Notfalleinspeisung ins Hausnetz

Nov 27, 2005 90 Replies

Ich war von Samstag mittag bis Montag früh mit dem THW (Fachgruppe Elektroversorgung) im Schadensgebiet und habe dort ein Altenwohnheim und (weil am Aggri noch ne Menge Leistung übrig war) auch noch die umliegenden Haushalte versorgt, so weit unsere Kabel reichten (ca 30 Haushalte). Sonntag abend kam die Energieversorgung dann wieder und wir wurden dort abgezogen, weil sich im Siegerland (wo wir her kamen) die Lage zuzuspitzen drohte, schlechter Wetterbericht und erste Stromausfälle (aber nur ein paar Stunden, hat das RWE wieder hin bekommen). Zum Glück entspannte sich die Wetterlage in Siegerland dann wieder, die angekündigten Schneefälle blieben größten Teils aus. Fachgruppen Elektroversorgung aus anderen Landesteilen sind im Münsterland weiter im Einsatz, ob für mich nochmal ne Alarmierung kommt weis ich nicht, ich denke aber eher nicht.

mfg. Markus

Hallo, Markus,

Du (MHaastert) meintest am 29.11.05:

Die Jahrhundert-Katastrophe ist demnach nicht so katastrophal, sondern nur "die Katastrophe der Woche", so wie Hühnergrippe und Fleischskandal?

Ich müsste meine kleine Schwester fragen, wie lange etliche Dörfer im Wangerland (nördlich von Jever) 1978/79 abgeschnitten waren und mit Bergepanzern u.ä. mit Lebensmitteln versorgt wurden ... waren etliche Tage.

Viele Grüße! Helmut

was nützen einem Monteure, wenn man keine Masten hat bzw ein paar Kilometer Seil und Erdkabel.

MfG

Schon schlimmer, aber alle Haushalte versorgen ist wohl nur schwer möglich. Bei 20.000 betroffenen Haushalten (und es sind mehr) bräuchte man an jeder Ortsnetzstation ein Aggri und jemanden vom EVU, der das Trafohäusschen auf schließt. Pro Ortsnetz werden es wohl (hab mir eben mal angeguckt was hier bei mir zuhause am Trafo hängt) knapp 100 Haushalte sein, also 200 weitere Aggi's für die Versorgung der (oben angenommenen 20.000) Haushalte. Wenn man an den Ortsnetztrafos einspeisen will und in die 10kV Ebene zurück speisen (um Aggegate zu sparen), dann müsste der Energieversorger noch mehr Schalthandlungen machen um entsprechende Inselnetze (z.B. 4-5 Aggri's 200kVA für 6-8 Ortsnetze sollte möglich sein, wenn die Bewohner Energie sparen (kochen mit Gas, Strom nur für Licht und zum Betrieb der Gas/Öl-Zentralheizung) aufzubauen. Das "anfahren" dieser Netze stelle ich mir auch schwer vor, ich denke hier müsste mehrfach auf 10kV-Ebene (durch die EVUs) geschaltet werden. Erstes Aggri ein und in ein Ortsnetz speisen. Dann die 10kV Ebene über den Trafo zuschalten, einen zweiten Trafo zuschalten und an diesem 2. Trafo ein zweites Aggri synchronisieren. Dann das Ortsnetz vom 2. Aggri zuschalten. Jetzt sollten beide Aggri's (hoffentlich) etwa 50% belastet sein. Dann kann ein weiteres Ortsnetz (idealerweise erstmal die, wo die Aggregate stehen) zugeschaltet werden (die Last des Netzes packen die beiden laufenden Aggregate ja) und Aggri 3 synchronisieren. Weitere vorhandene Aggri's auf gleichem Wege zuschalten und am ende noch ein paar Ortsnetze ohne Aggris, bis eine Lastgrenze errreicht ist (Lastspitzen berücksichtigen). Wie man sieht sehr viele Schalthandlungen, gerade auf 10kV-Ebene und an verschiedenen Orten. Bis so ein Netz aufgebaut ist dauert es sicher 1/2 Tag, und die ganze Zeit ist mindestens auch ein Techniker vom EVU gebunden (für die 10kV-Schalthandlungen, die THW Ausbildung beschränkt sich soweit auf Niederspannungsanlagen, wenn nicht Helfer durch den Beruf eine Schaltberechtigung für 10kV haben).

hört sich auch schlimm an, ganz so schlimm ist es im Münsterland nicht. Dort kommt man mit dem Auto wieder vorran, nur fehlt halt noch der Strom.

mfg. Markus

Masten notfalls aus Holz, Dreiböcke oder Zweiböcke mit Halteleinen (Erdanker) in entsprechender Höhe (10m stabiler Zwei-/Dreibock sollte möglich sein) und oben auf die Zwei-/Dreiböcke die alten Isolatoren-Traversen von den gekippten Masten wieder drauf festschrauben. Seil liegt ja in großen Mengen noch am Boden rum, kurze Stücke für's Flicken sollten sich finden lassen. Quetschverbinder gehen irgentwann aus, aber auch da sollte es einige 10.000 Stück auf Lager geben. Notfalls Material wie Drahtseilklemmen aus dem Stahlseilbedarf, für Provisorien sollte es reichen.

mfg. Markus

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Markus Haastert schrieb:

Die Frage ist, ob man die überhaupt synchronisieren und im Parallelbetrieb verwenden kann (ich weiß es nicht). Eine Netzbildung erfordert ja auch ein Blindleistungs- und Frequenzregime, und dafür müssen die Stromerzeuger ausgelegt sein.

Die Schaltberechtigung alleine nützt nichts - man muß auch das Netz und seine Betriebszustände kennen. Die Mitwirkung des EVU ist unvermeidlich.

Gruß aus Bremen Ralf

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Markus Haastert schrieb:

Du scheinst mir beim THW goldrichtig zu sein. Machen anstatt Bedenken zu tragen und zu jammern. Könnte sich mancher einer Scheibe von abschneiden.

Gruß aus Bremen Ralf

Typen Marke "1000 Volt in Armen aber oben brennt kein Licht" wurden und werden nichts bei den EVUs,THW Feuerwehren usw. Und ausprobieren ob von Laienhand geflickte Leitungen halten und wenn nicht einfach zum x-ten Mal das Netz wieder UW-seitig neu zuzuschalten, das macht niemand.Es gabt schon genügend Ausfälle etc. So nach dem Motto: Wenn es schon für den witterungsbedingten Ausfall keinen Schadensersatz gibt, wegen höhere Gewalt, dann aber für den Ausfall einige Tage später.

MfG

Hallo, Markus,

Du (MHaastert) meintest am 29.11.05:

Linkliste:

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Niedersachsen:
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Schleswig-Holstein:
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Da war es noch ein wenig schlimmer als im Wangerland.

Hatte natürlich den Vorteil, dass die Fernsehteams auch nicht live vom Ort der Jahrhundertkatastrophe berichten konnten.

Viele Grüße! Helmut

Hat nicht gerade die ETH ein Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig

500kW-1MW Strom generiert? (und 24/7 läuft)

Gruss

Claudius

  • Claudius Zingerli :

Hatte mal, ist seit 15 Jahren oder so stillgelegt. ETH, Uni Zürich, Unispital und die Gegend werden von einer Fernheizung versorgt, die etwa 5 km nördlich auf der anderen eite des Hügels steht. Die produziert aber keinen Strom.

In den 50ern gabs auch mal Pläne für ein Atomkraftwerk unter dem stillgelegten Heizkraftwerk. Mitten in der Stadt; fein sowas.

- Andi

Ich war vor ca. 1.5 Jahren dort und habe die Maschine mit eigenen Augen in Betrieb gesehen. Vielleicht war es bloss ein Testbetrieb, aber der Typ von der Anlage hat nichts in der Richtung gesagt, sondern eher, dass das eine Grundversorgung bietet. Es war Sommer und oben auf dem ML-Kamin liess es sich ideal Sonne baden. (Abgesehen von den Dieselabgasen) Vielleicht denkst du an die Ölheizung. Gibt es auch noch, kommt aber erst zum Zuge, wenn WP, BHK und KVA nicht mehr ausreichen. Sollte gut höhr- und sichtbar sein, wenn sie in betrieb genommen würde.

In einer anderen CH-Grossstadt wurde das aber realisiert...

Gruss

Claudius

Notstromaggregaten gekappt [...]

Synchronisieren und parallel fahren (mehrere Aggri's parallel oder auch Netzparallel z.B. bei Ausfall eines Trafos) ist mit den Aggregaten der Fachgruppe Elektroversorgung (ca 90 Stück hat das THW in Deutschland) kein Problem. Diese können im Bedarfsfall sogar ein Netz z.B. für Wartungsarbeiten am Trafo ohne Spannungsausfall übernehmen und anschließend (nach Abschluß der Wartungsarbeiten am Trafo) wieder Rücksynchonisieren auf das Netz (Synchronisierfähiges Netzschütz in der Anlage vorausgesetzt, geht glaub ich um Einschaltzeiten). Sowohl Blindleistung als auch Wirkleistungsabgabe lassen sich an den Aggregaten beeinflussen.

Darauf wollte ich hinaus, die 10kV-Schaltberechtigung bei THW-Kräften könnte höchstens etwas nützen, wenn diese eine Einweisung (durch's EVU) in die Netzstruktur vor Ort haben um nach einem Inselnetzzusammenbruch (Überlast, Aggregateausfall) selbstständig das Netz wieder anzufahren (also die 4-5 Aggris wieder an die 6-7 Ortsnetze ranhängen).

mfg. Markus

So etwas wollte ich in der Ü-Technik immer mal bauen (als Adapter für versehentlich falsch herum gezogene Netztrommel) und der Betriebsmittelprüfung zur Abnahme einschicken ...

... worauf ein Kollege meinte, die würden wahrscheinlich nur den PE prüfen und dann ihren Stempel draufmachen.

vG

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Siegfried Schmidt schrieb:

Der Vollidiot gehört ...

Gruß aus Bremen Ralf

Hallo, Siegfried,

Du (usenet-56) meintest am 27.11.05:

Bei der Ölzentralheizung in unserem Bauernhaus (Wangerland, ca. 6 zu versorgende Räume) wurde die Umwälzpumpe mit Drehstrom betrieben.

Viele Grüße! Helmut

Siegfried Schmidt schrieb:

Da gibts auch so Projekte: Man will einen Server umziehen, aber nicht abschalten, weil die Uptime dabei flöten geht.

Also wird ein wenig gebastelt ...

Marc

Hi,

Das erwäge ich schon lange, aber fest installiert. Ich weiß nur nicht, inwieweit da Vorschriften beachtet werden müssen (Lärm, Abgase etc.).

Währe es mit fast identischem Aufwand nicht sicherer ein Stück NYM mit Stecker zu versehen, und bei Netzausfall direkt in der Unterverteilung aufzulegen oder eine Steckdose zu lockern und deren normale Klemmen zu benutzen? Dabei würde die Gewährleistung Deines (neuen?) Stromerzeugers erhalten bleiben...

Ich hatte mir für meine Zwecke übrigens folgendes überlegt:

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Ciao, Roland

Sollte so funktionieren, ich würde mir aber den Aufwand mit 3 Schützen sparen und davon ausgehen dass wenn dann alle 3 Phasen ausfallen. Wenn bei dir natürlich wichtige Geräte zu versorgen sind, die Schaden nehmen wenn sie länger keinen Strom (oder nur 2 Phasen) haben, dann lieber so eine Schaltung wie von dir vorgeschlagen. Aber dann sollte/müsste auch das Notstromaggri selbsttätig anlaufen.

mfg. Markus

Marc Fehrenbacher spoke thusly:

Server haben an USVs zu hängen, die Überbrückungszeit reicht locker zum Stecker umstecken. Weiteres Basteln nicht nötig. :-)

SCNR,

Sebastian

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