicht dabeihaben), die dann der Held einbaute. Erst nachdem die alten Automaten ausgebaut, und die neuen eingesetzt waren, fiel dem angeblichen Elektriker - aber auch erst auf meinen Hinweis hin - auf, daß die vorhandenen Kabelschuhe gar nicht an die neuen ABB-Automaten angeschlossen werden können. Der Chef fuhr unterdessen weg, und ich widmete mich anderen Tätigkeiten.

Nachdem die Installation dann fertiggestellt war, und die beiden Helden abgedampft waren, habe ich mir das mal näher angesehen, und bin fast vom Glauben abgefallen. Man hatte einfach nur die Kabelschuhe abgekniffen, die Enden abisoliert, zusammengedrillt (und das nicht mal gut) und so in die Automaten geschraubt! Zum Glück hatte man aber noch bei der Vermieterin Vollzug melden wollen, war also noch nicht weg. Ich habe daraufhin die sofortige Rückkehr gefordert. Auf den Pfusch angesprochen kam dann als Begründung, daß er halt keine Aderendhülsen dabei habe!

Der ebenfalls noch anwesende Chef (der allerdings diese lahme Ausrede nicht mitbekommen hatte), gab mir dann natürlich Recht, und nach etwas Kramen fand man dann doch noch drei Aderendhülsen in der Tasche. Diese hat man dann eingebaut, allerdings hat man es dabei nicht geschafft, alle Einzellitzen in die Aderendhülse zu stecken... Dafür hat man dann (womöglich damit ich es nicht wieder kontrollieren kann) die Hülsen so tief in den Automaten gerammt, daß die Leitungen sich nicht mehr aus dem Automaten ziehen lassen. Aber fürs erste kann mans wohl nun so lassen.

Meine Frage nun: Wenn man sich solche Beispiele ansieht, wie will man eigentlich allen ernstes den Meisterzwang im Elektrohandwerk begründen? Und habe ich Möglichkeiten, irgendwie gegen diese Pfuscher vorzugehen? Die Handwerkskammer zeigte sich telefonisch äußerst desinteressiert...

Oder bin ich nur zu überempfindlich? Mein Vater ist selber Meister des Elektroinstallateurhandwerks (wohnt aber zu weit weg um mal eben ein paar Automaten zu tauschen) und meinte telefonisch nur, daß in der Branche solcher Pfusch an der Tagesordnung sei.

Ich bin jedenfalls immer noch stinksauer.

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Michael Holzt
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Michael Holzt schrieb:

Hallo,

leite das doch bitte nach d.r.heimwerken um, da paßt das viel besser. Da sind Fachleute die für das Auswechseln eines Leuchtmittels den Elektromeister fordern.

Gruß Hans

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Hans Beiger

Michael Holzt schrieb:

Regnets bei mir durchs Dach oder was ?

Deine Wohnungsinstallation besteht aus flexiblen Leitungen mit feindr=E4htigen Adern ?

Du postest sonst nicht zuf=E4llig unter Egon Mang ?

bastian

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bastian

Michael Holzt schrieb:

Was soll man dazu noch viel sagen. Ist wohl leider eher die Regels als die Ausnahme. Ich habe selber in meinem nächeren Umfeld schon viele Stunden Freizeit verbraucht, um solchen Pfusch zu beseitigen. Alles aufzuzählen würde definitiv zu lange dauern, also nur mal ein paar Dinge die mich besonders geärgert haben:

- 6mm²-Kabel in UV zwar in LSS eingesteckt, aber nicht angezogen. Konnte problemlos mit zwei Fingern ohne Kraft gezogen werden. Vorsicherung: 35A

- 10mm² starr vor RCD mit 6mm² flexibel in Aderendhülsen in der gleichen Klemme am RCD.

- Bei der Renovierung des Gangs hat der Meister statt der Neuverkabelung der im Gang vorhandenen Zeitschaltung in der im gleichen Treppenhaus befindlichen, neuen UV für das OG, lieber die neue Lampe und den zusätzlichen Schalter an die Uralt-Installation drangepfuscht. So bin ich jetzt gezwungen hinter der Lampe, an der das Kabel der Altinstallation endet, sowohl die Lampe, als auch das neue NYM für die neuen Lampe im OG anzuschließen. Da diese Zuleitung nur zweiadrig ist (hat zwar drei Adern, ist aber an unbekannter Stelle verklemmt und kommt in der UV nur noch zweiadrig an) muss ich jetzt wohl oder übel einmal das Rote von der alten Leitung, zweimal grün-gelb und zweimal blau auf eine 5er Wago bauen.... *PFUI*...

Wie gesagt nur eine kleine Auswahl. Ich versuche mittlerweile soviel wie irgend möglich selber zu machen. Wenn ich mir unsicher bin, frage ich hier nach. Ohne Grundwissen ist das aber auf keinem Fall ratsam!

CU

Manuel

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Manuel Reimer

Michael Holzt schrieb:

Weil es dann keinen Meister gäbe der die B-Automaten bringen kann, und der dir bei inaugenscheinname recht geben könnte. Ich meine das Niveau würde ziemlich stark absinken.

bye uwe

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Uwe 'hammernocker' Roßberg

Hmm, also zum Meisterzwang ist folgendes zu sagen. Es ist eine Deutsche erfingung die es nur hier gibt (gglaube ich mal geh=F6rt zu haben). Ich habe selbst an Lehrg=E4ngen teilgenommen und ich muss sagen, es sieht so aus als wollte die HWK nur geld mit ihren auff=FChrungen machen. Ganz davon abgesehen kenne ich Elektrotechnikermeister die ein Taxi unternehmen gegr=FCndet haben. Nichts desto trots bin ich ein anh=E4nger des Handwerksmeisters aus reiner Tradition. In unserem Metallverarbeitenden Betrieb bin ich mit einigen Kollegen f=FCr die Elektrik verantwortlich. Seit einem Jahr gucke ich mir die pfuscherei schon an. Ich habe Lampenfassungen brennen gesehen. Sicherungsk=E4sten mit aufgeschlitzen Adern wo Wasser eintrat. Gummikabel die einfach =FCber den Rasen liegen, die von Europaletten so gespannt sind das man darauf W=E4sche aufhangen k=F6nnte, wenn sie nur hochgenug h=E4ngen w=FCrde. Komplett verschmorte Sicherungsk=E4sten und immer diese komischen Kabel draussen, halb im rohr und teils am Zaun und =FCber den Boden. Also alles sehr Sp=E4ktakul=E4r. Ich w=FCrde erlich gesagt besser ein Abitur f=FCr Handwerker fordern, bei den derzeitigen verh=E4ltnissen.

MfG, Dennis

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the-conqueror
[Elektrikerpfusch]

Und zu recht. In meiner Ausbildung wurde mir damals mal gezeigt was dabei herrauskommen kann und das war kein Spaß.

LG Andy

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Andreas Erber

Da sehe ich kein Problem wenn es sich um Fahrstuhlklemmen handelt.

Lutz

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Lutz Illigen

Das Arbeitsrecht in .de macht es einem sehr schwer solche Flachfeilen zu kündigen, leider

Man lernt in jedem Seminar: Loben vor allen, kritisieren nur im stillen Kämmerlein.

Immerhin hat der Meister ja dafür gesorgt, dass alles seinen ordnungsmäßigen Gang geht. Ich hatte auch solche Leute. Firma übernommen, Leute seit 30 Jahren da, nur gepfuscht. Wenn nicht einer stirbt hast Du kaum ne Chance vor einem Gericht die raus zu bekommen. Die sind zusätzlich unbelehrbar: Was will der denn, das mache ich seit

30 Jahren so. Würde der Kündigungsschutz hier um einiges lockerer sein, würden die Herren Arbeitnehmer sich wahrscheinlich mehr Mühe geben. Gruß Christoph
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Christoph. Hensel

Der Chef, der wohl auch der Meister ist, machte nicht den Eindruck als sei er über das Werk seines Mitarbeiters besonders entsetzt.

Wie gesagt, es sah nicht so aus, als käme da noch was. Man natürlich täuschen.

Nein, hat er nicht. Er hat nur die LS-Automaten gebracht, und wollte dann wieder abdampfen. Daß der gefährliche Pfusch beseitigt wurde ist nur darauf zurückzuführen, daß ich das Werk hinterher in Augenschein genommen habe.

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Michael Holzt

Vorher wie hinterher 16A, ja. Wo ist das Problem dabei?

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Michael Holzt

Michael Holzt schrieb:

Haben die Jungs denn die Schleifenimpedanz gemessen? Oder zumindest vernünftig geschätzt?

Gruß Dieter

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Dieter Wiedmann

Nein. Ich habe meinen Vater (wie gesagt, der ist selber Meister) gefragt, und er meinte, daß er auch ohne irgendwelche Messungen nur die Automaten getauscht hätte. Er sah da kein Risiko drin.

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Michael Holzt

Michael Holzt schrieb:

Ist es normalerweise auch nicht, die Leitungslängen innerhalb einer Wohnung sind selten zu groß für B-LSS als Eratz von H-LSS. Dennoch ist blinder Tausch nicht angesagt, und die Impedanzmessung ist ja nun wirklich schnell gemacht.

Lutz Einwurf wird sich übrigens wohl auf *den* Allerwelts-LSS B16A bezogen haben, sowas hat man einfach immer griffbereit, andere Nennströme/Charakteristiken nicht unbedingt.

Gruß Dieter

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Dieter Wiedmann

Ja, das hatte ich ja auch gedacht. Bis der Trottel dann mitteilte, diese nicht dabei zu haben, und stattdessen K16A einbauen wollte... Er hat danach sogar noch behauptet, daß man B16A ja nie brauchen würde. Entweder hat der so wenig Ahnung, oder für jede Pfusch die passende Ausrede (der übliche Privatkunde wird das wohl glauben).

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Michael Holzt

Angenommen:

Du gibst unter Zeugen eine Anweisung. Der Monteur macht es nicht so.

  1. Abmahnung. Einen Monat später das selbe Spiel...
  2. Abmahnung. Wenns wieder passiert biste ihn los. Oder?

Ich kann mir nach vielen Jahren im und mit dem Handwerk nicht vorstellen, das ein Meister einen Gesellen nicht loswerden kann, wenn er will. Und sei es wegen "Arbeitsmangel".

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Michael Fischer

Das entspräche den heutigen C. Auch da bin ich der Meinung das die nichts in Schukosteckdosenkreisen zu suchen haben. Steht so gar in den Hager Unterlagen.

Yepp.

Es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig.

Lutz

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Lutz Illigen

Querschnitt, Spannungsfall, Verlageart und Länge spielen eine Rolle. Da kommt selten 16 A raus.

Lutz

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Lutz Illigen

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